Recht auf Vergessenwerden: Kanada lässt Ergebnisse weltweit löschen, kommt die große Zensur?

26. Juli 2014 Kategorie: Google, Internet, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Europa ist nicht das einzige Gebiet auf dieser Welt, in dem Google durch das Recht auf Vergessenwerden gezwungen wird, bestimmte Suchergebnisse nicht anzuzeigen. In Europa ist es so, dass die aus den Suchergebnissen entfernten Links nur in Europa entfernt werden. Der Rest der Welt erhält weiterhin alle Suchtreffer. Das könnte sich allerdings bald ändern. In Kanada zwingt ein Gericht Google nun dazu, entsprechende Suchergebnisse weltweit auszufiltern. Und das beunruhigt nicht nur Google.

Google Office

Das Gericht in Kanada urteilte, dass betroffene Suchergebisse nicht nur von google.ca, sondern auch von google.com verschwinden. Allerdings wurde Google gestattet, gegen dieses Urteil Berufung einzulegen. Google sieht das Urteil kritisch, da so jedes Gericht, egal wo auf der Welt, eine weltweite Zensur durchsetzen könnte. Lokale Zensuren, wie sie in Deutschland zum Beispiel bei Inhalten im Zusammenhang mit rechtsextremen Inhalten stattfindet, könnten dann weltweit durchgeführt werden.

Wie Reuters berichtet, haben die EU-Überwachungsbeauftragten anscheinend ein Problem damit, dass Google bei Löschung von Links in den Suchergebnissen die Seitenbetreiber informiert. Ebenso stören sie sich daran, dass Google die Ergebnisse lediglich aus europäischen Google-Ablegern entfernt und sie weiterhin über google.com auffindbar sind. Allerdings – so sieht es zumindest für mich aus – ist das eher ein Problem des EuGH-Urteils, das schlichtweg nicht mehr verlangt. Dennoch spielt der EU das kanadische Urteil natürlich in die Hände.

Durch das kanadische Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, könnte das ganze Recht auf Vergessenwerden einen noch unschöneneren Touch bekommen. Nicht nur, dass die Suchmaschinen einen immensen Aufwand durch die Löschanträge haben, sie müssen sich quasi auch jeglicher Zensur beugen, sobald ein Gericht diese anordnet. Für ein besseres Internet wird dies sicher nicht sorgen, vor allem da es ja nach wie vor so ist, dass der Content bleibt und nur die Verweise von Google darauf verschwinden. So wie es auch bei den 91.000 bisher gestellten Anträgen der Fall ist.



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Quelle: GigaOm |
Über den Autor: Sascha Ostermaier

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