Spotify: Fünf Geheimtipps aus dem Jahr 2017

26. Dezember 2017 Kategorie: Streaming, geschrieben von:

Musikstreaming ist eine zwiespältige Sachen: Musik per Flatrate – das kann man gut oder auch schlecht finden. Z. B. hatte sich der Musiker Robert McVey in einem Interview hier im Blog sehr kritisch über Spotify und Co. geäußert. Denn auch wenn das Abonnement und der Zugriff auf ein schier unbegrenztes Portfolio an Musik für den Kunden gut ist, verdienen Musiker damit am Ende kaum etwas. Allerdings gibt es durchaus die Chance, über die Streaming-Plattformen auch die ein oder andere Perle zu entdecken, die einem sonst entgangen wäre. 2017 konnte ich über Spotify etwa viele Künstler und Alben aus dem Underground aufstöbern, auf die ich ohne den Streaming-Anbieter sicherlich nie gekommen wäre.

Um klarzustellen: Die fünf Bands und Alben entsprechen natürlich meinem subjektiven Musikgeschmack. Jemand der vorwiegend Hip Hop, Metal oder Weltmusik hört, würde sicherlich eine völlig andere Liste zusammenstellen. Aber das macht es auch interessant, denn ich bin durchaus auf eure Kommentare mit euren eigenen Entdeckungen des Jahres 2017 gespannt. Vielleicht ist da ja auch für mich die ein oder andere Anregung dabei, um über den Tellerand zu blicken.

5. Tusks – Dissolve

Hinter Tusks verbirgt sich im Grunde nur eine Person: die Songwriterin Emily Underhill aus London. Sie gibt sich auf ihrem Debütalbum einer sehr getragenen, düsteren Schwermut hin. Die sanfte Stimme der Multi-Instrumentalistin in Verbindung mit den sphärischen Gitarrenklängen funktioniert für mich besonders beim Titeltrack sowie „False“ besonders gut.

Es wundert nicht, dass Underhill mit dem Album Verlust, Trennung – allgemein gescheiterte Liebeseziehungen verarbeitet. Das Album könnte zwar meiner Meinung nach in sich etwas geschlossener sein, denn es sind auch einige Filler mit von der Partie, aber Tracks wie eben „Dissvolve“ gleichen das locker wieder aus.

4. Slow Crush – Ease

513 monatliche Hörer – auch das muss man bei Spotify erst einmal schaffen. Trotzdem ist klar, dass die noch sehr junge Band Slow Crush aktuell ganz am Anfang steht. Ihre erste EP „Ease“ hat es bei mir zur Dauerrotation geschafft, nachdem ich das Lied „Dizzy“ durch Zufall über eine Playlist vorgeschlagen bekam und aufhorchen musste.

Slow Crush mischt dabei sowohl im Songwriting als auch im eher rauen, reduzierten Sound den Alternative Rock der 1990er-Jahre mit Shoegaze-Elementen. Da Shoegaze 2017 die Rückkehr von zwei Veteranen feiern konnte, sowohl Ride als auch Slowdive haben nach jahrzehntelanger Pause neue Alben veröffentlicht, verbessern sich natürlich auch die Chancen für Newcomer wie Slow Crush. Das Reinhören kann ich persönlich definitiv empfehlen.

3. Pinkshinyultrablast – Find Your Saint

Die Band mit dem konfusen Namen: Pinkshinyultrablast stammt aus St. Petersburg in Russland. Stilistisch kann man diese Kapelle irgendwo zwischen Shoegaze, Dreampop und 1980er-Jahre-Avantgarde einordnen. 2017 hat die Band mit „Find Your Saint“ eine neue Single veröffentlicht, die nicht unbedingt schnell ins Ohr geht, bei mir aber so manchen, abendlichen Run an der Kieler Förde untermalt hat.

Weitere Anspieltipps sind das verträumte „Umi“, das treibende „Holyforest“ oder auch das Noise und Melodie verquickende „The Cherry Pit“. Ohne Spotify wäre ich auf diese Band mit Sicherheit nicht gekommen und bin mehr als dankbar für diese wunderbare Entdeckung.

2. Graveyard Club – Ouija

Graveyard Club – warum diese Band keine Stadien füllt, bleibt für mich ein Mysterium: Die Band sieht unverschämt gut aus, schwimmt musikalisch voll im aktuellen 1980er-Jahre-Trend, verpasst dem ganzen aber einen modernen Spin. Die neuste Single der Band, „Ouija“, geht sofort ins Ohr und fräst sich quasi unbarmherzig ins Hirn. Stellt euch eine unverschämt eingängige Mischung aus David Bowie und Joy Divison vor.

Ich hoffe, dass Graveyard Club noch Großes bevorsteht, denn mit knapp 7.600 Hörern im Monat ist die Band aktuell noch absoluter Underground. Hier sollte eine Plattenfirma zuschlagen und das Konzept der Band, das in den Texten eben nicht von Hipster-Themen sondern Horror und einem gewissen Augenzwinkern zehrt, auf die nächste Stufe hieven. Lauscht einfach mal „Ouija“ und der Kracher für die nächste Party ist gesichert. Weitere Anspieltipps: „Nightcrawler“, „Into the Dark“ und die Ballade „Nightingale“.

1. Airiel – Molten Young Lovers

Erstmals wurde ich auf die Band Airiel durch den Soundtrack zum sehr schrägen Film „Kaboom“ des Regisseurs Gregg Araki aufmerksam. Das Lied „In Your Room“ untermalt auch den Trailer zum Film und blieb mir sofort im Ohr hängen. Nun war es allerdings einige Jahre ruhig um diese Formation aus Chicago.

Die Plattenfirma beschreibt „Young Molten Lovers“ als „It’s loud. It’s pretty. You can dance to it“. Trifft es perfekt. Anspieltipps von diesem hervorragenden Shoegaze-Album mit viel Melodie sind „Cloudburst“, „Song of You“ und natürlich der hypnotische Titeltrack „Young Molten Lovers“. Für mich persönlich ist „Young Molten Lovers“ das Album des Jahres und ein heißer Anspieltipp bei Spotify. Falls ihr etwas mit sphärischer Gitarrenmusik anfangen könnt, die abseits des üblichen Strophe- / Refrain-Schemas agiert, dann hört einfach mal rein.

Wie ihr seht, handelt es sich bei meiner Liste im wahrsten Sinne des Wortes um Geheimtipps – am meisten monatliche Hörer erreicht von den genannten Bands Tusks mit etwa 102.000 monatlichen Hörern. Vielleicht gefällt euch ja auch eine der genannten Truppen – oder ihr habt vielleicht eure eigenen Tipps, die ihr gerne über die Kommentare teilen möchtet? Ich bin jedenfalls gespannt und höre mir immer gerne Neues an.


Über den Autor:

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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