Rockmelt: die nächste Browser-Totgeburt

8. November 2010 Kategorie: Google, Internet, Social Network, geschrieben von:

Erinnert sich noch jemand an Flock? An den Browser, der auf Firefox basierte, ausgestattet mit einer Vielzahl an Schnittstellen für soziale Netzwerke & Co? Vorgestellt hatte ich Flock damals ja oft genug. Mittlerweile ist man von Firefox weg und basiert auf Chromium. Spannende neue Features? Innovationen? Nö. Nur ein Browser mit ein paar Erweiterungen. Relativ unspannend mittlerweile. Die Dienste kann sich jeder in den Browser holen.

Doch nun wird natürlich wieder eine andere Sau durchs Dorf getrieben, die sich RockMeIt nennt. Zutaten: Chromium, soziale Netzwerke und damit alle super geil auf den neuen heißen Scheiss sind, wird mit Einladungen gearbeitet. Funktioniert ja immer und überall. Spannend ist allerdings, wer sich dahinter versteckt: Marc Andreesen, der quasi Mr. Netscape ist. Netscape ist für mich persönlich damals die Evolution und Revolution gewesen. Die Einladung wird übrigens nicht per Mail geschickt – man muss sich ganz trendy via Gesichtsbuch um einen Invite bemühen.

Mal geschaut, was Freund Falk bei T3N zu RockMeIt schreibt:

Auch wenn viele Anwender die Idee hinter Flock interessant fanden, so machte die schlechte Performance den Browser zu einem Flop. RockMelt könnte nun mit einem ähnlichen Konzept wie Flock, aber mit einer sehr viel besseren Performance durchstarten, denn was in Chromium steckt zeigt ja bereits Google Chrome.

Wie erwähnt: Flock basiert mittlerweile auch auf Chromium. Dadurch wurde es nicht besser. Heutzutage braucht man mehr als ein bis zwei Sidebars für sozialen Kram um eine Evolution zu erschaffen.

Im Vergleich mit Flock besitzt RockMelt noch einen weiteren Vorteil. Facebook, Twitter, YouTube und andere Dienste haben sich mittlerweile mehr als nur etabliert und verhelfen dem Social Media Brower zu einer breiten Basis an potentiellen Nutzern.

War Flock etwa seiner Zeit voraus? Ich behaupte nicht. Der ganze Zinober bremst einfach aus. Nicht als Systemressource. Beim Arbeiten. Beim Surfen. Man wird mit zu vielen Informationen zugemüllt. Die Leute sind überfordert. Ich weiss aus vielen Gesprächen, dass immer mehr Nutzer den Minimalismus suchen. Sie wollen nicht mit News zugeschissen werden, sie holen sich gezielt ihre News ab. Wann und wo sie wollen.

Social Media Junkies, die das Web zum größten Teil für Facebook und Twitter nutzen, könnten mit RockMelt einen Browser bekommen, der genau an ihre Bedürfnisse angepasst ist, beziehungsweise sich anpassen lässt.

Der Junkie verfügt bereits über eine Palette an angepassten Diensten und Werkzeugen.

So gesehen ist der Ansatz von RockMelt zwar recht interessant, die Umsetzung aber doch etwas halbherzig. Wer sich bei seinen Social Media Aktivitäten auf Facebook beschränken mag, ist mit dem neuen Browser gut bedient. Wer aber auch Twitter professionell nutzen möchte, wird auf den zusätzlichen Einsatz eines Clients nicht verzichten können.

Falk, da gebe ich dir Recht. Die Umsetzung ist halbherzig.Mit dem neuen Browser ist der gut bedient, der nur Facebook nutzt? Dafür brauche ich keinen neuen Browser 😉

Spaß beiseite. Ich habe Falks Beitrag nur gewählt, weil er der kompetenteste (der Beitrag, Falk vielleicht auch ;)) im Web ist. Seht ihn als Leseempfehlung und bildet euch eine Meinung. Wenn ich mir so die Feature-Liste durchlese behaupte ich: nö, diesen Browser braucht man eigentlich nicht. Ich will jetzt auch keine Spaßbremse sein: aber das können andere Browser mit Erweiterungen auch.

Das ist doch das Schöne an unseren Browsern: modulars Anpassen an den eigenen Geschmack. Wenn man uns etwas vorsetzt, wie RockMeIt oder Flock, dann endet es letztendlich wie die Firma von Homer Simpsons Halbbruder. Homer bastelt an einem Auto nach seinem Gusto – mit allen Features, die er so benötigt. Wer die Folge kennt, weiss wie das endet.

Lieber Falk: wenn wir beiden uns ernsthaft in einem Jahr noch über RockMeIt unterhalten, dann geht beim nächsten Treffen die große Rutsche Bier auf mich – versprochen!

Und der Rest der Leserschaft darf jetzt auf mich einprügeln, weil ich typisch Deutsch nur immer die Gefahren, aber nicht die Chancen sehe.


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Über den Autor:

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