Spotify soll 150 Millionen Dollar für die Bereitstellung nicht lizenzierter Musik zahlen

30. Dezember 2015 Kategorie: Internet, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_spotifyDer Musikstreamingdienst Spotify hat es nicht immer einfach. Als Unternehmen will Spotify Künstler fair bezahlen, den Nutzern dafür einen möglichst breiten Katalog an Musik bieten. Immer wieder gab es Diskussionen um das für Nutzer kostenlose, werbefinanzierte Modell. Immer wieder beteuerte Spotify, dass alle Künstler fair bezahlt würden. Dass es vielleicht doch nicht alle sind, zeigt nun eine Klage, die am 28. Dezember beim Central District Court in Kalifornien eingereicht wurde. Es handelt sich um eine Sammelklage, die allerdings nur von Camper von Beethoven und David Lowery eingereicht wurde. Es geht um Copyright-Verstöße, die Spotify begangen haben soll.

Spotify Logo

Bietet Spotify also Musik an, die der Dienst gar nicht anbieten darf? Nein, nicht wirklich. Es geht vielmehr darum, dass Spotify Musik anbietet, für die die Rechteinhaber nicht ausgemacht werden kann. Neben 150 Millionen Dollar an Entschädigung möchte die klagende Partei auch, dass Spotify daran gehindert wird, solche Musik zu nutzen. Für die Klage werden einige Titel genannt, die betroffen sind.

Spotify äußerte sich bereits zu der Klage und sagt aus, dass man für solche Fälle Gelder zurücklegt und die Lizenzgebühren bezahlt sobald der Rechteinhaber geklärt ist. Die Rücklage soll laut „Insidern“ 17 – 25 Millionen Dollar schwer sein. Folgendes Statement gab Jonathan Prince (Global Head of Communication bei Spotify) gegenüber Billboard ab:

„We are committed to paying songwriters and publishers every penny. Unfortunately, especially in the United States, the data necessary to confirm the appropriate rightsholders is often missing, wrong, or incomplete. When rightsholders are not immediately clear, we set aside the royalties we owe until we are able to confirm their identities. We are working closely with the National Music Publishers Association to find the best way to correctly pay the royalties we have set aside and we are investing in the resources and technical expertise to build a comprehensive publishing administration system to solve this problem for good.“

Das Statement klingt nicht nach „da wäre eine Klage nötig gewesen“, es wirft mehr die Frage auf, warum es überhaupt zu einer Klage kommen konnte. Die Rechteinhaber der in der Klage genannten Songs scheinen ja bekannt zu sein, folglich hätte Spotify auch Lizenzgebühren zahlen können. Allerdings weiß man eben nicht, ob es im Vorfeld überhaupt zu Gesprächen zwischen den Parteien kam. Danach klingt es nämlich wiederum nicht.

Abseits von der Klage arbeitet Spotify bereits an einem System, das mit solchen Unzulänglichkeiten Schluss machen soll. Sollte die Klage erfolgreich sein, müsste Spotify seinen Katalog ausdünnen, ihn um die Songs erleichtern, die ohne Lizenz angeboten werden. Laut Lowery sind dies gar nicht so wenige, deshalb auch die Sammelklage. Über die „Entdecken“-Funktion ließen sich schnell mehr als 100 Künstler finden, die betroffen seien.

Das Ganze könnte bei erfolgreicher Klage durchaus einen negativen Effekt auf den Streaminganbieter haben. Nicht nur wegen der Publicity, sondern vor allem wegen eines eventuell ausgedünnten Angebots. Das wird zwar kaum Mainstream-Musik betreffen, dennoch würden dann zahlreiche Titel verschwinden. Ob die Nutzer das wiederum gut finden? Sicher nicht die, die genau diese Titel hören möchten. Insgesamt klingt das für mich dennoch so, als wären die klagenden Musiker hier etwas voreilig gewesen. Ob dem tatsächlich so ist, wird wohl das Gericht entscheiden müssen. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

(Quelle: Billboard)


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Über den Autor: Sascha Ostermaier

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