Schulabschluss

2. August 2006 Kategorie: Privates, geschrieben von:

?ber andere ist immer gut lachen – doch wer mich kennt, weiss: Der Caschy kann auch mal selbstkritisch sein. Ich habe Schoten gerissen, f?r die ich heute Leute auslachen und als Asis bezeichnen w?rde.

Gerade mal wieder Eurodance Radio geh?rt. Lief mal wieder was aus den 90ern. Erinnerungen keimten auf. 1992 – Jahr des ersten Schulabschlusses, Jahr der neongelben Schn?rsenkel, Jahr der kaputten Jeans und der schweineteuren Nike Andre Agassi Turnschuhe.

„Der Caschy kommt nur soviel zur Schule wie er f?rne 2 braucht“ meinte mein Lehrer immer, wenn ich mal wieder zu sp?t kam. Recht hatte er. Mir ist vieles zugefallen. Mit den meisten Fehlstunden das zweitbeste Abschlusszeugnis der Klasse. Besser war nur die Lesbe aus der Klasse. War gar keine Lesbe, wie ich ?brigens mal in meiner Freizeit feststellte…

Letzter Tag vor der Zeugnisausgabe. Zelten vor der Schule – nachts die olle Bude mit Ketten dichtmachen. Mit ner Kiste Bier, ner Flasche Genever und nem Zelt bewaffnet traf ich ein. 17 Uhr. Zelte wurden aufgebaut. Ich wollte meins sp?ter aufbauen – musste ja erstmal das Pils antesten. Gegen 18 Uhr machten sich einige auf um noch ein grundsolides Magenfundament zu schaffen. Ich nicht – denn der Klassendepp kredenzte mir mit den Worten „von meinem Opa aussem Keller – 12 Jahre alt“ ne Flasche Apfelkorn. 20 Uhr – Appelkorn leer, viel Bier und Genever. Depressives Weinen ?ber Krieg und Unrecht in der Welt…

Immer noch kein Zelt. Ich weiss nicht, wieviel ich noch trank und was abging. Die N?chternen sahen mich als Auss?tzigen, w?hrend ich f?r den besoffenen Teil meiner Klasse wohl K?nig f?r einen Tag war. Arm in Arm am Lagerfeuer sitzen und gemeinsame Lieder anstimmen. Nicht sch?n – aber laut.

Dann wurde es dunkel um mich. Stimmen und Blitze wecken mich unsanft. Ich lag alleine im Zelt eines Kollegen, neben mir nur die Inhalte der Flaschen, die ich in den Stunden davor verzehrt hatte. Ein Lehrer fotografierte mich feixend. „H?mma, dass du mich mal jetzt nach Hause f?hrst“ ranzte ich ihn an. Hat er nicht gemacht. Hatte wohl Angst, sich die Sitze in seinem P?dagogen-Benz zu versauen. Wer schon mal morgens um f?nf in T-Shirt besoffen wach wurde, der weiss, wie kalt es sein kann…

Ich kroch aus dem Zelt, es war bereits hell. Den Klassendepp erkannte ich an seiner qu?kenden Stimme. Der sollte doch bestimmt zu was n?tze sein.

„Kamerad Schmalspur, folge mir mal – sonst gibts n paar auffe Omme“ – so meine h?fliche Aufforderung. Ich liess mich auf den Schultoiletten nieder – neben den Waschbecken. Dort hing auch son Moped, dessen Name mir nicht mehr einf?llt. Dr?ckt man auffen Knopf, kommt heisse Luft raus, um die H?nde zu trocknen. Mein treuer Freund durfte freiwillig ca. 1 Stunde diesen Knopf bet?tigen – bis ich mich ein wenig aufgew?rmt hatte.

Der erste Bus, der die Sch?ler brachte, fuhr mich nach Hause. Unterwegs noch 2x ?bergeben…

Zuhause fand ich Br?tchen vor – diese belegte ich mir mit feinsten Schinken und schlang sie mir rein. Bevor ich ins alkoholbesudelte Nirvana rasselte, stand noch ein Besuch auf der Toilette an. Da sa? ich also – und die Schinkenbr?tchen taten ihren Dienst – mal gut, dass neben der Toilette das Waschbecken war…

Drei Tage war ich krank – und seit damals trinke ich keinen Apfelkorn mehr.


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Über den Autor:

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