Paramount Pictures will Filme schneller nach Kinostart digital anbieten

9. Juli 2015 Kategorie: Internet, Streaming, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Heutzutage dauert es meist eine ganze Weile, bis man einen Kinofilm auch für zuhause kaufen kann, sei es als DVD, Blu-ray oder als Download. 90 Tage vergehen seit den 1980ern vom Kinostart, egal ob die Filme überhaupt so lange in den Kinos zu sehen sind. Paramount Pictures will dem ein Ende bereiten und hat nun mit zwei Kinoketten ausgehandelt, dass Filme bereits zwei Wochen nachdem sie im Kino nicht mehr gezeigt werden, für den Heimgebrauch verfügbar gemacht werden.

Paramount

Hollywood ist sich einig, das 90-Tage-Fenster ist zu groß, animiert die Zuschauer dazu, sich die Filme kostenlos aus dem Netz zu laden anstatt sie zu kaufen. Die Kinos sehen das natürlich anders, sind der Meinung, wenn ein Film zu früh für den Heimgebrauch verfügbar ist, komme keiner mehr in die Kinos. Paramount konnte diesen Deal mit zwei großen Ketten in Nordamerika abschließen: AMC Entertainment Holdings Inc. und Cineplex Inc.

Getestet wird diese neue Vorgehensweise vorerst an zwei Horror-Filmen, die im Oktober in die Kinos kommen. Sollten die beiden Filme “Paranormal Activity: The Ghost Dimension” und “Scout’s Guide to the Zombie Apocalypse” erfolgreich sein, will Paramount Pictures in Zukunft bei allen Filmen so vorgehen. Wenn nicht alle Kinos mitziehen, werden die Filme nur in den Kinos gezeigt, die mit dieser Vereinbarung einverstanden sind.

Eigentlich haben die Kinos keinen Grund, nicht damit einverstanden zu sein. Denn Paramount Pictures teilt mit ihnen auch die Einnahme, die durch digitale Downloads entstehen. Rob Moore von Paramount Pictures ist der Ansicht, dass die Kinos durch dieses Modell mindestens die gleichen Einnahmen haben, wenn nicht sogar mehr.

Andere Kinoketten bekunden bereits Interesse, was bleibt ihnen auch groß übrig, immerhin hat Paramount Pictures auch große Namen wie „Transformers“, „Star Trek“ oder und „Mission: Impossible“. Kinos klagen seit längerer zeit, dass die Einnahmen immer mehr zurückgehen, geben der Digitalisierung die Schuld an diesem Umstand (kennt man ja auch vom Musikbusiness). Wenn sie nun aber ein Stück vom digitalen Kuchen abhaben können, ändert sich vielleicht die Meinung.

Dass in Sachen Piraterie ein 90-Tage-Fenster keine Maßnahme ist, das haben die letzten Jahre bewiesen, sollte auch ihnen klar sein. Um Piraterie wirksam entgegentreten zu können, muss vor allem eins vorhanden sein: eine einfache Verfügbarkeit. Wenn Filme nun schon nach 50 Tagen verfügbar gemacht werden, steigt natürlich die Chance, dass sie eher gekauft / geliehen werden anstatt sie illegal herunterzuladen. 50 Tage sind immer noch eine lange Zeit, aber alles was näher rückt ist besser.

Neu ist diese Idee übrigens nicht, wenn vielleicht auch nicht ganz vergleichbar. Netflix kündigte letztes Jahr an, „Tiger & Dragon II“ weltweit zeitgleich in IMAX-Kinos und via Streaming anzubieten. Der Streifen soll am 28. August starten, ich bin mir sicher, dass Kinoketten und Filmstudios gleichermaßen gespannt zusehen werden, wie das ganze ausgeht. Aus Nutzersicht ist eine solche Vorgehensweise jedenfalls zu begrüßen. Wer Kino-Flair möchte, kann dies bekommen, nicht jeder hat schließlich eine Heimkino-Anlage und manche Filme wirken nur auf der großen Leinwand so richtig.

Schön zu sehen, dass hier nach Jahrzehnte langem Stillstand ein wenig Bewegung in die Filmindustrie kommt. Man muss nur hoffen, dass der Versuch von Paramount Pictures nicht in die Hose geht.

(Quelle: Wall Street Journal)

 

Anzeige: Der neue Karriereservice von Caschys Blog in Kooperation mit Instaffo. Lass dich von Unternehmen finden. Jetzt kostenfrei anmelden!

Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

Sascha hat bereits 8223 Artikel geschrieben.