Samsung, Panasonic und 20th Century Fox wollen HDR10+ durchdrücken

3. September 2017 Kategorie: Hardware, Streaming, geschrieben von: André Westphal

Samsung will mit HDR10+ einen offenen Standard etablieren, der direkt mit Dolby Vision konkurriert: Als Partner hatte man bereits Amazon gewonnen und enthüllte passend zur IFA 2017 in Berlin auch zwei weitere, neue Verbündete: Das sind Panasonic und 20th Century Fox. Was HDR10+ gegenüber dem regulären HDR10 für Vorteile bietet? Ähnlich wie bei Dolby Vision ist die Nutzung dynamischer Metadaten möglich, wodurch sich die Einstellungen von Szene zu Szene anpassen lassen, statt statisch für den gesamten Film gesetzt zu werden.

Dadurch kann die HDR-Darstellung natürlich deutlich verbessert werden: In vielen Filmen gibt es sehr unterschiedliche Szenerien und oft kommen beispielsweise für Rückblenden, Traumsequenzen oder auch einfach nur für unterschiedliche Schauplätze ganz verschiedene Stilmittel zum Tragen. Beim regulären HDR10 müssen aber trotzdem Einstellungen für Farben, Kontrast und Co. einmal für den gesamten Film festgelegt werden. Das ist ein erheblicher Kompromiss. Bei HDR10+ (und auch Dolby Vision) ist dies aber für jede einzelne Szene separat möglich.

Samsung hat sich Dolby Vision aber bisher verweigert. Ein wesentlicher Grund dürfte auch darin liegen, dass die Konkurrenz von LG Dolby Vision massiv pusht. Dass sich Samsung und LG nicht besonders mögen, ist ja kein Geheimnis. Mit HDR10+ will Samsung nun mit Panasonic und 20th Century Fox eine offene Alternative etablieren. Lizenzen an Partner will man ab Anfang 2018 vergeben. Gebühren soll es, abseits der administrativen Kosten, nicht geben. Das könnte sich dann auch als entscheidender Vorteil erweisen, denn Dolby langt natürlich bei Dolby Vision im Gegenteil bei seinen Partnern zu. Dafür bietet Dolby Vision für die Zukunft mehr Potentiale, da 12-bit unterstützt wird – HDR10+ verbleibt bei 10-bit.

Für Kunden ist das aktuelle Wirrwarr aber keine feine Sache: Das HDMI-Konsortium hatte bereits bestätigt, dass mit HDMI 2.1 allgemein die Unterstützung dynamischer Metadaten, auch Dynamic HDR genannt, möglich sein wird. Nun streitet sich Samsung mit seinen Partnern und HDR10+ in der einen Ecke mit Dolby und dessen Partnern sowie Dolby Vision in der anderen Ecke. Beispielsweise haben viele Filmstudios wie Warner Bros. und Disney angekündigt ihre Ultra HD Blu-rays zukünftig sowohl mit HDR10- als auch Dolby-Vision-Unterstützung zu versehen. Da wird es HDR10+ nicht einfach haben.

Am Ende zeigt das Parallel-Laufen verschiedener Standards aber auch, dass der Markt für Ultra HD sich immer noch nicht gefestigt hat. Ob man also mit dem Kauf einer Wiedergabekette mit HDR10+ oder mit Dolby Vision zukunftssicherer fährt, muss sich erst noch zeigen.


Über den Autor: André Westphal

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