„Silicon Valley“: Season 3 zeigt die HBO-Serie auf dem bisherigen Höhepunkt

21. Mai 2017 Kategorie: Streaming, geschrieben von:

Ich habe hier ja über meinen Kurztrip nach New York City gebloggt, bei dem ich in erster Linie Acers Event next@acer besucht habe. Doch was wäre eine Reise in die USA, ohne in ein BestBuy zu stapfen und sich eine Blu-ray zu einer seiner Lieblingsserien mitzunehmen? Speziell,wenn es um eine Blu-ray geht, die es in Deutschland leider nicht im Handel gibt: „Silicon Valley“ mit der dritten Staffel. Und abermals erntet die Serie von mir eine absolute Kaufempfehlung.

Wer eine ernsthaftere Serie über die Tech-Industrie, allerdings in den 1980er-Jahren angesiedelt, sehen möchte, dem empfehle ich übrigens wärmstens „Halt and Catch Fire“. „Silicon Valley“ hingegen besetzt eine interessante Nische zwischen einerseits Parodie und andererseits durchaus auch einer Huldigung der Tech-Industrie. Das hat mir ja bereits an der zweiten Staffel super gefallen und setzt sich in Season 3 wunderbar fort.

Schon der Beginn ist sehr stark: Richard wird aufgrund seiner Schlappen der Vergangenheit vom CEO bei Pied Piper zum CTO herabgestuft. Das wäre ehrlich gesagt eine Rolle, welche dem Tüftler deutlich besser liegen würde. Doch im Unternehmen, dass er ja selbst gegründet hat, nun die Zügel entrissen zu bekommen, passt Richard gar nicht. Hauptdarsteller Thomas Middleditch kommt hier als großer aber ursympathischer Schussel wieder perfekt zur Geltung und auch wenn man sich bei Richards Verhalten in der gesamten Staffel manchmal die Haare raufen möchte, geht die Sympathie nie verloren.

Dabei kommt es zu allerlei Querelen, die ich euch nicht im Detail spoilern möchte. Ich sage nur mal so, Richards Umgang mit der Presse zeigt, dass es sicherlich seine Gründe hat, dass in der Regel nicht Ingenieure und Programmierer, sondern eben speziell geschulte PR-Mitarbeiter mit Journalisten sprechen. Grandios sind dabei auch Szenen, in denen Richard und sein Team sich einem für sie absolut drögen Produkt für Geschäftskunden widmen sollen. Auch wenn die Jungs das Projekt für banal halten, können sie natürlich nicht über ihren Schatten springen. Statt es, wie sie zuerst beschließen, mit minimalem Aufwand nach den Mindestvorgaben abzufrühstücken, kommen die Bastler durch und am Ende suchen sie nach neuen Superlativen – herrlich.

Wollte man „Silicon Valley“ in Staffel 3 etwas vorwerfen, dann wäre das aus meiner Sicht, dass Gavin Belson, gespielt von Matt Ross, in den zehn Episoden eine gefühlt deutlich kleinere Rolle einnimmt und etwas zahnlos wirkt. Außerdem gibt es keinen so starken, neuen Paradiesvogel wie einst noch den lautstarken Russ Hanneman in Staffel 2 – sein deutsches Pendant wäre eventuell der StudiVZ-Mitbegründer Ehssan Dariani. Etwa kommt als neuer CEO von Pied Piper zwar Travis Barker, eine Mischung aus Steve Ballmer und Steve Jobs, ins Spiel, jener entwickelt sich dann aber erst gegen Staffelende so richtig. Immerhin erledigt Stephen Tobolowsky als Barker wie immer einen Top-Job und soll in Staffel 4 wohl noch etwas mehr seine Stärken ausspielen. Vielleicht kennt ihr Toboloswky aus „Californication“. Dort spielte er Stu Beggs.

Was mir persönlich weiterhin super an „Silicon Valley“ gefällt: Im Gegensatz zu „The Big Bang Theory“ zeigen die Autoren nicht nur mit dem Finger auf die Charaktere nach dem Motto „Schaut mal, was sind die Nerds aber doof!“, sondern die Figuren werden als Persönlichkeiten wesentlich ernster genommen. Ja, ich mag ab und an auch den Holzhammer-Humor von „The Big Bang Theory“, aber mehr als leichte Unterhaltung mit Holzschnitt-artigen Figuren vermag ich in der Serie nicht zu erkennen. Hier legt „Silicon Valley“ dann mit deutlich ausgebuffterem Wortwitz und Humor, der eben auf den Eigenschaften der Charaktere an sich basiert, deutlich mehr nach.

In Staffel 3 gewinnt dabei vor allem Kumail Nanjianis Charakter Dinesh an Profil, was mich sehr überrascht hat. In den Staffeln 1 und 2 flog seine Figur ein wenig unter meinem Radar vorbei. Nun hat mich trotz der Komik durchaus ein wenig bewegt, wie Dinesh etwa versucht zu unterschlagen, dass er keine Freunde hat. Sowohl lustig als auch ein wenig traurig war ebenfalls sein Flirt mit einer externen Programmiererin, mit welcher er via Video-Chat anbandelt. Irgendwann bastelt er, um ihr Gesicht besser zu erkennen an einer verbesserten Videokompression und das Ergebnis… Nun ja, es läuft nicht ganz so wie geplant.

Auch Gilfoyle und Jared sind mir im dritten Jahr noch ein Stück mehr ans Herz gewachsen. Zach Woods, der Darsteller von Jared, verleiht der Rolle genau die richtige Mischung aus absurder Naivität und Gutmütigkeit, die man sich heutzutage auch in der Wirklichkeit in abgeschwächter Form eventuell bei mehr Menschen wünschen würde.

Da es sich bei „Silicon Valley“ um eine HBO-Produktion handelt, findet ihr die Serie nicht im Angebot der üblichen Streaming-Kandidaten – nur kostenpflichtig als Staffelpass. Leider ist in Deutschland zudem nur eine DVD-Fassung erschienen – weswegen ich dann auch in den USA zur Blu-ray griff. Trotzdem rate ich euch die Serie wirklich nicht zu verpassen: Was hier in jeder Episoden an kleinen, oftmals liebevollen, Seitenhieben auf die Tech-Industrie ausgeteilt wird, macht wirklich enormen Spaß.


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Über den Autor:

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