Nokia Lumia 1020 Testbericht

30. Oktober 2013 Kategorie: Hardware, Mobile, Windows, Windows Phone, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Nach der Sightseeing-Tour durch London hatte ich die letzten Wochen ausreichend Gelegenheit, das Nokia Lumia 1020 nicht nur kameratechnisch unter die Lupe zu nehmen. Wobei man natürlich gleich anfangs dazu sagen muss, dass die Kamera definitiv das Highlight des Gerätes ist. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Fotos gemacht. Da selbst Nokia den Schwerpunkt auf die Kamera legt, wird dieser Teil des Tests auch bei mir Schwerpunkt sein.

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Hardware

Das Nokia Lumia 1020 ist mit einem Snapdragon S4 Prozessor ausgestattet, der seine Arbeit angenehm flott verrichtet. Windows Phone ist ja eh ein sehr genügsames System, man kann dies ein wenig mit den Apple-Geräten vergleichen. Da reicht auch ein im Direktvergleich vermeintlich schwacher Prozessor, um alles flüssig laufen zu lassen. So verhält es sich beim Lumia 1020 auch. Ich bin nicht so der Fan von Spezifikationen, Benchmarks interessieren mich nicht, ein Gerät soll/muss laufen, dann hat es auch die richtige Hardware verbaut.

  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon S4 Dual-Core 1,5 GHz
  • Speicher: 2GB RAM, 32 GB / 64 GB Speicher (nicht erweiterbar)
  • Display: 4,5 Zoll Clear Black AMOLED, 1280 x 756 Pixel, 334 ppi, Gorilla Glass 3
  • Kamera: 41 Megapixel PureView, Xenon-Blitz, 1080p Video, OIS
  • Akku: 2.000 mAh (+1020 mAh durch Kamera Grip), drahtloses Laden über Zubehör möglich
  • Maße: 130,4 mm x 71,4 mm x 10,4 mm, 158 g

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Das Display ist mit der vorhandenen Auflösung ausreichend bestückt. Klar ist es nicht mit manchen Full HD-Displays anderer Hersteller vergleichbar (443 ppi), aber es ist besser, als ich es von den Daten erwartet hätte. Durch hohe Helligkeits-Einstellungen ist es auch bei Sonnenlicht gut ablesbar, dies ist leider auch heute noch keine Selbstverständlichkeit. Auch die Berührungsempfindlichkeit des Touchscreens ist großartig. Dies geht allerdings schnell zu Lasten des Akkus, deshalb kann man diese in den Einstellungen regulieren.

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Der Akku ist meiner Meinung nach so ein bisschen das Sorgenkind in diesem Gerät. Nutzt man alle Features wie Glance Screen, Double Tap to wake up, hohe Touchscreen-Empfindlichkeit und macht dann noch Fotos in der Dunkelheit, wird dieser schon arg strapaziert. Dank des Kamera Grips (sofern man diesen dazu kauft) kann dies etwas relativiert werden, wer das Gerät allerdings nutzt, wird Mühe haben über den Tag zu kommen. Ja, ist bei anderen Smartphones auch so, trotzdem ärgerlich. Spielt man jedoch ein bisschen in den Einstellungen und deaktiviert vielleicht nicht benötigte Features, kann man noch einmal eine gewisse Bonus-Nutzungszeit herausschlagen.

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Der nicht erweiterbare Speicher ist ein Punkt, der mir nicht so ganz einleuchten will. Nokia baut eine richtig fette Kamera, macht es aber ziemlich kompliziert, an die hochauflösenden Aufnahmen heranzukommen. Eine Speicherkarte, und sei es wirklich nur für die Fotos, wäre hier sehr willkommen. Die 32 GB / 64 GB sind ausreichend für ein paar tausend Fotos (ca. 10 MB für Speicherung High-Res und 5 MP), lädt man sich allerdings noch ein paar Filme oder eine große Musiksammlung auf das Lumia 1020, könnte es eng werden.

Es ist nicht so, dass der Speicher von Anfang an zu knapp bemessen ist, aber mal so unter uns, wer ein Lumia 1020 nutzt, wird seine Smartphone-Foto-Frequenz dermaßen drastisch erhöhen, dass nur konsequentes Ausmisten der Fotos auf dem Gerät für ein unbesorgtes Knipsen sorgen wird.

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Die Verarbeitungsqualität des Nokia Lumia 1020 ist ebenfalls großartig. Das Unibody-Design aus Polycarbonat macht alles andere als einen schlechten Eindruck. Es knarzt nicht, durch die mattierte Oberfläche sieht man auch keine Fingerabdrücke auf dem Gerät. Trotz der Größe lässt es sich zudem besser halten, als andere Geräte dieser Größenklasse. Der kleine Buckel, der durch die Kamera auf der Rückseite entsteht, ist bei der Nutzung nicht wahrzunehmen.

Und somit kommen wir auch zum Hauptpunkt des Lumia 1020: die Kamera. Ich machte schon immer gerne Fotos mit dem Smartphone. Immer dabei, kein Anspruch Fotos in DSLR- oder Studio-Qualität, komfortable Sharing-Möglichkeiten. Ihr wisst vielleicht, dass ich normalerweise ein iPhone 5 nutze, dessen Kamera meinen Ansprüchen immer genügt hat. Nun, seit ich das Lumia 1020 habe, staubt die Linse des iPhone 5 schön ein. Die Fotos damit machen einfach „keinen Spaß“ mehr. Das hat auch einen Grund.

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Mir geht es hier gar nicht um die 41 Megapixel, für mich ist das nur eine tolle Zahl auf dem Papier. Vielmehr ist es das, was man im Nachhinein mit den Fotos anstellen kann. Auf Twitter schrieb ich einmal, dass ich mit dem Lumia 1020 völlig neue Seiten meiner Nachbarschaft kennenlerne, und das ist in der Tat so. Die Fotos, die mit der Pro Camera (oder jetzt Nokia Camera) aufgenommen werden sind einfach der Hammer.

Durch die hohe Pixelzahl lassen sich die Fotos zoomen, ohne an Qualität zu verlieren. Nokia spricht von einem 3x Zoom, was auch völlig richtig ist, denn da gibt es keine nennenswerten Qualitätsverluste. Viel spannender ist es aber, noch weiter in die Bilder zu zoomen. Klar, es fängt dann an zu rauschen, aber, und das ist ein sehr großes aber, man erkennt auch auf maximalem Zoom noch etwas. Nicht zum Ausdrucken, für Instagram und Co reicht es aber allemal aus. So kann man aus einem Bild viele verschiedene Bilder machen. Ich liebe das. Wirklich.

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Natürlich ist der Vorteil der 41 Megapixel nicht auf das Zoomen beschränkt. Die gespeicherten 5 Megapixel-Aufnahmen werden aus den Maximal-Pixeln errechnet und zeigen sehr viele Details, auch wenn diese natürlich nicht mehr im gleichen Maß zoombar sind. Die 5 Megapixel-Bilder sind toll und in den meisten Fällen mehr als ausreichend, man ist also nicht gezwungen, die 35 MP oder 38 MP Bilder (je nach Format, 41 Megapixel hat keine der Aufnahmen) nach zu bearbeiten, um tolle Fotos zu haben.

Bilder sagen bekanntlich mehr als Worte, deshalb könnt Ihr Euch an dieser Stelle (Mega, 196,8 MB) ein Fotopaket herunterladen. Verschiedene Aufnahmen, Originalauflösung und 5 Megapixel-Versionen der Bilder. Außerdem sind die hier im Beitrag verwendeten Bilder mit dem Lumia 1020 aufgenommen, allerdings verkleinert und mit einer 60% JPEG-Kompression. Wenn Ihr einmal ein Lumia 1020 in die Finger bekommt, macht Fotos und zoomt einfach mal rein, es wird Euch gefallen.

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Nokia bietet mit dem Kamera Grip auch gleich passendes Zubehör für das Lumia 1020 an. Der Kamera Grip ist für mich auch die größte Enttäuschung an dem gerät, denn er bietet so viel Potential, das leider nicht ausgenutzt wurde. Das Lumia 1020 verschwindet in der Hülle und stellt eine Verbindung zum Kamera Grip her. Das muss so sein, weil der Kamera-Button des Grips nicht einfach nur den Kamera-Button des Geräts betätigt, sondern selbstständig arbeitet. Aber zuerst einmal zu dem, was der Kamera Grip bietet.

1020 mAh Zusatzstrom gibt es durch die Lumia 1020-Hülle, damit kommt man dann auch locker über den Tag. Außerdem gibt es ein Stativ-Gewinde, um das Smartphone auch befestigen zu können, wenn erforderlich. Dafür ist der Grip ziemlich klobig, macht das Lumia 1020 nicht mehr unbedingt hosentaschentauglich.

Wenn die Kamera-Software eh schon mit der Hülle kommunizieren muss, warum verbaut man dann keinen microSD-Slot, um zumindest die Originalaufnahmen direkt dort zu speichern können? Nokia richtet sich mit dem Zubehör an Leute, die etwas „professioneller“ mit dem Lumia 1020 arbeiten wollen, dürfen diese dann aber nicht auch etwas mehr Professionalität erwarten? Tja, hätte, hätte, Würstchenkette, Nokia verbaut nur ein wenig Extra-Strom und ein Gewinde. Schade drum.

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Die Software

Bleiben wir gleich bei der Kamera. Nokia selbst bietet zahlreiche Kamera-Apps an, die die PureView-Kameras optimal ansprechen sollen. Einerseits cool, dass man so eine große Auswahl hat, auf der anderen Seite schwierig, da man sich vorher entscheiden muss, welche App man nun nutzt. Der Kamera-Button kann eine App aufrufen, bei mir ist es die Nokia Pro Camera-App (jetzt die Nokia Camera-App), da ich so im Nachhinein immer noch alle Möglichkeiten offen habe. Die Nokia Smart Camera (ebenfalls nun in Nokia Camera) ermöglicht die Aufnahme von Bewegungsabläufen. Da nun in der Nokia Camera-App alle Funktionen der Pro Cam und der Smart Cam vereint sind, hat man hier schon einmal weniger Probleme mit der Auswahl. Nokia bietet zudem noch das Kreativ-Studio zur Nachbearbeitung der Bilder und auch Cinemagramm zum Erstellen von kleinen Animationen.

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Als Betriebssystem setzt Nokia bekanntlich Windows Phone ein. Es gibt wohl kein aufgeräumteres System auf einem Smartphone. Oftmals hört man die Kritik, dass Apps auf Windows Phone fehlen. Ja, das tun sie, zumindest die, die man vielleicht von anderen Plattformen kennt. Dann muss man sich aber wiederum überlegen, was man eigentlich mit einem Smartphone macht. Viele Leser hier sind Power-User, die ihre Geräte bis zum geht nicht mehr ausquetschen. Da kommt es natürlich vor, dass die ein oder andere Funktion nicht mit Windows Phone realisierbar ist.

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Grundsätzlich gibt es aber für die Hauptfunktionen für alles eine App. Also damit meine ich die Mainstream-Funktionen, Social Networks, Messenger und den ganzen Kram. Dinge, die eben von der Masse genutzt werden. Fragt man heute jemanden auf der Straße, was ein Smartphone können muss, wird man in den meisten Fällen WhatsApp, Facebook, eventuell noch Twitter hören, aber das war es dann auch schon. Der Durchschnittsnutzer ballert sein Smartphone nicht mit hunderten Apps zu.

Die App-Unterstützung von Windows Phone wird in den nächsten Monaten weiter stark zunehmen. Es wird eine offizielle Instagram-App geben, Vine hat ebenfalls eine App angekündigt. Zu behaupten, dass Windows Phone wichtige Apps fehlen, ist schlichtweg falsch. Für den einzelnen vielleicht, aber nicht für die Masse.

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Hat man vorher über Jahre ein anderes System genutzt, fällt der Umstieg auf Windows Phone sicher nicht ganz so leicht. Aber das ist genau das gleiche, wenn man von iOS auf Android wechselt. Es ist ein Lernprozess, wie bei jedem System. Das Gewohnheitstier Mensch tut sich da gerne einmal schwer und schiebt die Schuld dann auf das System, ich behaupte, dass keiner ein System, egal welches, auf Anhieb komplett versteht.

Windows Phone ist nicht nur optisch flach. Egal wo man sich in das System begibt, man findet immer schnell zum Ziel. Keine komplizierten Untermenüs, alles ist relativ verständlich erreichbar. Das hat allerdings auch zur Folge, dass man sehr lange Listen hat. Gescrollt ist aber schneller als ausgewählt und zurückgegangen, insofern eine gute Sache, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat.

Alles in allem ist die Software (sowohl Betriebssystem, als auch vorhandene Apps) mittlerweile wirklich kein Kritikpunkt mehr. Man muss sich nur einmal darauf einlassen, anstatt auf einem Stand zu sein, wie es vor 2 Jahren vielleicht noch mit Windows Phone aussah. Und natürlich muss man sich Alternativen im App-Bereich suchen, wie immer bei einem Systemumstieg.

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Sonstiges

Übrigens, telefonieren und surfen kann man mit dem Lumia 1020 auch. Die Sprachqualität bei Telefonaten ist sehr gut, bei beiden Gesprächsteilnehmern. Durch die Unterstützung von LTE, hat man auch entsprechende Geschwindigkeiten bei der mobilen Datennutzung. Falls denn LTE im Nutzungsgebiet verfügbar ist.

Als Zubehör liefert Nokia noch ein Headset mit. Dies ist von der Qualität her ordentlich, auch wenn man keine Klangwunder erwarten sollte. Ich hatte aber auch schon schlechtere Headsets im Lieferumfang von Smartphones gesehen.

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Fazit

Nokia liefert mit dem Lumia 1020 ein sehr gutes Smartphone ab. Die Verarbeitung passt, das Display passt, die Leistung passt. Die Kamera ist die Krönung und verweist Mitbewerber in die Schranken. „Aber für den Preis bekomme ich doch eine gute Kamera und ein gutes Smartphone.“ Richtig, zwei Geräte, um die man sich kümmern muss. Zwei Geräte, die aufgeladen werden müssen. Zwei Geräte, die einen Platz finden müssen. Das Lumia 1020 ist Smartphone, Kompaktkamera und Videokamera in einem. Jeder der drei Punkte wird gut genug ausgeführt, um den Preis zu rechtfertigen.

Für mich hat das Lumia 1020 den Umgang mit einer Smartphone-Kamera verändert, nicht nur verändert, sondern vor allem vereinfacht. Man muss nicht mehr schauen, dass tatsächlich nur das Objekt der Begierde auf dem Bild ist. Draufhalten, losknipsen, im Nachgang den besten Bildausschnitt verwenden. Dazu hier noch ein Beispiel in Bildform vom Nokia Event in London. Dunkle Straße, viele Leute. Egal, aus dem Hintergrund fotografiert und im Anschluss den wichtigen Bildausschnitt in den Vordergrund geholt.

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Aber es ist nicht nur die Kamera, die das Lumia 1020 zu einem guten Smartphone macht. Es stimmt so viel an dem Gerät. Ich bin auch der Meinung, dass Nokia mit seinem Geräte-Feuerwerk in Abu Dhabi kein Gerät im Gepäck hatte, welches das Lumia 1020 übertrumpfen könnte. Die Mischung aus kompaktem Gerät und der gebotenen Leistung müssen andere erst einmal hinbekommen. Nokia hat mit dem Lumia 1020 in meinen Augen das interessanteste Smartphone 2013 herausgebracht, da werden die Geräte, die dieses Jahr noch kommen, auch nichts daran ändern.

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Über den Autor: Sascha Ostermaier

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