Smart TV Connector von Amerry als Chromecast-Alternative im Test

13. Januar 2014 Kategorie: Hardware, Internet, Mobile, geschrieben von:

Google hat auf der letzten Google I/O den interessanten und vor allem günstigen Streaming-Stick Chromecast vorgestellt, den Caschy euch bereits ausführlich vorgestellt hat. Der günstige Preis von 35$ hat schnell zu großer Nachfrage in den USA geführt und hierzulande wird er für 35€ im März zu haben sein. Einerseits hat er das Streaming für viele deutlich vereinfacht, andererseits ist der Stick aber auch teilweise stark limitiert – es gibt nur wenige von Google zugelassene Apps (vor allem für Deutschland) und es werden keine klassischen Streaming-Protokolle wie AirPlay oder Miracast unterstützt.

Amerry Smart TV Connector

Grund genug sich einmal mit Alternativen zu beschäftigen, die das Prinzip des Chromecasts ebenfalls abbilden und dennoch einige Vorteile versprechen. Daher habe ich mir den HDMI-Stick Smart TV Connector von Amerry zukommen lassen und ihn in für euch einem Test unterzogen.

Lieferumfang und Allgemeines

Der Lieferumfang ist ähnlich dem Chromecast: HDMI-Stick, ein WLAN-Empfänger (hängt an einem Y-USB-Kabel), das Netzteil (falls euer TV keinen USB-Port hat) und eine deutschsprachige Anleitung ist in dem Paket enthalten.

Interessanter sind da schon die unterstützten Streaming-Protokolle, die der kleine Stick laut Hersteller alle unterstützt. Dort sind die bekanntesten aufgeführt, die in eurem Haushalt vorkommen dürften:

  • DLNA
  • Miracast
  • AirPlay

Somit ist hier wohl der größte Unterschied zum Chromecast, welcher diese Standard-Protokolle nicht unterstützt. Die Vorteile sind, dass ihr somit alle Mediendateien und euren Bildschirm auf den TV oder Beamer bringen könnt und nicht auf bestimmte Apps eingeschränkt seid. Videos können in üblicher Full-HD Qualität bis zu 1080p wiedergegeben werden.

Die vorgesehenen Einsatzzwecke sind damit schnell ersichtlich. Neben dem Empfänger für alle Arten von Mediendateien – lokal oder aus dem Netz – könnt ihr ebenfalls den gesamten Bildschirm eurer Geräte spiegeln und nicht nur die Inhalte einzelner Apps, sofern sie die technischen Voraussetzungen erfüllen (Miracast ist beispielsweise nur in neueren Android-Geräten verfügbar).

Für den Stick stellt der Hersteller zudem über EZ-Cast die passende Software für alle populären Plattformen vor.

  • Android ab Geräten mit 4.0
  • Windows ab XP
  • Mac OS X ab 10.7

Einrichtung und Bedienung

Glücklicherweise nehmen sich Chromecast und der Smart TV Connector bei der Einrichtung nur wenig. Einfach an den Fernseher über HDMI anschließen, Strom bekommt er über den USB-Port oder das mitgelieferte Netzteil und schon bekommt ihr das Einrichtungsbild.

Einrichtung am TV

Ihr müsst dem Stick nun nur noch über eine der Apps, egal ob am Desktop oder am Android oder iOS Gerät, die WLAN-Zugangsdaten mitteilen. Der Stick baut anschließend sein eigenes WLAN auf, mit dem ihr euer Gerät im Anschluss verbinden müsst. Die SSID und das Kennwort werden auf dem TV im oberen Bereich angezeigt, das Passwort kann später geändert werden. Damit seid ihr dann bereits mit der Einrichtung fertig und dies hat bei mir problemlos funktioniert.

Öffnet nun eine der Apps und ihr bekommt den größtenteils überall gleich aussehenden Startbildschirm zu sehen.

iOS App Smart TV ConnectorDie Oberfläche ist selbsterklärend und man findet sich schnell zurecht. Folgende Optionen habt ihr in den mobilen Apps:

  • Fotos betrachten
  • Musik
  • Video
  • Dokumente (Präsentationen, Text, Tabellenkalkulationen)
  • Webbrowser
  • Kamera
  • Cloud Video (YouTube, Vimeo)
  • Kommentare/Wünsche für neue Funktionen
  • Update

Falls ihr eure Dateien nicht in der App betrachten wollt ist dies durch die unterstützten Streamingprotokolle ebenfalls möglich. Unter iOS nehmt ihr beispielsweise die YouTube App und habt automatisch das AirPlay Zeichen wo ihr das Video streamen könnt.

YouTube streaming iOSGleiches funktioniert natürlich dank AirPlay z.B. auch für Spotify, die ARD-Mediathek oder lokale Videos und Musik. Bei iOS lief das über AirPlay bei mir im Test stabil und ruckelfrei, lediglich ein paar Sekunden Buffering zu Beginn waren üblich.

Unter Android sollte dies mit Miracast ähnlich funktionieren, jedoch hatte ich kein kompatibles Gerät im Haushalt. So blieb nur DLNA für den Test über das NAS oder über die App Skifta, die wir ebenfalls schon im Blog hatten. Dies lief ebenfalls größtenteils ohne Beanstandung, bei Full-HD-Inhalten hatte ich aber teilweise kleinere Ruckler. Schmerzvoll vermisst habe ich allerdings die direkte Unterstützung in den Apps, beispielsweise bei der YouTube App.

Was unter iOS mit AirPlay oder beim Chromecast einfach mit nur einem Klick erreichbar ist, ging hier nur über die Funktion Cloud Video aus der EZ Cast App. Die Suche geht dann über die mobile Seite von YouTube. Prinzipiell funktioniert es, aber speziell für YouTube unter Android fand ich den Chromecast hier besser. Die Funktion Cloud Video hat seltsamerweise neben legalen Anbietern auch den berüchtigten Anbieter Kinox.to in der Auswahl, welche in einem solchen Angebot nichts zu suchen hat und entfernt gehört.

EZ Cast Cloud VideoUnter Windows und Mac OS X kommt neben den klassischen Streaming noch die Nutzung als Bildschirm hinzu. So kann der vollständige Bildschirm entweder auf den Fernseher oder Beamer gespiegelt werden oder alternativ als weiterer externer Bildschirm genutzt werden. Der Ton wird ebenfalls direkt auf dem Endgerät wiedergegeben.

EZ Cast Mac OS XDer Graphic-Modus stellt das Bild insgesamt etwas schärfer da, während der Video-Modus eher für schnellere Übertragungsgeschwindigkeiten sorgen soll. Beim Videomodus versagte der Stick allerdings für mich, denn verschiedene Videos in Full-HD oder auch in geringerer Qualität haben ständig geruckelt und waren praktisch nicht anzusehen. Will man hingegen lediglich eine Präsentation auf den Beamer schicken ohne erst Kabel anzuschließen dann reicht der Stick vollkommen aus, die geringe Verzögerung von ca. 1-2 Sekunden fällt hier nicht ins Gewicht.

EZ Cast WindowsEine kleine Spielerei abseits des klassischen Streamings hat der Hersteller mit den Funktionen Kamera aufnehmen integriert. So könnt ihr das Smartphone beispielsweise als Kamera nutzen und einen Bereich damit überwachen. Ebenfalls kann einfach ein Foto aufgenommen werden und darauf kleine Anmerkungen vorgenommen werden. Gleiches funktioniert ebenfalls, wenn ihr den integrierten Browser nutzt. Wer es braucht… 😉

Fazit

Der Smart TV Connector von Amerry ist eine interessante Alternative zum Chromecast oder anderen Lösungen rund um den Raspberry Pi oder einen Apple TV. Wer lediglich unter Android unterwegs ist und hauptsächlich von dort streamen möchte, dem würde ich zum Chromecast raten, denn die Verzahnung im System ist einfach besser gelöst. Wer aber AirPlay und Miracast benötigt, der bekommt eine ähnlich einfache Lösung wie den Chromecast und hat erweiterte Einsatzgebiete wie Bildschirm spiegeln und nicht nur einen Browsertab.

Preislich nehmen sie sich so gut wie nichts, den Smart TV Connector bekommt ihr aktuell für um die 40€ bei verschiedenen Händlern. Ein Raspberry Pi kostet mit WLAN etwas mehr und ein Apple TV ist preislich noch etwas höher eingeordnet. Seine Hauptaufgabe erledigt er weitgehend ordentlich, bei einfacher Spiegelung am Desktop von Mediendateien gibt es allerdings noch großen Verbesserungsbedarf und die Verzögerung zwischen Desktop und Anzeige auf dem Bildschirm darf gerne noch etwas schneller sein. Der Hersteller liefert derzeit noch einiges an Updates (letztes am 31.12.13), womit Hoffnung auf Verbesserungen der Kritikpunkte besteht.

Persönlich bleibe ich bei meiner Lösung mit dem Raspberry Pi mit OpenELEC und XBMC, welches bekanntermaßen seit einiger Zeit auch AirPlay unterstützt. Die Einstiegshürde ist hierbei allerdings etwas größer und bis alles soweit funktioniert ist dies für unerfahrene Benutzer mit etwas höherem Aufwand verbunden und eine solche Stick-Lösung eine überlegenswerte Option.


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Über den Autor:

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