Running with Rifles: Army Men auf Steroiden

19. Dezember 2014 Kategorie: Games, geschrieben von:

Battlefield ist den meisten sicherlich ein Begriff. Chaotische Multiplayer-Shooting-Action, bei der man binnen weniger Stunden locker 30 Schimpfwörter aus ebenso vielen Sprachen zu hören bekommt. Battlefield lebt hauptsächlich vom Multiplayer-Modus, aber eine fordernde Kampagne mit gut agierender KI ist nicht so das Markenzeichen vom Shooter. Wie wäre es denn mal mit einer anderen Variante, die es besser kann? Aus der Vogelperspektive im Comic-Style? Oh, skeptisch? War ich bei Running with Rifles zuerst auch. Bis ich die Demo gespielt und es dann direkt gekauft habe.
Running with Rifles

Rein optisch steckt Running with Rifles natürlich zurück und vielleicht ist der Comic-Style zu Beginn nicht jedermanns Sache. Dafür entschädigt allerdings das Gameplay. Umso erstaunlicher, da sich das Spiel derzeit noch in der Betaphase befindet (oder Early Access bei Steam). Davon merkt man während des Spiels jedoch kaum etwas. Keine Abstürze, die Kampagne knallt mit intensiven Gefechten gut 10 Stunden (bin noch nicht komplett durch!) und besitzt eine künstliche Intelligenz, die für so manche Überraschung sorgt.

Zu Beginn seid ihr ein einfacher Soldat, ausgerüstet mit einer M16A, einer Panzerfaust sowie zwei Handgranaten. Mit euren Kameraden rennt ihr dann Richtung erstes Gefecht und schon geht der Spaß los. Wer meint, wie ein Berserker nach vorne zu stürmen zu müssen und im Alleingang die Feinde zu eliminieren, wird nicht weit kommen. Bei Running with Rifles bedeutet dies den sicheren Bildschirmtod. Nach 3-4 Sekunden und Betätigen der Leertaste dürft ihr aber wieder ins Geschehen eingreifen. Allerdings startet ihr etwas außerhalb vom Gefecht, was natürlich etwas nervig ist. Deckung suchen, den Kameraden Feuerschutz geben, im richtigen Moment eine Granate werfen, mit dieser Taktik kommt ihr schon recht weit.

Waffen und Ausrüstung

Waffen sind einige vorhanden und entsprechen soweit der Realität. Zumindest was deren Bezeichnung und Eigenschaften angeht. Reichweite, Zielgenauigkeit, Streuung und auch Nachladezeit sind im Spiel zu berücksichtigen. Apropos Nachladen, dies geschieht ausschließlich manuell, also auf Tastendruck vom Spieler. Während des Nachladens kann der Soldat auch nicht so schnell rennen und bewegt sich grundsätzlich etwas langsamer. Dadurch wird man sofort zum leichten Ziel. Bei den Gewehren ist unendlich Munition verfügbar, bei Sprengstoffen, Granaten und dergleichen hingegen nicht.
Ebenfalls gut gelöst: je mehr Waffen oder Ausrüstung man trägt, umso langsamer wird der Soldat. Es macht einen erheblichen Unterschied bei der Bewegung als auch Schussfertigkeiten aus, wenn man mit einem vollgepackten Rucksack sich durch die Gegend kämpft. Selbst das Zielen bzw. die Treffsicherheit leidet darunter. Von daher immer genau abwägen, was aufgenommen und verwendet wird. Ein Sturmgewehr, Panzerfaust sowie 2-3 Granaten reichen im Gefecht vorerst völlig aus.
waffen
Bei einem MG ist man auch gezwungen sich hinzulegen, um überhaupt feuern zu können. In Rambo-Manier stehend das MG abfeuern ist also nicht. Vielmehr muss eine strategisch günstige Position eingenommen werden, um beispielsweise den Feind dauerhaft unter Beschuss zu nehmen, damit die Kameraden vorrücken können. Typisches Sperrfeuer also. Ähnlich agiert auch der Feind und die gegnerische KI (künstliche Intelligenz) ist ausgesprochen gut. Noch ein Tipp, was das Zielen bzw. Feuern betrifft: Achtet auf den kleinen Punkt, mittig vom Fadenkreuz. Rot bedeutet, kein freies Schussfeld oder außer Reichweite und Grün das Gegenteil. Bei Sperrfeuer ist es jedoch egal, da hier die Gegner in der Deckung gezwungen werden sollen.

Erfahrungspunkte und Rangabzeichen

Nicht alle Gegenstände, Aufrüstungen und Waffen stehen euch gleich zu Beginn zur Verfügung. Zum einen seit ihr als einfacher Soldat noch nicht in der Lage, bestimmte Dinge nutzen zu können, zum anderen mangelt es an Erfahrungspunkten. Durch Abschüsse, Sprengungen und anderen Aktionen, erhaltet ihr bei Erfolg permanent neue Punkte. Allerdings könnt ihr diese auch wieder verlieren, wenn ihr beispielsweise die eigenen Leute versehentlich mit einer Granate ausknippst. Abzüge gibt es natürlich auch, wenn ihr getötet werdet.
Im Verlauf des Spiels steigt euer Soldat im Rang. Vom Gefreiten bis zum Sergeant First Class ist es jedoch ein weiter Weg. Ab einer gewissen Stufe erhaltet ihr auch das Kommando über ein eigenes Squad, welches mittels rechte Maustaste Positionen oder Wegpunkte zugewiesen werden kann. Bedauerlicherweise ist dieser Part noch nicht ausgereift aber die Kameraden agieren auch ohne eure Befehle recht gut.

Missionen und Orientierung mittels Karten

Sektor-Karte
Die Karte ist etwas gewöhnungsbedürftig, man sieht die einzelnen Sektoren, aber wie man in die jeweiligen Abschnitte gelangt, dazu muss erst die Mini-Map rechts oben vergrößert werden. Dann sieht man die Wegpunkte und welche Sektoren noch erobert werden müssen. Die Karte müsste demnach also überarbeitet werden, zumal diese eine wichtige Orientierungshilfe darstellt. Die Sektorenkarte, also die Map, die während des Gefechtes Informationen über Waffenkammer (wo ihr euch ausrüsten könnt), Wegpunkte oder gar aktuelle Schlachtgeschehnisse Auskunft gibt, ist gut umgesetzt. Dort werden sogar die Bewegungen der Fahrzeuge in Echtzeit wiedergegeben.

In jedem Sektor sind zumeist mehrere Aufgaben zu bewältigen. Primärziel ist natürlich das Besiegen des Feindes. Sekundärziele, wie den Funkturm in die Luft sprengen oder Transporter zu zerstören sind in der Karte rötlich eingefärbt. Diese Nebenmissionen sind keine Pflichtaufgaben, erhöhen aber eure Erfahrungspunkte sowie den Rang. Ist der Sektor von Feinden bereinigt, könnt ihr zum nächsten Sektor übergehen.

KI – überraschend gut

Dass die KI bereits im Early Access richtig was auf den Kasten hat, zeigt sich im Spielverlauf auf beeindruckende Weise. Da schafft es eure Einheit nach zähem Kampf, wichtige Positionen im Stadtzentrum einzunehmen und sieht sich plötzlich mit einer vom Feind taktisch gut durchgeführte Offensive (inklusive Sperrfeuer und Flankieren) konfrontiert, die euch sogar zu einem geordneten Rückzug zwingt. Solche Scharmützel arten gerne in heftigen Häuserkampf aus, der locker 1-2 Stunden anhalten kann. In solchen Fällen ist Improvisation und auch Ausdauer gefragt. Glücklicherweise funktioniert die KI auch bei euren Kameraden genauso gut und nicht selten eilen diese euch bei brenzligen Situationen zur Hilfe. Kurzum, die KI sowie die Bots im Single Player-Modus von Running with Rifles wissen zu überzeugen. Da könnte sich so manches Spiel eine Scheibe von abschneiden.

Fahrzeuge

Jeep
Fahrzeuge und Panzer stehen ebenso beiden Seiten zur Verfügung. Natürlich könnt ihr diese auch steuern, sofern euer Rang oder Erfahrung dies zulässt. Ich bevorzuge beispielsweise den Jeep, da die Kameraden vom Zug gerne aufspringen und mitfahren. Stoßt ihr unterwegs auf Feinde, werden diese gleich von den Jungs unter Beschuss genommen – wenn es sein muss auch bei voller Fahrt. Ihr könnt übrigens auch aufspringen, mitfahren und während der Fahrt schießen. Allerdings haben Fahrzeuge auch einen unangenehmen Nachteil im Gefecht: Sie sind zu dominant bzw. schwer zu knacken. Die können ganz schnell eine Schlacht entscheiden.

Beispiel: Ein APC oder Panzer nimmt euch unter Beschuss, was die Offensive komplett zum Stillstand bringt und ihr erst die Panzer ausschalten müsst, um die Mission weiter fortzuführen. Während beim APC ein einzelner Schuss aus der Panzerfaust ausreicht, um für Ruhe zu sorgen, braucht es für den Panzer schon gleich 2 Schüsse. Und wehe einer geht daneben, ihr habt meist nur 2. Die Feinde wehren sich natürlich ebenso gegen eure gepanzerten Fahrzeuge.
Auf die Umgebungsgeräusche sollte auch unbedingt geachtet werden, denn die Wahrscheinlichkeit, dass Feinde versuchen euch in den Rücken zu fallen, ist nicht gering. Besonders in Einzel-Missionen in der Kampagne wird das ein ziemlich wichtiger Punkt. Generell kann man sich im Spiel auch an der Geräusche-Kulisse orientieren, manchmal gelangt man dadurch sogar schneller zum Gefecht.

Vorläufiges Fazit

Gefecht
Running with Rifles macht mir richtig Spaß. Sei es die Kampagne, Quick Matches oder bei einem Online-Gemetzel (Multiplayer ist noch etwas wenig los), hier steppt der Bär. Die gelungene KI tut da ihr übriges und mit der Grafik habe ich mich schnell arrangieren können. Es muss ja nicht immer High-End bei Multiplayer Shootern sein. Obwohl sich das Spiel noch in der Beta befindet, sind schon ein paar Mods erhältlich und ich persönlich hoffe noch auf einen Karteneditor. Für Running with Rifles (Preis – 14,99 Euro, PC und Linux, Mac Version in Arbeit) gibt es eine Demo Version, mit der ihr locker 1-2 Stunden Spaß haben werdet. Könnte beim Release zum Indie-Hit werden, das Potenzial dazu hat es.


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Über den Autor:

PC- und Windows-Fanboy. Liebt rundenbasierte Strategiespiele, Audio-Apps und Software. Auch auf Twitter zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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