Qualcomm IQ 2013 in Moskau

4. Juli 2013 Kategorie: Mobile, geschrieben von:

Innovation Qualcomm 2013. In Russland, genauer gesagt Moskau. Eine immens beeindruckende Stadt. Qualcomm lud ein, ich folgte dem Ruf und bekam einen interessanten Einblick in ein Unternehmen, das viel mehr als nur ein Chip-Hersteller ist. Für den deutschen Leser sind die Informationen etwas schwer aufzubereiten, da der Schwerpunkt der Veranstaltung auf dem russischen Markt lag. Und dieser ist dem deutschen sehr weit hinterher.

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Anhand der Keynote von Paul Jacobs, CEO von Qualcomm, kann man sich jedoch einen recht guten Überblick verschaffen. Für uns gab es nicht wirklich etwas Neues, Snapdragon Prozessoren, auch die aktuellen, sind bei uns bereits verfügbar, aber ein Blick in die östlichen Gefilden kann ebenso interessant sein. Vieles war mir nicht bekannt, oder zumindest nicht bewusst. Russland ist ein Smartphone-Entwicklungsland, auch dazu werde ich später noch ein paar Worte verlieren.

Die Veranstaltung zog sich über den ganzen Tag und behandelte nicht nur Smartphones, sondern auch die große Daten-Challenge, die vor allem Mobilfunkbetreiber betrifft, ebenso wie Smart Homes, die zu Smart Cities werden und der digitale 6. Sinn. Wie das immer so ist, gibt es jede Menge Zahlen, zur Verbreitung von Technologien, dem Wandel in der Gesellschaft und zur Nutzung diverser Dienste.

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Born Mobile, das Smartphone als Alltagsbegleiter für die jüngere Generation. Während die etwas älteren sich in die vernetzte always-online Welt einarbeiten müssen, wächst die nächste Generation bereits damit auf. Die Nutzung wird zur Normalität. Eine Bequemlichkeit, alle Informationen überall verfügbar zu haben. Kommunikation aus jeder Ecke der Welt. Was für uns als Kinder zwei Dosen mit einer Schnur dazwischen waren, ist heute das Smartphone.

Das zeigt sich auch an den Investitionen, die im Bereich Mobile getätigt werden. Die Welt wird mobil, 41% des 2012 investierten Venture Kapitals im Bereich Technik floss in mobile Unternehmen. Das Smartphone ist dabei das Schlüssel-Element. Eine portable Spielekonsole, Navigationsgerät und Wissensdatenbank in einem. Diese drei Funktionen sind die meistgenutzten.

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Zwischen 2013 und 2017 sollen 7 Milliarden Smartphones verkauft werden, Mini-Computer mit großer Performance und ohne Kompromisse in der Mobilität. Eine Chance für Hersteller, die gleichzeitig eine Herausforderung ist. Die Computer-Industrie bewegt sich Richtung Mobile, der klassische Desktop-PC ist nicht mehr flexibel genug für die Generation „Born Mobile“.

Qualcomm ist klarer Marktführer in verschiedenen Bereichen. Die Nummer Eins in 3G/4G/LTE, RF, AP, GPU und DSP. Alles vereint in einem Chipset, welches wiederum für verschiedene Bereiche optimiert ist. Während wir Geeks immer nur die neuesten und schnellsten Prozessoren wollen, sind für die Unternehmen vor allem die Mid-Range und Einstiegs-Chipsets interessant, da sich diese in großen Stückzahlen verbreiten. Snapdragon 400 und Snapdragon 200 erlauben kostengünstige Geräte, die mit allen mobilen Betriebssystemen kompatibel sind (Windows 8 RT, Android, Firefox OS, BlackBerry). Neben reiner Rechenleistung spielt auch die Vernetzung und die Service-Integration eine große Rolle in den mehr als 850 verfügbaren Geräten mit Snapdragon Chips.

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Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass es künftig keine Rolle mehr spielen wird, für welchen Markt ein Gerät hergestellt wird. Heutzutage ist es ja oft so, dass eine Version eines Smartphones nur hier eingesetzt werden kann, die andere Version aber nur auf einem anderen Kontinent. Das bedeutet einen großen Aufwand für den Hersteller und lange Wartezeiten für den Endkunden. Neue Chipsets werden alles unterstützen und ein Gerät für alle ermöglichen.

Die Vernetzung stellt Mobilfunkbetreiber vor eine große Aufgabe. Bis 2020 werden 1000x mehr Daten durch die Mobilfunknetze strömen als heute. Auch hier arbeitet Qualcomm an Technologien, die eine perfekte Vernetzung ermöglichen sollen. Die Seamless Connectivity erlaubt unterbrechungsfreie Wechsel der Datenströme oder sogar die gleichzeitige Nutzung von WLAN-Netzen und Mobilfunknetzen für Datenströme. Auch die direkte Verbindung von Geräten über LTE-D (so etwas wie WiFi Driect, nur über LTE-Frequenzen) wird eine große Rolle spielen.

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Was heute noch große Mobilfunkmasten sind, werden in Zukunft kleine Geräte sein, die nur einen sehr kleinen Bereich abdecken, durch die konstengünstige Lösung aber im Prinzip überall eingesetzt werden können. So etwas ist auch nötig, bedenkt man, dass 2020 bereits 25 Milliarden Geräte vernetzt sein werden. Dies führt direkt zum Internet der Dinge. Die Heimvernetzung wird in den nächsten Jahren eine sehr große Rolle spielen. Der Kühlschrank meldet, wenn die Tür nicht richtig geschlossen ist, der Fernseher wird per Augmented Reality vom Smartphone aus bedient, durch Multi-Screen-Experience (AllJoyn) verschmelzen immer mehr Geräte. Eine spannende Sache, die man wohl erst so richtig fassen kann, wenn sie tatsächlich nutzbar ist.

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Mit Gimbal hat Qualcomm eine Art Google Now, das personalisierte Informationen bereithält. Der sechste Sinn in digitaler Form. In Ländern mit einem schlechten Bildungssystem werden Smartphones und Tablets dazu beitragen, dass mehr und effektiver gelernt wird. Das Gesundheitswesen wird ebenfalls von der Technik profitieren. Ein Satz, der mir von den Sessions der Qualcomm IQ hängen blieb war, dass das Smartphone einen irgendwann zum Arzt schickt, weil ein Herzinfarkt droht. Faszinierende Aussichten, nicht nur für Risiko-Patienten.

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Zurück auf den russischen Markt. Was ich nicht wusste war, dass dort heute noch 2G der Standard schlechthin ist. HSPA, geschweige denn LTE sind dort nicht verfügbar. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern und Russland wird ein riesiger Markt dafür werden. 2015 sollen bereits mehr als 100 Millionen Menschen dort LTE oder 3G nutzen. Das heißt auch, dass das Datenaufkommen explodieren wird. Soviel zur Qualcomm IQ 2013 in Moskau. Nicht viel Neues für uns, aber ein interessanter Einblick in fremde Märkte.

Auch Gameloft hatte einen Auftritt, für mich als App-Freak ein Highlight. Hier wurden vor allem Strategien besprochen, die Top-Titel auf schwächere Smartphones bringen. Statt 500 MB Download fallen nur noch 5 MB an. Würde sicher auch hier Freunde finden, der grafische Unterschied zu HD-Titeln ist kaum wahrnehmbar. Auf der anderen Seite sind wir hierzulande mit Freemium fast noch gesegnet, wenn man sich anschaut, wie Gameloft in Russland vorgehen will.

Natürlich war auch abseits der Hauptveranstaltung für entsprechende Unterhaltung gesorgt. Hotel direkt am Moskauer Kreml, da gab es einiges zu sehen. Ich hatte die Möglichkeit mich mit türkischen Journalisten über die Proteste im Gezi-Park zu unterhalten. Die großen Proteste sind dort ja mittlerweile abgeflaut, aber es haben sich kleine Foren gebildet, in denen sich die Leute treffen, um weiter für ihre Rechte zu kämpfen. Hat wenig mit Technik zu tun, ich finde es dennoch erwähnenswert, da die deutschen Medien ja nur berichten, wenn es richtig knallt. Für sie waren die Proteste ein voller Erfolg und es findet nach wie vor ein Umschwung in der Türkei statt, auch wenn sich dieser noch über mehrere Jahre ziehen wird.

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Moskau selbst ist eine Mischung aus bunt und Gold. Viel Bling-Bling, wenige freundliche Menschen. Ohne russisch zu sprechen hat man dort kaum eine Chance. Betritt man Gebäude oder Restaurants fühlt man sich mit einem Schlag 50 Jahre zurückversetzt. Hier wird Kommunismus noch in vollen Zügen gelebt. Auch, oder besser gerade diese Dinge, haben die Qualcomm IQ 2013 zu einer äußerst interessanten Veranstaltung gemacht. Solltet Ihr jemals nach Russland reisen, probiert auf jeden Fall Beryoska, ein ganz vorzüglicher Beeren-Matsch mit Russlands National-Getränk.


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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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