ownCloud: Ehemalige Entwickler kommen mit „Nextcloud“ zurück, ownCloud veröffentlicht Stellungnahme

4. Juni 2016 Kategorie: Internet, Software & Co, geschrieben von: Oliver Pifferi

owncloud-square-logoAm 31. Mai berichteten wir über die Gründung der ownCloud Foundation und den Weggang diverser langjähriger Denker und Lenker des Projektes, die aber ein klares Statement zu der Thematik vermissen ließen. Zwischen den Zeilen konnte man indes schon viel lesen und auch hinein interpretieren, jetzt ist die Bombe geplatzt: Wie die Kollegen auf Phoronix berichten, spalten sich jene genannten Entwickler vom ownCloud ab und gründen mit NextCloud ihren eigenen Fork – ownCloud reagierte daraufhin postwendend mit einem Statement. Für Spannung in der private Cloud ist also gesorgt, doch erst einmal eins nach dem anderen.

Die Nachricht vom 02. Juni kam nicht unerwartet, hatten die Vögel im Netz doch nicht nur geraten, sondern auch gezwitschert: Frank Karlitschek, ehemaliger ownCloud-CTO, informierte das Netz zunächst über NextCloud und die Tatsache, dass er ownCloud in der Tat verlassen habe. Details nannte er nicht, verwies eben nur auf viele Dinge, die bei ownCloud hätten besser laufen können – und das alles halt nicht der normale Jobwechsel ist, bei dem man beim alten Arbeitgeber aufhört und beim neuen anfängt.

nextCloud

Karlitschek bezeichnet NextCloud als fälligen Neustart von ownCloud – verdeutlicht wird dies durch die zeitgleiche Gründung der Nextcloud GmbH, um Software und Dienstleistungen auch für Firmen und Organisationen bereitzustellen, während das Open Source-Projekt wie von ownCloud gewohnt auch für die Allgemeinheit zur Verfügung steht. Nutzer dürfen sich laut Frank Karlitschek auf die vollständige Integration der Kalender- und Kontakt-Funktion sowie eine durch die Open Source WebRTC-Sofftware Spreed.ME gestützte Möglichkeit zur Video-Kommunikation freuen. Auch einige Features, die bei ownCloud bisher der Enterprise-Version vorbehalten waren, werden in das Nextcloud-Projekt einfließen.

Kunden und Partner, die einen Enterprise-Support gebucht haben, bekommen vollständigen Support für die Mail-, Kontakt- und Kalenderanwendungen und eine vollständige Möglichkeit zur Video-Kommunikation. Wo hier der Unterschied zur Community-Version liegt, sagte Karlitschek an dieser Stelle nicht. Alles in allem möchte er mit Nextcloud eigenen Angaben zufolge eine offenere Art der Kommunikation auf die Beine stellen und so auch die Zusammenarbeit im Vergleich zur Vergangenheit optimieren.

nextCloud2

In den nächsten Wochen möchte man Nextcloud bereits veröffentlichen und auch kostenlosen Support für ownCloud-User anbieten, die ihre bisherigen Installationen auf das neue System migrieren wollen. Man darf gespannt sein, ob das Projekt die Versprechen hält, denn allein die fixe Integration der genannten Applikationen und vielleicht auch einmal funktionierende(re) Updates wären für mich ein Grund, mir Nextcloud einmal näher anzuschauen.

Schauen wir wieder zurück zu ownCloud, der Lösung mit der wir uns schon längere Zeit beschäftigt haben und die viele hier auch nutzen, so ruft die Ankündigung Frank Karlitscheks einen Tag nach einer ownCloud-Partnermesse in Frankfurt natürlich ownCloud selbst auf den Plan: In einem offiziellen Statement gab man gestern zu Protokoll, dass man durch die Ankündigung Karlitscheks mit „kurzfristig abgeworbenen“ Entwicklern ein Konkurrenzprodukt zu ownCloud auf den Markt bringen zu wollen, überrascht und – zugegebenermaßen – auch enttäuscht wurde. Man erkenne die Verdienste Frank Karlitscheks an, bedauere aber diese Art der Trennung.

Einer der Haupt-Kritikpunkte von Frank Karlitschek betrifft die notwendige Stärkung der Community: Hier haben wir an der Konstruktion einer Foundation gearbeitet, deren Gründung wir Anfang dieser Woche bekannt gegeben haben. Das Board der Foundation wird sich aus sieben Mitgliedern zusammensetzen, darunter ownCloud Entwickler, Vertretern von Organisation, die ownCloud entwickeln und nutzen und ein ownCloud-Repräsentant. Ziel der Foundation ist es, langfristig die Community zu stärken und eine kostenlose, vollständig auf Open Source basierende Version von ownCloud zur Verfügung stellen zu können. Die Community Edition ist und bleibt das Rückgrat unseres Unternehmens.

Wie die beiden Geschäftsführer Holger Dyroff und Markus Rex in der Pressemeldung ausserdem mitteilten, hat die Ankündigung in Sachen Nextcloud allerdings auch drastische Konsequenzen für die in Lexington, Massachusetts eingetragene ownCloud, Inc.: Der Haupt-Kreditgeber in den USA hat wohl direkt die Kreditlinie des Unternehmens gestrichen – nach amerikanischem Recht sei ownCloud daher gezwungen, die ownCloud Inc. mit sofortiger Wirkung zu schließen und acht Mitarbeiter der ownCloud Inc. zu entlassen. Das bedauere man außerordentlich und verweist noch einmal darauf, dass die deutsche ownCloud GmbH davon nicht unmittelbar betroffen sei und das Vorantreiben der ownCloud Foundation weiterhin Priorität habe.

Das Thema birgt also weiterhin viel Zündstoff: ownCloud muss nun erst einmal dafür sorgen, die Community an passender Stelle abzuholen und zu schauen, wie es weitergeht – die Kritikpunkte kommen ja nicht von ungefähr und speziell die Transparenz und der Community-Gedanken sollten da intern noch einmal genauer auf den Prüfstand gestellt werden. Frank Karlitschek und Nextcloud müssen nun erst einmal liefern und zeigen, dass sich all der Trubel gelohnt hat und man mit diesem Fork nun auch ein verbessertes Alternativprodukt für die Private Cloud anbietet. Wir sind da mal gespannt, was uns ab Juli erwartet und verfolgen diese Entwicklung natürlich entsprechend aufmerksam.



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Über den Autor: Oliver Pifferi

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