Schwiegermutter vs. HDD-Recording: TV-Aufzeichnung mit der Generation 60+

10. Oktober 2015 Kategorie: Backup & Security, Hardware, Spass muss sein, geschrieben von:

kdl 48w605bKürzlich habe ich von meiner Schwiegermutter in spe einen Auftrag erhalten: Sie besitzt seit einigen Wochen ihren ersten HD-TV und hat mitsamt des alten Röhren-TVs auch den VHS-Rekorder entsorgt. Nun musste Ersatz her, um Sendungen wie „Deutschlands beste Bäcker“ oder „Daniela Katzenberger mit Lucas im Babyglück“ aufzunehmen. Für mich als absoluten TV-Abstinenzler begann nun ein Irrweg durch die weite Welt des Festplatten-Recordings, den ich mit euch teilen möchte.

Ich habe mich eine Zeit lang ziemlich intensiv mit TVs, Blu-ray-Playern und AVRs beschäftigt, da ich als Hobby Blu-ray-Reviews schreibe. Problem: Mein Panasonic TX-P65VT50E ist im Grunde ein reines Blu ray-Wiedergabegerät. Für mich persönlich, ohne dass ich damit eine Wertung aussprechen möchte, gibt es im dt. Fernsehen schlichtweg nix zu holen. Das liegt vor allem daran, dass ich zur Fraktion der beinharten O-Ton-Fans zähle und deutsche Synchronisationen mir jeglichen Film- und Seriengenuss vermiesen. Gut, aber kommen wir zurück zum Thema: Der Mutter meiner Herzensdame den TV konfigurieren für ein möglichst natürliches Bild, Blu-ray-Player mit Updates fit machen, alles einrichten – kein Ding. Aber aus dem TV Sendungen aufnehmen… Äh… Wie geht das?

Dunkel war mir bekannt, dass man sowas heute nicht mehr mit diesen flotten VHS-Geräten und auch nicht mit DVD-Rekordern, sondern Festplatten macht. Also erstmal recherchiert und ganz schön geschluckt: Da zahlt man für Geräte mit Receiver und HDD doch gut und gerne im Schnitt 200 bis 300 Euro und mehr. Mein Auftraggeber sah mich schon mit zornigem Kopfschütteln an, während ich weiter die großen Weiten des WWWs durchstöberte. Ein Geistesblitz brachte mich aber zu der Frage: Was ist denn überhaupt am TV dran? Kabel – analog oder digital? Satellit? IP-TV… Na ja, wohl eher nicht.

Lösung: Einfach mal Smartphone, Tablet und Ultrabook stehen lassen, Sonne tanken, vor die Tür gehen. Denn was sieht man da:

hdr

Ich glaube, das nennt man eine „Satellitenantenne“. Klar, es hätte auch ein Blick ins Menü das TVs gelangt, aber draußen wars doch so schön. Allerdings machte die Erkenntnis, dass ich es hier mit Satellitenempfang zu tun habe, es für mich auch nicht gerade einfacher. Frage an meine Schwiegermutter in spe: „Willst du eigentlich parallel einen Sender aufnehmen und ein anderes Programm ansehen?“Antwort: „Muss nicht sein, aber wenn es geht, warum nicht?“ Experten sagten mir darauf, dafür bräuchte ich einen Twin-Receiver und auch zwei Sat-Anschlüsse. Hm, auch hier will ich meinen Hintern mal in der physischen Realität bewegen und nicht auf Bildschirme starren.

hdrEinmal „Satellit“, einmal „TV“, einmal nur „R“… Aber Auftraggeber relativiert mit mitleidigem Blick bereits: „Ich nehm eh nur Sendungen auf, wenn ich nicht zu Hause bin und archiviere nichts.“ Gut – Twin-Receiver brauchen wir nicht. Das macht das ganze Spielchen doch etwas günstiger . Trotzdem umständlich: Wollen wir ein Gerät mit integrierter Festplatte kaufen, dann sind das eh Twin-Receiver. Ansonsten bleibt nur der Kauf eines Receivers, an den extern via USB nochmal eine Festplatte angekoppelt wird. Dann zahlen wir aber einmal für den Receiver und einmal für die externe HDD. Ich las online außerdem was von Kompatibilitätsproblemen – manche Receiver weigern sich bestimmte Festplatten zu erkennen. Wie man bei mancher Boulevard-Headline sagen würde: „Doch was dann folgte, war unglaublich!“

hdrDa ist doch so eine Taste mit einem roten Punkt, die mir einen Facepalm nahelegt, uff. Was für ein TV-Modell benutzen wir denn hier: einen Sony KDL 48W605B. Nicht nur auf der Website steht was von „USB-Festplattenaufzeichnung“, sondern das ist wirklich eine Aufnahme-Taste auf der Fernbedienung.  Zwischenergebnis: Weniger im Internet wild herumstöbern und mehr auf die Fernbedienung gucken. Doch was ist nun der nächste Schritt? Na ja, den ganzen bisherigen Schmodder hätte ich mir sparen können. Stattdessen gilt es, eine externe Festplatte zu kaufen. Und da sehen die Preise freilich schon ganz anders aus: 43 Euro nehme ich in die Hand und greife zu einer Toshiba Canvio Basis mit 500 GByte. Klar hätte man auch eine HDD eines x-beliebigen anderen Herstellers nehmen können. Ich erwähne das Modell nur, weil es bei mir problemlos funktioniert hat.

hdrWas folgt, entlarvt meine Unkenntnis der modernen TV-Aufnahmefunktionen: Festplatte angeschlossen, TV erkennt, TV formatiert – und Aufnahmen funktionieren einwandfrei. Anschließend musste ich meiner „Kundin“ die Aufnahmefunktion zwar mehrfach erklären, speziell die Bedienung des Timers und des Guides stellte sie mittelfristig vor Herausforderungen, doch alles in allem bin ich als TV- und Recording-Abstinenzler beeindruckt von der Benutzerfreundlichkeit. Ja, ich gebe es zu: Das letzte Mal eine Sendung aus dem Fernsehen aufgenommen habe ich, als ich noch in meinem Kinderzimmer gehaust habe und VHS das tonangebende Medium gewesen ist.

hdrDie ganze Erfahrung, auch wenn sie meine Naivität bzgl. TV-Aufzeichnungen für euch alle entlarvt hat, war spannend: Zum einen sollte ich weniger bei der ersten Gier nach Informationen online stöbern und mir lieber erstmal die physischen Gegebenheiten vor Augen führen. Zum anderen gibt es ziemlich viele Möglichkeiten, am TV Inhalte aufzuzeichnen: über Twin-Receiver mit integrierten HDDs, Receiver mit externen Festplatten oder eben, wie am Ende in meinem Fall bzw. dem meiner Schwiegermutter in spe, über eine Festplatte direkt via USB am TV angeschlossen.

Die Qualität der Aufnahmen empfinde ich übrigens als fast reiner Blu-ray-Gucker (99 %) mit 1 % Streaming-Konsum als überraschend gut. Das dürfte aber natürlich sehr von TV zu TV variieren, denn da will ich mich nicht zusätzlich in die Materie der Kompression vertiefen. Vorteil der aktuellen Lösung mit externer Festplatte ist zumindest in der Theorie, dass es möglich wäre, die Daten von der HDD auf andere Geräte zu transferieren und damit langfristig zu sichern. Praktisch ist das ja leider fast unmöglich, da die Daten mehrfach verschlüsselt und in proprietären Formaten abgelegt bzw. nicht an PCs auslesbar sind. Tatsächlich treibt Sony (aber andere Hersteller genau so), das Spielchen so weit, dass die aufgenommenen Dateien nur an exakt dem TV abspielbar sind, der auch aufgenommen hat. Selbst ein Austausch des Mainboards würde die Aufnahmen bereits quasi wertlos machen. Kein Wunder, wenn Nutzer zu Online-Videorekordern greifen…

Für die Dame, welche die HDD nun zum Aufnehmen nutzt, ist das freilich egal: Hat sie ihre Aufnahme gesichtet, löscht sie die Daten ohnehin rigoros, um eine lange, für sie konfuse, Liste zu vermeiden. Mich persönlich hätte sicherlich genervt, dass ich keine Freiheit im Umgang mit den TV-Aufnahmen habe. Das Problem mit der Verschlüsselung betrifft aber auch SAT-Receiver und ist in der Praxis legal kaum zu umschiffen.

Weiterer Nachteil der nun eingesetzten Lösung: Man kann nur einen Sender aktiv halten und nicht z. B. „Teenie-Mütter“ aufzeichnen und zugleich Arte HD schauen. Ob man allerdings nebenbei den Blu-ray-Player anschmeißt, ist wenigstens egal. Ich selbst würde die HDD zudem eher nur an den TV anstecken, wenn ich explizit etwas aufnehmen möchte. Das ist für die nutzende Dame aber etwas zu umständlich, so dass die Festplatte nun permanent am TV-Nabel hängt.

Dass meine Schwiegermutter („in spe“ – der Richtigkeit halber) unbedingt aus dem Fernsehen Sendungen aufnehmen will, zeigt für mich auch, das unterschiedliche Nutzungsverhalten der Generationen: Ich habe viel mit Studenten Anfang bis Mitte 20 zu tun und niemand aus meinem Bekanntenkreis nimmt tatsächlich noch aus dem Fernsehen Sendungen auf. Eher wird das TV-Programm zur Berieselung genutzt und ansonsten eben über Streaming-Anbieter mal ein Film oder eine Serie geschaut. Das klassische Schema „Wenn ich nicht daheim bin, nehme ich meine Lieblingssendung auf, damit ich sie später gucken kann“, gilt für andere Generationen aber durchaus noch. Da sollte man also ab und zu seine Geek-Brille abnehmen, bevor man jenes als obsolet bezeichnet – muss ich mir selbst an die eigene Nase fassen.

Wie sieht es denn bei euch aus? Zeichnet ihr noch Sendungen aus dem Fernsehen auf? Archiviert ihr langfristig Inhalte? Oder dient der TV bei euch eher wie bei mir als simpler Bildschirm für Blu-rays oder Streaming-Content?


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Über den Autor:

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei
Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich
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