Sittenstrolche aufgepasst: Facebook scannt eure Chats

14. Juli 2012 Kategorie: Social Network, geschrieben von:

Manchmal geht man in so einen Artikel rein und kann die Reaktionen von euch schon ein wenig erahnen. Bei dem Beitrag zur Facebook-Bank war es zum Beispiel so. Da weiß man im Vorfeld, dass sich die meisten nicht damit anfreunden können, Bank-Daten über Facebook zu verwenden.

So ähnlich eindeutig stelle ich mir das jetzt vor, wenn ich heute darüber schreibe, dass die Chats und Nachrichten auf Facebook auf kriminelle Machenschaften überprüft werden. Facebook bestätigte gegenüber Reuters, dass das Unternehmen tatsächlich so vorgeht und ich wette, dass es bei einem Großteil der Nutzer keinen Beifall finden wird.

In der Tat sitzen da nun keine Facebook-Mitarbeiter und lesen unsere Chats, sondern lassen die Unterhaltungen eher automatisiert scannen, um beispielsweise Triebtätern auf die Spur zu kommen. Dabei nutzt man verschiedene Parameter wie den Ort und Altersunterschied der sich unterhaltenden Personen, achtet darauf, dass diese Leute keine gemeinsamen Freunde haben und sich erst kurz kennen.

Anhand von Chat-Protokollen bereits dingfest gemachter Krimineller scannt man die Chats auf bestimmte Formulierungen, die auf das Anbahnen einer Straftat hinweisen. Im konkreten Beispiel wollte sich ein 30-jähriger Mann in Florida mit einem 13-jährigen Mädchen treffen. Es wurde über Sex geredet, die Unterhaltung wurde als gefährlich eingestuft und das ist dann der Punkt, an dem dann tatsächlich ein Facebook-Mitarbeiter auf den Chat schaut. In diesem Fall hat er die Polizei eingeschaltet, die kurzerhand den Rechner des Mädchens kaperten und den Mann verhaften konnten.

Das ist ein Einzelfall, der belegen soll, dass das System funktioniert. Wenn dadurch eine sexuelle Straftat oder gar Schlimmeres verhindert werden konnte, hat man vermutlich auch wenig Gegenargumente. Ein wenig Bauchschmerzen bereitet mir die Geschichte dennoch, kann ich ja schließlich nicht von außen nachvollziehen, wie diese automatisierten Vorgänge ablaufen, wann ein Facebook-Mitarbeiter meinen Chat zu sehen bekommt – und wie sicher es ist, dass aus dem Dialog auch die richtigen Schlüsse gezogen werden.

Gerade bei Mädels sehe ich es sehr oft, dass überhaupt kein Geburtsjahr angegeben ist, auf der anderen Seite kenne ich aber auch genügend Menschen, die nicht die richtigen Daten angeben. Wenn ich nun eine alte Freundin bei Facebook wiederfinde, die es witzig findet, sich dort als 15-jähriges Mädchen auszugeben, sollte ich also vermutlich davon absehen, mich mit ihr zu verabreden, damit man mir zu Hause nicht die Tür eintritt.

Ich lebe den ganzen Post-Privacy-Gedanken ja durchaus und weder meine öffentlichen Statusmeldungen noch privaten Chats sind irgendwas, was mir Kopfschmerzen bereitet. Dennoch bleibt ein unwohles Gefühl zurück bei dem Gedanken, dass die Unterhaltungen gescannt, gelesen und mitunter falsch gedeutet werden könnten.Ich halte Facebook für ein tolles Netzwerk – aber eben nicht für die Weltpolizei. Was sind eure Meinungen dazu? Ist es legitim, weil dadurch womöglich Straftaten verhindert werden? Oder eher ein Grund, Facebook gegenüber noch ein wenig wachsamer zu sein?

Quelle: ZDNet


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