Online-Geldwäschenetzwerk durch Task-Force Cybercrime ausgehebelt

20. September 2017 Kategorie: Internet, geschrieben von:

In Göttingen existiert  eine sogenannte Task-Force Cybercrime der Polizeiinspektion Göttingen. Jene soll einen gewissen Ausblick auf die Kriminalitätsbekämpfung der Zukunft heben. So handelt es sich um die „landesweit erste eigenständige Organisationseinheit zur Bekämpfung von Kriminalität im Kontext der Informations- und Kommunikationstechnik“. Im Klartext wird gezielt Internet-Kriminalität ins Visier genommen. Als einen recht großen Erfolg konnte man dort nun ein großes Geldwäschenetzwerk aushebeln.

Ziel ist es dabei aktuell übrigens, Spezialabteilungen bei der Polizei in ganz Niedersachsen zu etablieren. So mache die Kriminalität im Internet die Ermittlungen deutlich komplexer als in der Vergangenheit – das fange etwa schon bei den örtlichen Zuständigkeiten an. Ein jüngster Erfolg war der erwähnte „Ermittlungskomplex (EK) Assistent“. Dabei widmete man sich einem Betrugs- und Geldwäschenetzwerk, das Schäden im Millionen Euro-Bereich  verursacht hatte.

Die Vorgehensweise war relativ simpel: Die Täter bestellten online Waren. Um selbst anonym zu bleiben, heuerten sie „Warenagenten“ an, welche die Bestellungen für sie ausführten. Jene wurden teilweise sogar direkt angeworben, indem Arbeitssuchenden auf entsprechende Anzeigen geantwortet wurde. Die Strohmänner erhielte dann vermeintlich seriöse Arbeitsverträge als „Verzollungsassistenten“. Dadurch kamen die Täter dann freilich auch an die Personalien ihrer Strohmänner.

Jene Daten nutzten die Täter dann, um etwa bei Händlern Konten einzurichten und mit gestohlenen Kreditkartendaten Bestellungen vorzunehmen. Kernaufgabe der Warenagenten selbst war es die bestellten Waren anzunehmen und nach Osteuropa oder aber auch nach Großbritannien und Finnland zu versenden. Dafür konnten sie sich auf einer speziell eingerichteten Online-Plattform einloggen und vorgefertigte Paketmarken nutzen. Was den gutgläubigen Warenagenten meist nicht klar war: Sie machten sich selbst strafbar, da sie widerrechtlich erworbene Produkte weiterleiteten und sich gemäß § 261 StGB als Geldwäscher verdingten. Außerdem könnten auf sie zivilrechtliche Forderungen der Verkäufer zukommen, welche mit den gestohlenen Kreditkartendaten betrogen wurden.

Die Ermittler konnten insgesamt 1.068 Warenagenten identifizieren und über 18.000 Einzelstraftaten feststellen. Die Schadenshöhe soll insgesamt bei ca. 10 Mi. Euro liegen. Die fraglichen Server standen in Rumänien und wurden von den deutschen Ermittlern überwacht. Freilich ist die  Task-Force Cybercrime der Polizeiinspektion Göttingen recht stolz auf diesen Erfolg.

Mit den sogenannten Warenagenten habe ich persönlich übrigens nicht viel Mitleid – dass es bei derlei „Arbeit“ nicht mit rechten Dingen zugehen kann, sollte jedem klar sein, der sich auf solche Machenschaften einlässt. Bei allem Selbstlob der Polizei klingt es für mich aber so, als ob man eben nun auch nur gegen jene Warenagenten vorgehen könne, da die Drahtzieher wohl immer noch unbekannt sind bzw. im Ausland sitzen und sich dem Zugriff entziehen. Die nächste, derartige Masche dürfte also wohl nicht lange auf sich warten lassen.


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