ownCloud: Ring frei für Runde 9!

8. März 2016 Kategorie: Internet, Mobile, Software & Co, geschrieben von: Oliver Pifferi

owncloud-square-logoViele der Leser hier nutzen eigene Lösungen, um ihre Daten fernab von Google, Microsoft und Apple in einer „heimischen“ Wolke zu parken. Seinerzeit hatte ich ja über das Aufsetzen der eigenen Cloud via ownCloud berichtet und natürlich ist diese Lösung nicht die einzige – auch Seafile wird von vielen favorisiert. ownCloud hingegen ist allerdings mit etwa 8 Millionen registrierter User eine der verbreitetsten und egal, ob ihr Eure Wolke auf einem alten PC zuhause, Eurem NAS-System oder beim Provider Eures Vertrauens parkt: Mit ownCloud ist man out-of-the-box eigentlich recht fix mit einer eigenen Lösung am Start, wenn denn nun die ersten Holprigkeiten der Installation übersprungen werden. Nun steht seit heute Version 9 in den Startlöchern, die einiges optimieren und vieles besser machen soll, in vielerlei Hinsicht aber eher „grösser“ zu denken scheint.

Von den Machern als grösstes ownCloud-Release aller Zeiten betitelt, soll ownCloud 9 unter anderem mehr Kollaborationsmöglichkeiten, eine grössere Skalierbarkeit und auch vereinfachte Updatemöglichkeiten mit sich bringen. Speziell die Updates sind und waren mir persönlich immer ein Dorn im Auge, frei nach dem Motto „Kann, muss aber nicht gutgehen“. Eine der Neuerungen: Ihr könnt Tags und Kommentare setzen und bekommt – sofern Ihr über das Webinterface angemeldet seid – direkte Benachrichtigungen:

ownCloud9_Social

Gerade bei den Benachrichtigungen wird also das Thema „Kollaboration“ entsprechend hoch aufgehängt – durch den Aktivitäten-Feed soll die Zusammenarbeit und Interaktion untereinander gefördert werden und die Tags helfen beim Organisieren von Daten. Mag für den Ottonormalanwender erst einmal weniger wichtig sein, in grösseren Umgebungen und Teams aber durchaus eine sinnvolle Erweiterung.

In Sachen „Federated Sharing“ lassen sich nun ownCloud-Server untereinander verbinden beziehungsweise dürfen und soll(t)en sich vertrauen. Die Zusammenarbeit zwischen den Benutzern der verbundenen Server ist nun ebenfalls möglich und Namen werden via Autovervollständigung vorgeblendet, wenn man einen Inhalt für Benutzer, die beispielsweise auf einem anderen Server angesiedelt sind, freigeben möchte. Bildlich gesprochen schaut die eigene Wolke bei Bedarf also auch über den Horizont zu anderen hinüber – vielleicht auch eher in grösseren Anwendungsgebieten interessant, aber definitiv eine nette neue Zugabe.

Auch der Bereich Storage hat eine deutliche Erweiterung der API bekommen, unter anderem haben CERN und AARNet daran mitgearbeitet und ermöglichen es, sehr grosse ownCloud-Installationen (man redet hier von Datenmengen in Petabyte-Regionen und hunderttausenden von Usern) tiefer in die eigene Infrastruktur zu integrieren. Skalierbarkeit ist auch hier Trumpf, hätte aber bei meinem shared Hoster das Update sicherlich nicht gerechtfertigt 😉 !

Des Weiteren folgten noch einige kleinere Änderungen an der Kalender- und Kontakte-App, ein erstes „Hallo“ der noch recht frischen Mail-App (gab es meines Wissens nach bei Version 8 schon, aber mit sehr marginalen Nutzen), ein neuer Stand-Alone-Updater, Codesignatur für die Integrität der ownCloud-Installation sowie die Fähigkeit, mehr Infos über App-Updates zu bekommen. Optisch hat sich hingegen nichts getan – das aus V8 bewährte Webinterface sieht nach wie vor schlank und aufgeräumt aus:

ownCloud9_Profil

In diesem Sinne: Frohes und erfolgreiches Updaten! Apropos Updaten – das wurde ja schon in den Kommentaren des vergangenen Beitrags zu ownCloud oft bemängelt und zickte auch bei mir im Backend rum. Wer also noch auf ownCloud 8 arbeitet und den Auto-Updater entweder nicht nutzen möchte oder die üblichen Rechteprobleme bekommt, aber gerne direkt auf ownCloud 9 upgraden möchte, kann sich – ohne Gewähr und gerne mit vorherigem Backup – wie folgt helfen:

  • Im Web-Root die Datei „config/config.php“ sichern
  • Das „data“-Verzeichnis bestehen lassen
  • Alle anderen Dateien und Ordner löschen, sofern Ihr keine zu sichernden Apps oder 3rd-Party-Erweiterungen nutzt
  • Offizielles 9.0-Archiv bei owncloud.org herunterladen
  • Verzeichnisinhalt im Web-Root entpacken
  • Die Datei „config.php“ wieder in den „config“-Ordner hochladen
  • Die Verzeichnisrechte wieder entsprechend setzen und die URL Eurer ownCloud-Installation eintippen – es sollte nun ein Updatehinweis erscheinen und Ihr solltet das Update durchführen können

ownCloud9_Update

Wer das Ganze allerdings noch nicht in der eigenen Umgebung testen möchte, kann die neue Version auch direkt bei den Entwicklern online in Augenschein nehmen – surft dazu einfach auf https://demo.owncloud.org. Viel Spass!



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Über den Autor: Oliver Pifferi

Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und XING. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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