Steam Machines: Ein Flop, der sich abgezeichnet hat

6. Juni 2016 Kategorie: Games, Hardware, geschrieben von: André Westphal

steam logoSteam Machines… Mein Gedanke war von Anfang an: Was soll das? Mit Steam OS und Steam Controller versuchten Valve und seine Partner eine Art Brückenschlag zwischen Gaming-PCs und Spielekonsolen herzustellen. PC-Gamer kratzten sich am Kopf, passen sie ihre Rechner doch am liebsten selbst an und haben seit jeher die Option eine Verbindung zum TV herzustellen bzw. mit z. B. dem Controller der Xbox 360 zu zocken. Konsoleros zuckten mit den Schultern, weil sie sich bereits an PlayStation und Xbox gut aufgehoben fühlen. Nun haben wir allerdings mehr oder minder Schwarz auf Weiß, dass die Steam Machines ein Flop sind.

Kürzlich hat Valve bekannt gegeben, dass sich der hauseigene Steam Controller immerhin seit November 2015 bereits 500.000 mal verkauft hat. Gegenüber Ars Technica bestätigte ein Sprecher Valves aber nun den eigentlichen Knackpunkt hinter dieser Zahl: Es sind auch die Controller einberechnet, welche im Bundle mit jeder Steam Machine in Kundenhände wandern. Das erlaubt die Schlussfolgerung, dass im allerbesten Fall maximal 500.000 Steam Machines verkauft wurden. Realistisch gesehen,dürfte die Zahl aber weit darunter liegen. Denn einige PC-Gamer haben sich sicherlich auch einfach so den Controller gegönnt. Oder Besitzer einer Steam Machine haben sich einen Ersatzcontroller gekauft.

Alienware Steam Machine game console desktop computer, codename Coral SM.

An sich klingt die Zahl auf den ersten Blick trotzdem gar nicht so übel. Vergleicht man die 500.000 Einheiten aber beispielsweise mit den Verkaufszahlen der Sony PlayStation 4 und Microsoft Xbox One, sieht es düster aus: Bereits am jeweils ersten Tag nach Launch setzten Microsoft und Sony je 1 Mio. Konsolen, also das Doppelte von dem ab, was Valve und Partner in einem halben Jahr erreicht haben. Und der Vergleich ist durchaus legitim, schließlich bewirbt Valve die Steam Machines als Konkurrenz bzw. Ersatz für Spielekonsolen. Würde man die Steam Machines mit den allgemeinen Verkaufszahlen von Gaming-Hardware in Bezug setzen, sähe es wohl noch düsterer aus.

Letzten Endes dürfte es Valve mittelfristig schwer haben, Partner von seinen Steam Machines und dem Steam OS überzeugen, wenn das Interesse der Kunden weiterhin so schwach bleibt. Dabei standen die Steam Machines ohnehin von Anfang an unter keinem guten Stern: Valve nahm an, dass Microsoft nach dem Apple-Prinzip mehr Kontrolle über die Windows-Plattform erlangen wolle und Software z. B. nur noch zentralisiert über den eigenen Windows Store anbieten könnte. Doch das seitens Valve ausgemachte Problem ergab sich in der Praxis nie. Zudem fehlt dem auf Linux basierenden Steam OS die Unterstützung durch große Publisher. Zugkräftige Exklusivtitel, welche die Konsolen vorangetrieben haben, fehlen ebenfalls.

Teilweise liefen zudem einige Spiele unter dem Steam OS schlechter als unter Windows. Kein Wunder, dass das Interesse der Gamer gering bleibt. Ich selbst hatte, wie eingangs erwähnt, von Anfang an Zweifel an dem Konzept. Im Grunde ist also jetzt nur eingetreten, was wohl die meisten Gamer erwartet haben. Bleibt die Frage, wie lange Valve und Partner noch an den Steam Machines festhalten mögen. Bereits ein halbes Jahr nach dem wenig Aufsehen erregenden Launch ist es ruhig geworden. Ich könnte mir vorstellen, dass wir bereits in einem weiteren halben Jahr nur noch von einer kleinen Fußnote in der Gaming-Szene sprechen.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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