Nokia Lumia 1520 ausprobiert: Bigger is better?

29. November 2013 Kategorie: Hardware, Mobile, Windows, Windows Phone, geschrieben von:

Die letzten Tage hatte ich die Möglichkeit, das Windows Phone Phablet Lumia 1520 ausprobieren zu können. Das Gerät bringt so einige Besonderheiten mit und hat auch noch eine 20 Megapixel PureView Kamera an Bord. Außerdem ist es das erste Windows Phone Gerät mit Full HD Display und auch Windows Phone mit Nokias „Black“-Update ist an Bord.

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Die Hardware

Meiner Meinung nach ist bei Windows Phone Geräten nichts unwichtiger als Prozessor und Arbeitsspeicher. Dennoch, es soll ja Leute geben, die der Meinung sind, dass sich Geräte darüber definieren. Deshalb der Vollständigkeit halber: Verbaut sind ein Qualcomm Snapdragon 800 (Quad-Core, 2,2 GHz) und 2 GB RAM. Erstmals kommt also ein Quad-Core-Prozessor in einem Windows Phone zum Einsatz, auch die 2 GB RAM sind ein Novum. Da Windows Phone 8 allerdings auch mit einem Dual-Core-Prozessor und 512 MB RAM geschmeidig läuft, ist es – zumindest für mich – völlig uninteressant.

Mich kriegt man schon eher mit einem hochauflösenden Display. Und auch das hat das Lumia 1520 verbaut. 1920 x 1080 PixelFull HD bei 6 Zoll Bildschirmdiagonale ergeben 368 ppi. Bei der verwendeten Displaytechnik setzt man auf einen Clear Black IPS-LCD Screen. Es ist eine wahre Freude auf das monströse Display zu blicken.

So ein großes Display passt natürlich nicht in ein kleines Gehäuse. Das Lumia 1520 ist groß. Größer als ich persönlich ein Smartphone haben möchte. Viele Menschen stehen auf die sogenannten Phablets, ich mag es halt etwas kompakter. Das ist kein Negativ-Aspekt, einfach nur eine persönliche Vorliebe. Das Gerät passt sogar in eine normale Jeanstasche (links vorne, seit nunmehr 17 Jahren meine Handy-Hosentasche). Hätte ich beim Anblick des Geräts nicht vermutet, aber es passt tatsächlich rein.

Die Haptik des Geräts ist durch die Glossy-Oberfläche etwas durchwachsen. Auch dies ist ein sehr subjektiver Punkt, mir gefällt die matte Oberfläche des Lumia 1020 zum Beispiel viel besser. Abhilfe schafft hier aber das Flip-Cover, welches diese angeraute Oberfläche bietet.

Eine fantastische Arbeit hat Nokia bei den Buttons geleistet. Diese sind alle auf der rechten Geräteseite angebracht. Sie schließen fast bündig mit dem Gehäuse ab, weisen aber dennoch einen deutlichen Druckpunkt auf. Es handelt sich hier um den Standby-Button, die Laut-/Leise-Wippe und den Kamera-Button. Für die meisten sicher ein kleines Detail, ich finde es großartig. Mittig auf der Oberseite befindet sich der Anschluss für das Headset, die Unterseite wird vom Micro USB-Anschluss verziert.

Auf der Rückseite findet man die 20 Megapixel PureView Kamera, die mit einem Dual-LED-Blitz versehen ist. Weiter unten ist die Öffnung für den Lautsprecher. Auf der linken Seite, ebenfalls perfekt integriert, sind die Slots für die Nano-SIM und ein Steckplatz für MicroSD-Karten (bis 64GB).

Der Akku hat eine Kapazität von 3.400 mAh. Und das merkt man sowohl bei der Nutzung, als auch beim Ladevorgang des Geräts. In der kurzen Testphase war es mir leider nicht möglich, den Akku mehrmals leer zu bekommen, auch nach eifriger Nutzung des Geräts will dieses einfach noch nicht an die Steckdose. Eine ziemlich coole Sache, da man so bedenkenlos über den Tag kommt. Ach was, man kommt bedenkenlos durch zwei Tage, wobei dies sicher auch stark von der Nutzung abhängt. Leider dauert es auch seine Zeit, bis der Akku wieder voll aufgeladen ist. Über Nacht ist das kein Problem, mal eben schnell den Akku zwischendurch aufladen allerdings schon. Wobei dies auch relativ ist, weil man kaum in die Verlegenheit kommen wird, den Akku mal eben schnell aufladen zu müssen. Das ist der Vorteil, wenn man in einem großen Gerät genug Platz für den Akku hat.

Die restlichen technischen Daten findet Ihr direkt auf der Homepage von Nokia.

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Die Kamera

Wie Ihr wisst, habe ich ein Lumia 1020, das ich auch täglich nutze. Ich bin nach wie vor begeistert von der Kamera, insofern hatte ich gar nicht so große Erwartungen an die Cam des Lumia 1520. Es bietet ja schließlich nur die Hälfte der Pixel (und somit immer noch fast das Doppelte aktueller Flagschiff-Smartphones). Ich bin kein Fotograf, der Automatik-Modus ist mein bester Freund. Dieser weiß auch im Lumia 1520 zu überzeugen.

Ich war etwas irritiert, nachdem ich die ersten Fotos mit der Cam gemacht habe. Diese sehen auf dem Gerät, bedingt durch das hochauflösende Display, großartig aus. Egal ob Outdoor oder Indoor, mit Blitz oder ohne, die Bilder überzeugen mich. Auch auf dem PC sehen die Bilder – man bedenke, dass es sich hier immer noch um eine Smartphone-Cam handelt – einfach super aus.

Mit den Nokia Kamera-Apps Refocus und Nokia Camera (vorher Smart Camera und Pro Camera) sollten auch ambitioniertere Fotografen ihre Freude haben. Mit dem Lumia 1520 neu hinzugekommen ist Nokia Storyteller, eine Anwendung, die Fotos mit Orten und Ereignissen verknüpft. Aus Zeitgründen konnte ich diese App leider nicht großartig ausprobieren. Wer die Software von Nokia kennt, sollte aber wissen, dass diese mit Sicherheit genauso gut funktioniert, wie die anderen Apps von Nokia.

Würde man mich fragen, ob ich die Kamera des Lumia 1020 oder des Lumia 1520 besser finde, ich könnte keine klare Antwort darauf geben. Ich finde beide sehr stark und beide übertreffen die Ansprüche, die die meisten Nutzer haben werden. Beispielbilder in voller Auflösung könnt Ihr Euch hier herunterladen.

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Die Software

Das Lumia 1520 läuft bereits mit dem Black-Update, das einige nützliche Neuerungen auf Windows Phone bringt. Allerdings fiel auch etwas weg, das mir sehr gut an Windows Phone gefallen hat. Im Menü konnte man auf einen Buchstaben tippen, um auszuwählen, zu welchem man springen möchte. Das ist nun nicht mehr der Fall. Wer sehr viele Apps installiert hat, muss nun durch eine lange Liste scrollen. Wie in den Kommentaren angemerkt wurde, erscheinen die Buchstaben erst ab einer gewissen Anzahl an installierten Apps. Kann ich nicht mehr nachvollziehen, da das Lumia 1520 bereits wieder verpackt ist. Wenn dem so ist, fällt die Kritik natürlich weg. Allerdings ist die Liste der Apps bei mir bereits recht lang gewesen und es waren keine Buchstaben da. Insofern wenigstens ein bisschen Kritik, da die Anzahl der Apps, die die Buchstaben erscheinen lassen, ruhig niedriger sein dürfte.

Immerhin lassen sich jetzt Programme direkt in der Übersicht schließen. Hält man den Zurück-Button gedrückt, bekommt man alle geöffneten Programme angezeigt und kann diese einzeln abschießen. Längst überfällig, das Schließen über mehrmaliges zurück gehen war nämlich immer nervig.

Wie gewohnt läuft das System sehr flüssig. Ob dies nun dem starken Prozessor und dem Mehr an RAM geschuldet ist, wage ich zu bezweifeln, denn auch ein Lumia 520 läuft flüssig. Bemerkbar macht sich der Prozessor jedoch bei Spielen und bei schnelleren Programm-Starts. Macht auf jeden Fall Laune.

Da das Lumia 1520 das erste Windows Phone mit Full HD Display ist, sind natürlich wenige Anwendungen optimiert. Macht aber nix, Apps und Games werden trotzdem Fullscreen ausgeführt, man sieht am Anfang kurz, dass die Inhalte gestreckt werden, aber das war es auch schon. Auf dem Display sieht alles gut aus.

Da sich die App Situation bei Windows Phone in den letzten Wochen und Monaten stark verbessert hat, gibt es auch hier nicht viel zu meckern. Alle wichtigen Apps sind vorhanden, dies gegen Ende 2013 noch als Argument gegen Windows Phone zu bringen, wäre an den Haaren herbeigezogen. Klar, so ganz spezielle Nischen-Apps mag es vielleicht nicht geben, aber die Anzahl der Leute, die diese benötigen, sollte sehr gering sein. Einzig die Spiele-Auswahl ist etwas bescheiden, aber auch hier sieht man große Fortschritte.

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Sonstiges

Hier möchte ich noch einmal ein bisschen auf Dinge eingehen, die mir während der Nutzung aufgefallen sind. Sowohl positiv, als auch negativ. Die Lautsprecher des Lumia 1520 sind eine Erwähnung wert. Diese sind sehr laut, einen kleinen Raum kann man damit locker beschallen, ohne Tumore in den Ohren zu bekommen. Wichtig ist hier allerdings, dass die Qualität der Musik entsprechend gut ist. In einem Stream kann dies auf hoher Lautstärke furchtbar klingen, liegt die Musik in entsprechender Qualität vor, macht auch das Spaß.

Die Größe des Geräts ist nichts, womit ich mich auf Dauer anfreunden könnte. Eine Einhandbedienung ist nahezu ausgeschlossen, es sei denn man gehört zu den Menschen, die mit immens großen Händen ausgestattet sind. Nimmt man allerdings beide Hände, um das Gerät zu bedienen, ist die Größe sehr angenehm zum Tippen, auch im Hochformat.

Nokia bietet für das Lumia 1520 auch Flipcover an. Diese schützen nicht nur das Gerät, sondern dienen auch gleich noch als Aufsteller. Sehr cool, um auch einmal einen Film zu schauen, das 6 Zoll Display lädt dazu ja sowieso ein. Schade ist bei dem Cover lediglich, dass es bei Öffnung nicht gleich das Display aktiviert. Aber das ist das berühmte Jammern auf hohem Niveau. Immerhin macht es bei dieser Größe kaum einen Unterschied, ob man das Gerät nun mit oder ohne Cover nutzt.

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Fazit

Nokia ist mit dem Lumia 1520 ein starker Einstieg in die Welt der Phablets gelungen. Die Highlights des Geräts sind für mich das Display, die Kamera und vor allem die großartige Akkulaufzeit. Also genau die Punkte, auf die man als Käufer zuerst schaut. Dass mir persönlich die Größe nicht zusagt, da kann Nokia nichts dafür. Schaut man sich auf dem Smartphone-Markt um, gibt es genügend Leute, die genau diese Größe wünschen. Das Gerät ist angenehm flach und hat man sich an die Bedienung mit zwei Händen gewöhnt, entpuppt sich die Größe sogar als Vorteil. Wieder einmal ein Gerät von Nokia, das gefällt und auch die neue Version von Windows Phone zeigt, dass Microsoft hier ordentlich Gas gibt. Das Nokia Lumia 1520 kostet derzeit 799 Euro und ist seit heute im Handel.


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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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