Sony verweigert sich Cross-Platform-Play mit den Xbox-Schmuddelkindern

17. Juni 2017 Kategorie: Games, geschrieben von: André Westphal

Das Thema Cross-Platform-Gaming ist seit jeher schwierig: Ich erinnere mich noch was für ein Tumult es war, als im Spiel „Shadowrun“ im Jahr 2007 neben „Final Fantasy XI“ erstmals PC-Gamer gegen Besitzer einer Xbox 360 ins Feld ziehen durften. Anschließend wurde es ruhig um die Funktion und so richtig flammte sie erst durch die Xbox One und Windows 10 wieder auf. Nun gibt es erneut hitzige Debatten: So führt Microsoft für „Minecraft“ umfangreiche Cross-Platform-Vernetzungen ein. Doch ein einsames Dorf Hersteller leistet Widerstand: Sony.

Zuletzt war die Diskussion um Cross-Platform-Gaming bereits durch „Rocket League“ neu entfacht worden. Auch bei jenem Titel verweigerte sich Sony zumindest dem Mit- / Gegeneinander von PS4- und Xbox-Spielern. Partien zwischen PS4- und PC-Gamern sind hingegen möglich.

Auch bei „Minecraft“ verweigert sich Sony einer breiteren Verbindung. Auf der E3 kündigte Microsoft an, dass man die Spieler plattformübergreifend vernetzen werde: Hier können dann Besitzer einer Nintendo Switch, einer Xbox One / 360 und sogar Nutzer mobile Endgeräter und von VR-Headets gemeinsam spielen. Erneut bleiben nur die PlayStation-Gamer für sich. Eines wird dabei deutlich: Sony will nicht, dass die PlayStation-Community sich mit den Schmuddelkindern von der Xbox abgibt.

Sony hatte sich in der Vergangenheit immer herausgeredet: Mal nannte man technische Schwierigkeiten als Gründe gegen Cross-Platform-Gaming, zuletzt führte Sony auch Sicherheitsbedenken an. Gegenüber Eurogamer erklärte der Leiter des PlayStation-Marketings, Jim Ryan, dass man ja nur auf die Kinder achten wolle. So liest sich die Erklärung, die ich euch nicht vorenthalten möchte, wie folgt:

„Ja, wir müssen da an unsere Verantwortung gegenüber unseren Nutzern denken. Gerade bei ‚Minecraft‘ gibt es auch viele sehr junge Spieler. Wir haben einen Vertrag mit den Gamern, die mit uns gemeinsam online gehen und der besagt, dass wir auf sie aufpassen und dass sie im moderierten PlayStation-Universum bleiben. Die User, vielfach kleine Kinder, nun externen Einflüssen auszusetzen, welche wir überhaupt nicht kontrollieren können, ist etwas, das wir extrem vorsichtig abwägen müssen.“

Für mich liest sich das einigermaßen absurd. Im Grunde sagt Ryan, dass in der PlayStation-Community ja alles dufte und jugendfrei sei. Aber was die durchgeknallten Nachbarn von Microsoft und der dreckige Onkel von Nintendo da so treiben – dafür wolle man sozusagen seine Hand lieber nicht ins Feuer legen. Kein Wunder, dass der Chef der Xbox-Sparte, Phil Spencer, von solchen indirekten Unterstellungen wenig begeistert gewesen ist: Spencer merkte zusammengefasst an, dass Sony da nun ein ganz neues Fass aufmache, denn Microsoft setze sich mindestens genau so sehr für eine angenehme Community ein wie Sony.

Hinzu kommt dass Sonys Argumentation ohnehin wenig Sinn ergibt, wenn man bedenkt, dass beispielsweise Cross-Platform-Play zwischen PS4- und Xbox-One-Spielern bei „Rocket League“ nicht möglich ist, sehr wohl aber mit PC-Gamern. Gerade die PC-Gemeinschaft dürfte aber aufgrund der Offenheit der Plattform am allerschwierigsten zu überblicken sein, während Microsoft recht strenge Gemeinschaftsstandards für Xbox Live anlegt. Hier widerspricht sich Sony also selbst. Auch z. B. „Eagle Flight“, „Star Trek: Bridge Crew“ oder „Portal 2“ erlauben Cross-Platform-Gaming zwischen PS4 und dem PC. Es ist also offensichtlich, dass sich Sony ganz gezielt einer Vernetzung mit der Xbox-Community verweigert.

Und warum sollen die vermeintlichen PlayStation-Saubermänner ihrer heilen Welt nicht entfliehen und mit den offensichtlich verdorbenen Xbox-Schmuddelkindern gemeinsam spielen? Es liegt sehr nahe, dass wirtschaftliche Gründe den Ausschlag geben. Sony ist in dieser Konsolengeneration der Marktführer und will es sich vermutlich auf dieser Position gemütlich machen. Verbindungen zu anderen Konsolen-Communities bewertet man da offenbar kritisch – nicht dass ein „Minecraft“-Spieler einem PS4-Besitzer womöglich „Forza Motorsport 7“ empfiehlt, oder schlimmer noch: eine Xbox One X.

Nun ist es wie es ist: Ich kann Sony durchaus verstehen, aber letzten Endes sind die Gamer die Leidtragenden. So zocke ich deutlich lieber an meiner PlayStation 4 Pro als an der Xbox One S und bin seit jeher eher an einer PlayStation zuhause. Trotzdem würde ich Cross-Platform-Gaming begrüßen, denn die unterschiedlichen Konsolen-Fans näher aneinander zu rücken, halte ich für besser als sinnlose Fanboy-Kriege anzufachen. Doch dass Sony seine Meinung in näherer Zeit ändert, halte ich für unwahrscheinlich -leider.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei
Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich
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