Pokémon Go: Verbraucherzentrale Bundesverband mahnt Niantic für AGB ab

20. Juli 2016 Kategorie: Games, Internet, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_pokemongoWas hat sich die Welt über Pokémon Go gefreut. Kinder verlassen ihre Zimmer wieder, Jung und Alt trifft sich zum fröhlichen Jagen der Pokémon auf den Straßen, selbst in ländlichen Gegenden ist dieses Phänomen wahrnehmbar. Krasse Nummer, die allerdings auch von Anfang an die Datenschützer auf den Plan rief. Der Verbraucherzentrale Bundesverband mahnt Niantic, den Entwickler von Pokémon Go nun ab. Anlass sind 15 Klauseln aus den Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen, an denen sich der vzbv stört. Gefordert ist eine Unterlassungserklärung bis zum 9. August, andernfalls wird der Klageweg in Erwägung gezogen.

Heiko Dünkel, Rechtsreferent beim vzbv meint dazu:

„Wer in Deutschland Geschäfte machen will, muss sich auch an die hier geltenden Verbraucherrechts- und Datenschutzstandards halten. Da sehen wir in den Geschäftsbedingungen von Pokémon Go noch erheblichen Nachholbedarf.“

Unter anderem stört sich der vbzv daran, dass man nicht anonym spielen kann und dank Standortfreigabe und zwingend erforderlicher E-Mail-Adresse sehr viele personenbezogenen Daten gesammelt werden. Nach AGB könnten diese Daten auch an unbeteiligte Dritte weitergegeben werden. Auch könne der Vertrag jederzeit von Niantic geändert werden, oder der Dienst eingestellt werden. Dies gelte auch für In-App-Käufe mit echtem Geld, wie der vbzv erklärt.

Für die Anwendung der AGB soll kalifornisches Recht gelten, Nutzer wären bei Streitigkeiten also in der misslichen Lage, ein Schiedsgericht in den USA anrufen zu müssen. Auch dass es keine Rückerstattung bei In-App-Käufen gibt, stört den vzbv. Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, meine aber schon des Öfteren gelesen zu haben, das eine Rückgabe bei In-App-Käufen ausgeschlossen wird. Warum das hier ein Problem sein sollte, erschließt sich mir nicht so ganz, zumal die Abwicklung ja nicht über Niantic direkt läuft.

Spannende Sache, teilweise könnte man beim Lesen der vbzv-Pressemitteilung meinen, dass der Verband das erste Mal eine App heruntergeladen hat. Anonymes Spielen bei einem standortbasierten Game mit Cloudanbindung. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob dies in der Theorie möglich ist. Man nutzt einen Dienst, meldet sich dafür an und akzeptiert die AGB, meist ohne durchzulesen. So läuft das leider in der Regel, ich glaube nicht, dass sich jemand durch die AGB vom Spielen abhalten lässt. Nicht nur bei Pokémon Go.

Davon ab ist es natürlich schon richtig, dass die AGB vielleicht nicht mit deutschem Datenschutzrecht vereinbar sind, allerdings sollte man auch nicht vergessen, dass es sich hier um ein Spiel handelt. Man teilt dem Game keine sensible Daten mit (bis auf die Bewegungsdaten, die gibt man aber auch ohne die App bei Nutzung eines Smartphones schon preis), noch benötigt es Zahlungsinformationen oder sonst etwas vom Nutzer. Abgefragt wird die E-Mail-Adresse und das allgemeine Google-Profil, wenn man sich mit Google anmeldet.

Sollte der vbzv mit der Abmahnung erfolgreich sein, darf Niantic die AGB in Deutschland nicht mehr verwenden. Das wiederum würde wohl eher dafür sorgen, das Spiel hier einfach wieder vom Markt zu nehmen anstatt es anzupassen. So wichtig ist Deutschland dann auf dem Gesamtmarkt auch nicht.

Wie seht ihr das Ganze? Springt der vbzv auf den Pokémon Go Hypetrain auf, wie es viele Verbraucherschützer gerne bei Google, Facebook, Snapchat und Co machen – oder seht ihr bei diesem Spiel ein echtes Problem? Falls ja, dann müssten die Verbraucherschützer zukünftig viele Hersteller abmahnen.



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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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