Stiftung Warentest schaut sich kostenloses Wi-Fi in der zweiten Klasse der ICE an

18. Februar 2017 Kategorie: Internet, Mobile, geschrieben von: André Westphal

Seit Anfang des Jahres ist es in den ICE auch in der zweiten Klasse möglich, kostenloses Wi-Fi zu nutzen. Für mich als Nordlicht natürlich alles Pillepalle: Ich konnte schon in einem der ersten Regionalzüge das WLAN der Bahn nutzen. So experimentiert die Deutsche Bahn bei uns im kalten Norden auf der Strecke Kiel-Lübeck-Lüneburg bereits mit Wi-Fi außerhalb der ICE / IC. Doch erstmal soll der kostenlose Zugriff aufs drahtlose Netzwerk ja auf längeren Strecken gut funktionieren. Ob das der Fall ist, hat nun die Stiftung Warentest einmal überprüft. Die Kollegen kurvten Hunderte von Kilometern mit Zügen durch Deutschland, um Ergebnisse zu erhalten.

Anders als in der ersten Klasse drosselt die Deutsche Bahn die Geschwindigkeit allerdings beim Wi-Fi der zweiten Klasse – das trifft jedenfalls dann zu,wenn ein Datenvolumen von mehr als 200 MByte überschritten wird. Die Stiftung Warentest ermittelte mit Drosselung eine Geschwindigkeit von durchschnittlich rund 6.00 Kilobit pro Sekunde – ohne Drosselung sind es ca. 1.000 Kilobit pro Sekunde. Damit lässt sich durchaus etwas anfangen, denn die Geschwindigkeit reicht locker zum Surfen im WWW oder zum Abruf von E-Mails. Auch SD-Videos lassen sich so durchaus noch streamen.

Jedoch stellte die Stiftung Warentest auch fest, dass die Geschwindigkeit der Verbindungen während der Fahrten erheblich variierte. Auch Verbindungsabbrüche traten auf. Umgekehrt gab es dann aber auch Zeitpunkte, in denen Datenraten von bis zu 2,5 Megabit pro Sekunde zur Verfügung standen (Strecke zwischen Berlin und Frankfurt am Main). Dass die verfügbare Geschwindigkeit variiert, hat sicherlich allerlei Gründe. Je mehr Bahnfahrer auf das Netzwerk zugreifen, desto langsamer wird es natürlich für jeden einzelnen.

Kritisch sieht die Stiftung Warentest übrigens den Diensleister der Bahn, welcher das kostenlose Wi-Fi im Auftrag der DB anbietet: Icomera. Das ist ein Unternehmen aus Schweden, das in seinen AGB laut einem konsultierten Jurist auch unwirksame Klauseln einsetzt. Außerdem weichen die Aussagen in den AGB von den vollmundigen Werbeversprechen der Deutschen Bahn ab.

Während letztere kostenloses WLAN in allen ICE und auch für die zweite Klasse verspricht, schreibt Icomera hingegen: „Icomera stellt dem Kunden in ausgewählten Zügen der Deutsche Bahn AG mithilfe von Funk-Technologie (WLan) im Rahmen ihrer tech­nischen Möglich­keiten einen Zugang zum Internet zur Verfügung.“ Auch behält sich Icomera vor in der zweiten Klasse Gebühren zu erheben – selbst wenn das in der Praxis nicht der Fall ist.

Die Deutsche Bahn hat dann auf Anfrage erklärt, dass die Einschränkungen in den AGB auf bestimmte Züge zurückzuführen seien, die nach Dänemark fahren. Der Punkt mit den etwaigen Kosten beziehe sich lediglich darauf, dass Kunden, die ihr Volumen von 200 MByte verbraucht hätten, die dann eintretende Drosselung durch eine Zahlung aufheben könnten.

Das Fazit der Kollegen lautet, dass das kostenlose Wi-Fi in den ICE aktuell gut nutzbar sei und die Geschwindigkeit ausreiche – wenn man es nicht gerade auf mobiles Musik- und Videostreaming abgesehen habe. Die Angaben in den AGB sieht die Stiftung Warentest trotz der Versicherungen der Deutschen Bahn jedoch kritisch.

Konntet ihr denn schon das kostenlose Wi-Fi in den ICE in der zweiten Klasse nutzen? Obwohl wir hier im Norden normalerweise immer etwas später dran sind als der Rest Deutschlands, kam ich wie gesagt sogar in einem Regionalzug mal in den Genuss. Auch dort funktionierte das Wi-Fi tadellos. Allerdings denke ich, dass die Nutzung vermutlich nicht besonders groß war. Die meisten Fahrgäste wussten vermutlich gar nichts von der Option.


 

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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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