Reingehört: Bowers & Wilkins PX im Test

26. November 2017 Kategorie: Hardware, Streaming, geschrieben von:

Ich habe hier bereits den ein oder anderen Kopfhörer testen dürfen: Sport-In-Ears, aber auch Over- oder On-Ears und jeder davon hat seinen ganz eigenen Eindruck hinterlassen. Einer der bekannteren Hersteller für Kopfhörer ist Bower & Wilkins, an dessen P7 Wireless ich mich gerne erinnere. Doch auch der P3 und P5 gelten auf dem Markt als außerordentlich beliebte Kopfhörer. Um wieder einmal ein Statement zu setzen, bringt das Unternehmen mit dem neuen PX nun seinen ersten On-Ear auf den Markt, der über ANC (Active Noise Cancelling) verfügt und sogar eine smarte Bedienung verspricht.

Um herauszufinden, ob der Hersteller da den Hals nicht zu voll genommen hat, habe ich mir den PX mal für einen Test zukommen lassen.

Im Lieferumfang enthalten sind neben dem Kopfhörer noch eine weiche Transporttasche mit Magnetverschluss, ein USB Typ-C-Ladekabel, ein 3,5 mm-Klinkenkabel und eine kurz gehaltene Bedienungsanleitung.

Der mir vorliegende PX erstrahlt in “Soft Gold” (in Verbindung mit einer Art Marineblau), die andere Farbvariante nennt sich “Space Grey” und erinnert farblich wirklich sehr an die entsprechende iPhone-Variante. Trotz des vielen Plastiks am Gerät wirkt dieses immer noch sehr hochwertig. Allerdings erwarte ich das bei einem Kopfhörer für 399 € auch. Die Kombination aus “ballistischem” Nylon an den Ohrpolstern und am Bügel und dem weichen Leder an den Ohrmuscheln gefällt mir sehr gut, die stylische Kabelführung entlang der aus Aluminium gefertigten Träger trägt ihr Übriges dazu bei.

Die Buttons zur Steuerung der Musikwiedergabe und Annahme von Telefonaten/Starten von Siri oder Google befinden sich an der Rückseite der rechten Ohrmuschel. Diese lassen sich leider beim Tragen nur schwer mit den Fingern voneinander unterscheiden, was gerade anfangs schnell zu Fehlbedienung führt. Nach einer kurzen Eingewöhnung weiß man aber, wo der Finger hinwandern muss, um nicht aus Versehen einen Titel vor zu springen.

Dies sind die Specs des PX direkt vom Hersteller:

Bowers & Wilkins PX
  • Chassis: 2 x 40 mm (Breitband)
  • Typ: Wireless Kopfhörer
  • Nettogewicht: 335 Gramm
  • Akku: 850 mAh Lithium-Polymer
    • bis zu 22 Stunden BT/ANC
    • bis zu 29 Stunden BT/kein ANC
    • bis zu 33 Stunden ANC/verkabelt
    • bis zu 50 Stunden verkabelt/kein ANC
  • Eingänge: USB Typ-C (Audio, Batterie laden, FW-Update), 3,5 mm Stereo-Klinkenstecker
  • Frequenzumfang: 10 Hz bis 20 kHz
  • Impedanz: 22 Ohm (passiv)
  • Verzerrung: <0,3 % (1 kHz/10 mW)
  • Empfindlichkeit: 11 dB/V bei 1 kHz
  • max. Eingangsleistung: 1 V
  • BT-Profile: A2DP v1.3, AVRCP v1.6, HFP v1.6, HSP v1.2, GAP, SDAP, DIP
  • BT-Codecs: aptX HD, SBC, AAC
  • weitere Features: Bluetooth 4.1, Natural UI – eingebaute Sensoren übernehmen Funktionen wie Beenden der Audiowiedergabe, wenn der Kopfhörer abgenommen wird, Companion-App für personalisierte Audiowiedergabe

Was den PX neben einem starken Klang so besonders machen soll, ist nicht nur das integrierte ANC, sondern auch die smarte Bedienung. Lichtempfindliche Sensoren erkennen, wenn beispielsweise eine Ohrmuschel angehoben wird (wenn man zum Beispiel kurz jemandem zuhören möchte) oder man den Kopfhörer um den Hals legt. Passiert dies, so wird vom Kopfhörer automatisch die Wiedergabe der Musik pausiert.

Nach einer gewissen Zeit schaltet sich das Gerät dann zum Stromsparen in den Standby-Modus. Setzt man dann anschließend den PX wieder in normaler Trageweise auf den Kopf, spielt die Musik weiter. Das klingt in der Theorie ganz praktisch, funktionierte im Test dann aber leider nur suboptimal. Anscheinend ist meine Brille Schuld daran, dass der Lichtsensor zwischendurch trotz korrektem Sitz des PX das Signal bekommt “Kopfhörer wurde angehoben”. Das resultiert darin, dass es mir selbst beim ruhigen Vor-dem-Rechner-Sitzen regelmäßig die Musikwiedergabe unterbricht und das nervt. Ohne Brille trat das Phänomen wesentlich seltener auf, hier war dann wohl eher das Kratzen am Kopf Schuld daran, dass der Kopfhörer leicht verrutschte.

Über die Companion-App lässt sich allerdings die Intensität der angesprochenen Sensoren regulieren, bis hin zu “Aus”. In deaktiviertem Zustand wird dann logischerweise gar nichts mehr unterbrochen. Ich hoffe, dass der Hersteller an dieser Stelle noch ein wenig per Firmware-Update eingreifen kann (welches sich auch über die App initiieren lässt), Brillenträger gibt es mehr als genug. Das darf kein Grund sein, auf ein wichtiges Feature eines Kopfhörers verzichten zu müssen.

Der PX sitzt dank stufenlos einstellbarer Größe angenehm fest am Kopf, die Ohrpolster decken die Ohren sehr gut ab. Für eventuell doch noch eintretende Störgeräusche hat Bower & Wilkins dem PX dann ja das ANC spendiert.Über die App lassen sich drei unterschiedliche sogenannten “Umgebungsfilter” dafür aktivieren: Flugzeug, Straßenverkehr und Büro. Im Einzelnen bedeutet das für das ANC:

Flugzeug: Man hört keine Motoren- oder Kabinengeräusche

Straßenverkehr: Ermöglicht zur Sicherheit einen begrenzten Geräuschdurchlass (Verkehr ist als solcher noch wahrnehmbar, damit keine Unfallsituationen entstehen)

Büro: Man hört Stimmen der Kollegen, aber keine weiteren Umgebungsgeräusche

Die Geräuschunterdrückung funktioniert gut, allerdings reicht sie nicht an die Qualität heran, die man beispielsweise von den Bose QC35 gewohnt ist. Die unterschiedlichen Profile lassen sich sehr gut voneinander unterscheiden und funktionieren auch wie versprochen. Man darf nun allerdings nicht erwarten, dass man die Kopfhörer ohne laufende Musik aufsetzt, das ANC aktiviert und nun komplett von der Außenwelt abgeschottet wird. Allerdings kann ich mir schon gut vorstellen, dass Reisende in Bahn oder Flugzeug durchaus von der Funktion profitieren werden.

Meckern an der App: Auf dem iPhone hatte ich trotz korrekt per Bluetooth verbundener Kopfhörer durchgehend das Problem, dass die App mich aufforderte, das BT in meinem Smartphone zu aktivieren, um fortsetzen zu können. Da ich bereits ohne die App über den PX Musik hören konnte, gab es offenbar kein Problem mit der Verbindung. Nach diversen App-Resets und Handy-Neustarts entschloss ich mich dann, den PX einfach mit meinem Android-Phone zu verbinden.

Das klappte dann reibungslos, eventuell ist die App ja noch nicht iOS-11-optimiert. Da nicht jeder das Glück haben wird, parallel iOS- und Android-Gerät zur Verfügung zu haben, gibt es an dieser Stelle ein Minus. Ohne App kann ich nichts am Gerät einstellen, die Pressestelle von B&W versicherte mir aber glaubhaft, dass es sich hier um einen Einzelfall handeln muss, da das Problem so bisher nicht gemeldet worden ist.

Kommen wir zum Klang der Bower & Wilkins PX – der eigentlichen Hauptaufgabe eines Kopfhörers. Hier darf sich das Unternehmen gern eine Medaille um den Hals hängen, denn egal, welches Genre ich mir nun in den letzten Tagen so auf die Ohren warf – Höhen, Mitten und Tiefen sind auf den Punkt genau abgestimmt. Die Bässe erzeugen je nach Track ordentlich Druck, vielleicht für den einen oder anderen etwas zu viel, das kann schon sein. Weder Knistern noch irgendein Rauschen stören die Wiedergabe, auch nicht auf hohen Lautstärke-Leveln. Hier möchte ich behaupten, dass der PX meiner Meinung nach selbst die Konkurrenz von Bose und Co. klanglich übertrumpft.  

Für 399 € erwirbt man mit den Bower & Wilkins PX zwar einen sehr teuren, dafür vor allem aber klanglich wirklich sehr guten Kopfhörer, der nicht nur schick aussieht und einen festen Sitz bietet. Er bringt auch noch ANC mit, welches je nach Situation recht anständig entsprechende Störgeräusche herausgefiltert bekommt. Lediglich die smarte Bedienung muss ich kritisieren, als Brillenträger hat man hier wirklich keinen Spaß mit. Sollte das noch ausgebessert werden können, würde ich den PX fast uneingeschränkt an all diejenigen weiterempfehlen, die bereit sind, knapp 400 € für einen Kopfhörer auszugeben.


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Über den Autor:

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