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Spotify: neue Datenschutzrichtlinien schützen Daten eher wenig

21. August 2015 Kategorie: Internet, Streaming, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_spotifySpotify-Nutzer haben es die Tage sicher bemerkt, sie sollen neue AGB des Streaming-Anbieters akzeptieren, da das Geschäft nicht mehr über die Spotify GmbH läuft, sondern über Spotify AB abgewickelt wird. Die wenigsten Nutzer werden sich jedoch die neuen AGB auch durchgelesen haben, dabei haben sie es ganz schön in sich, vor allem was das Sammeln persönlicher Daten angeht. Spotify möchte mehr über die Nutzer erfahren, diese müssen dies akzeptieren oder aber auf Spotify verzichten, ein Opt-Out für die Datensammelei gibt es nämlich nicht.

Wired hat sich die neuen Datenschutzrichtlinien, die am 19. August in Kraft traten, einmal genauer angeschaut und einige Punkte entdeckt, mit denen sicher nicht jeder Nutzer einverstanden ist. So heißt es zum Beispiel unter Punk 3.3 der neuen Datenschutzrichtlinien:

3.3 Auf Ihrem Mobilgerät gespeicherte Daten

Mit Ihrer Zustimmung erfassen wir Informationen, die Sie auf Ihrem Mobilgerät gespeichert haben. Dazu gehören Kontakte, Fotos oder Mediendateien. Die lokale Gesetzgebung kann vorsehen, dass Sie die Zustimmung Ihrer Kontakte zur Übermittlung ihrer personenbezogenen Daten an Spotify einholen. Spotify kann diese Daten zu den in diesen Datenschutzbestimmungen genannten Zwecken verwenden.

Spotify nimmt sich mit den neuen AGB die Freiheit, Euer Smartphone zu durchsuchen und auch Inhalte zu verwenden, die direkt nicht unbedingt etwas mit Spotify zu tun haben. Hinzu kommt, dass Spotify von Euch erwartet, dass Ihr die Zustimmung Eurer Kontakte einholt, dass diese Daten weiterverarbeitet werden dürfen. Habt Ihr aber hoffentlich schon beim Sync des WhatsApp-Telefonbuchs gemacht. 😉

Weiter geht es mit GPS- und Sensordaten, dann auch die braucht Spotify anscheinend, um Euch das perfekte Musikerlebnis bieten zu können:

3.4 Daten zum Standort und Sensordaten

Abhängig von der Art des Geräts, über das Sie auf die Dienste zugreifen und von Ihren Einstellungen, können wir auch Informationen zu Ihrem Standort über beispielsweise die GPS-Daten Ihres Mobilfunkgeräts oder andere Formen der Lokalisierung mobiler Geräte (z. B. Bluetooth) erfassen. Wir können ebenfalls Sensordaten (z. B. Daten über die Geschwindigkeit Ihrer Bewegungen, beispielsweise, ob Sie laufen, gehen oder unterwegs sind) erfassen.

Ok, ein bisschen nachvollziehbar ist das Sammeln der Sensor- und GPS-Daten, immerhin können diese bei sportlich aktiven Menschen auch musikalisch gesehen sinnvoll eingesetzt werden. Auf jeden Fall weiß Spotify immer, wo Ihr Euch gerade aufhaltet und wie schnell Ihr Euch bewegt. Für eine Musikstreaming-App vielleicht doch etwas übertrieben.

Die letzte Auffälligkeit dreht sich um Eure Aktivitäten bei Facebook. Das ist allerdings der wohl am wenigsten schwer wiegende Punkt, da man Spotify einfach vom Facebook-Account trennen kann (falls man sich nicht über Facebook bei Spotify registriert hat. Wer die Verknüpfung beibehält, muss mit folgenden Aktionen rechnen:

Sie können Ihr Spotify-Konto in Anwendungen Dritter integrieren. Wenn Sie dies tun, erhalten wir ähnliche Informationen in Bezug auf Ihre Interaktionen mit den Diensten über Anwendungen Dritter sowie Informationen zu Ihren öffentlich verfügbaren Interaktionsdaten mit der Anwendung Dritter. Darin eingeschlossen sind zum Beispiel Ihre „Likes“ und Posts auf Facebook.

Die einzige Möglichkeit, sich gegen das Sammeln der Daten zu wehren, ist den Dienst nicht zu nutzen. Spotify bietet zwar in den Einstellungen die Möglichkeit, das Teilen von Daten mit Dritten zu unterbinden, gesammelt werden diese aber erstmal dennoch. Sicher benötigt ein personalisierter Dienst wie Spotify so viele Daten wie möglich, um das Angebot passend zu machen, teilweise sieht das aber wirklich übertrieben aus.

Update: Folgendes Statement erreichte uns auf Nachfrage über einen Unternehmenssprecher von Spotify:

Spotify arbeitet permanent daran, seinen Service weiterzuentwickeln, um Nutzern das beste Musikerlebnis zu bieten. Wir wollen unseren Nutzern die beste Musik für verschiedene Momente am Tag empfehlen und sie dabei unterstützen, Musik zu genießen, neue Künstler zu entdecken und mit ihren Freunden zu teilen. Nutzerdaten helfen uns dabei, das individuelle Musikerlebnis zu verbessern und zukünftig Produkte zu entwickeln, die speziell auf unsere Nutzer abgestimmt sind. Ein Beispiel ist Spotify Running, das den Beat eines Songs (BPM) and die Schrittgeschwindigkeit des Läufers anpasst. Die Playlists „Dein Mix der Woche“ ist ein weiteres Beispiel für ein datenbasiertes Feature, denn hier bekommt der Nutzer wöchentlich eine Playlist, die perfekt und individuell auf seine Hörgewohnheiten angepasst ist.

Wir können jedem Nutzer versichern, dass die Privatsphäre und die Datensicherheit unserer Nutzer für uns höchste Priorität hat und auch in Zukunft haben wird.

Unsere Werbepartner erhalten von uns nur anonymisierte Nutzungsdaten von Spotify Free Nutzern, nicht von Spotify Premium Nutzern. Alle Werbepartner mit denen wir zusammenarbeiten, haben einen Vertrag unterschrieben, der die Nutzung der Spotify-Daten reguliert.



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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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