Seafile: Keine PayPal-Zahlung, weil PayPal angeblich Daten überwachen will

19. Juni 2016 Kategorie: Backup & Security, Internet, geschrieben von: caschy

seafileDen Service Seafile haben wir hier im Blog erstmal im Jahr 2013 vorgestellt. Erinnert ein wenig an Lösungen wie OwnCloud oder Nextcloud, ist also eine Lösung zum Aufsetzen einer eigenen Cloud. Der Seafile Server kann auf Windows, vielen Linux-Distributionen und dem Raspberry Pi installiert werden. Entsprechende Clients für Windows, Mac, Android und iOS stehen ebenfalls zur Verfügung. Den Spaß kann sich jeder selber aufsetzen, aber es gibt auch bezahlte Cloud-Konten für all jene, die einen Speicher bei einem externen Anbieter benötigen.

Dieser Online Cloud Service wird in Deutschland abgewickelt, die hier in Deutschland ansässige Seafile GmbH kümmert sich um die Abwicklung. Daten werden in Deutschland bei Hetzner gespeichert. Als Bezahlungmethode kam PayPal zum Einsatz, damit ist es nun erst einmal vorbei, wie man seitens Seafile an die Nutzer kommuniziert. PayPal habe Seafile aufgefordert, den Datenverkehr und die Daten unserer Kunden auf illegale Inhalte zu überprüfen und zu überwachen.

Weiterhin hat PayPal gefordert, detaillierte Statistiken über die Dateitypen, die die Nutzer synchronisieren und teilen, vorzulegen. Dieser Aufforderung hat man bei Seafile widersprochen, mit dem Ergebnis, dass PayPal das Unternehmen aufgefordert hat, alle Hinweise auf PayPal und die Zahlungsmethode zu entfernen. Cloud Services will das Unternehmen weiterhin anbieten, man evaluiere zurzeit verschiedene Lösungen und hofft, so schnell wie möglich eine Lösung zu finden. Cloud-Konten lassen sich weiterhin nutzen, nur ist momentan die Erstellung dieser nicht möglich.

Hier die Information des Unternehmens:

PayPal hat uns am 02.06.2016 darüber informiert, dass wir „mit einem unserer letzten Transaktionen gegen die PayPal Nutzungsbedingungen verstoßen haben“. Weiterhin hat PayPal uns 16 Fragen geschickt, in denen wir ausführliche Informationen zu unserem Geschäftsmodell beantworten sollen. Die Fragen haben bei uns den Eindruck erweckt, dass PayPal uns als Filesharing oder Torrent Webseite einstuft. Wir haben diese Fragen so gut wir konnten beantwortet und PayPal auch versucht zu erklären, dass wir kein Filesharing Dienst oder eine Torrent Webseite sind.

Wir haben in diesen Fragen aber auch abgelehnt, die Daten unserer Kunden auf illegale Inhalte zu überwachen und zu überprüfen und erklärt, dass dies gegen europäische / deutsche Datenschutzgesetze verstoßen würde.

Nach zwei Wochen Wartezeit erhielten wir am 14.06.2016 die Antwort von PayPal, das der aktuelle „Konflikt“ dadurch zu lösen sei, dass wir PayPal als Zahlungsmethode und alle Hinweise auf PayPal von unseren Webseiten entfernen. Da dies in unseren Augen keine echte Konfliktlösung ist, haben wir PayPal kontaktiert und versucht, eine andere Lösung zu finden. Die PayPal Servicemitarbeiterin am Telefon war sehr überrascht und konnte sich die ganze Situation nicht wirklich erklären. Da andere Dateisynchronisierungsdienste PayPal als Zahlungsmethode anbieten dürfen, sollte es keinen Grund geben, warum wir das nicht auch dürfen. Die PayPal Mitarbeiterin versprach, unser Anliegen an die zuständige Abteilung weiterzugeben und war guter Dinge, dass sich die ganze Situation als unglückliches Missverständnis ergeben würde.

Am 15.06.2016 erhielten wir dann doch leider eine ernüchternde Mitteilung: Eine Mitarbeiterin von PayPals Brand Risk Management Team kontaktierte uns um uns mitzuteilen, dass wir PayPal als Zahlungsmethode tatsächlich bis zum 19.06.2016 entfernen müssen. Das andere Unternehmen PayPal für vergleichbare Dienste einsetzen dürfen sei egal. Auch das diese Dienste teilweise sogar Seafile als Software verwenden, sei egal. PayPal treffe hier für jeden Fall eine Einzelfallentscheidung und in unserem Fall hätte PayPal eben entschieden, dass wir zukünftig keine PayPal Zahlungen mehr anbieten dürfen. Diese Entscheidung „des Managements“ sei endgültig und könnte nicht weiter angefochten oder überprüft werden.

Sollte die Geschichte so stimmen – also PayPal wirklich überwachen wollen und dabei so willkürlich entscheiden, dann ist es ein echtes Armutszeugnis für den Dienstleister.

(danke Patrik!)


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Über den Autor: caschy

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