„No Man’s Sky“: Mein Einstieg mit dem Atlas Update

20. August 2017 Kategorie: Games, geschrieben von: André Westphal

Als „No Man‘s Sky“ vor ca. einem Jahr auf den Markt kam, erwies sich der Launch mit Verlaub gesagt als kompletter Reinfall: Etliche im Vorfeld versprochene Features glänzten durch Abwesenheit. Das Fehlen von angedeuteten Multiplayer-Elementen und einer kohärenten Story waren nur die Spitze des Eisbergs. Viel Kritik ernteten auch die zufallsgenerierten Welten, welche am Ende deutlich spartanischer ausfielen, als versprochen. Mittlerweile ist nach dem Path Finder Update die zweite, nochmals umfangreichere Aktualisierung erschienen: Atlas Rises. Für mich ein Anlass dem Game das allererste Mal eine Chance zu geben.

Hier will ich euch natürlich nicht einen extrem verspäteten Test präsentieren, sondern nur kurz meine Eindrücke zu „No Man‘s Sky“. Ich bin kompletter Neueinsteiger, denn die ganzen Kontroversen nach dem Launch schreckten mich bisher ab. Aktuell ist das Spiel aber für ca. 15 Euro zu haben, was den Kauf schon interessanter gemacht hat. Als dann das Atlas Rises Update veröffentlicht wurde, dachte ich mir: „Okay, nun schauste dir das Spiel doch einmal an.“ Denn eigentlich mag ich Science-Fiction und der entspannte Soundtrack in manchem Gameplay-Video sagte mir ebenfalls sehr zu. Ich brauch nicht immer knallige Action. Ein leicht psychedelisches, ruhiges Weltraum-Abenteuer ist also durchaus etwas, was mir gefällt.

Allerdings muss ich sagen: Der erste Eindruck, den „No Man‘s Sky“ hinterlässt, war zumindest bei mir erstmal mies. Ich finde es grundsätzlich klasse, wenn ein Spiel mir nicht alles auf dem Präsentierteller serviert und ich die Freiheit habe Dinge selbst zu entdecken und verstehen. Aber bei „No Man‘s Sky“ musste ich aufgrund des Fehlens einer manuellen Speichermöglichkeit erst einmal online recherchieren, wann überhaupt ein Autosave stattfindet – sowas nervt.

Auch das Ressourcenmanagement ist eher Arbeit als Spaß: Mit dem Mining-Laser kralle ich mir in sekundenschnelle Plutonium, Zink, Eisen und andere Rohstoffe – muss das blöde Ding aber mit den soeben erschürften Mineralien auch genau so schnell wieder aufladen. Dadurch entsteht ein Kreislauf, der nicht herausfordernd ist oder irgendwie Köpfchen erfordert, sondern schlichtweg nur nervt. Und so entstand bei mir direkt in den ersten Spielminuten auch in der aktuellen Version der Eindruck, dass die Ereigniskette in „No Man‘s Sky“ äußerst monoton und simpel ist:

1. Mit dem Mining-Laser Rohstoffe ergattern
2. Mit den selben Rohstoffen den Laser wieder aufladen
3. Wieder bei 1. anfangen

Andere Rohstoffe fließen zu Anfang des Spiels in die Reparatur des Raumschiffs und auch Treibstoff für den Antrieb will gesammelt sein. Gut, natürlich fällt bei sinnvoller Sammelei auch Kram ab, um Waffen am Schiff aufzurüsten, den Mining-Laser zu verbessern oder den eigenen Anzug aufzuwerten. Denn auch jener benötigt Energie und baut auf der Planetenoberfläche ab. Entweder man verkriecht sich dann rechtzeitig im eigenen Raumschiff, was den Anzug wieder auflädt – oder man nutzt gesammelte Rohstoffe unterwegs. Da kommt man auch nicht ganz drumherum, denn sonst kann man keine längeren Wege auf der Planetenoberfläche zurücklegen.

Auf was für einem Planeten man startet, ist, wie die gesamte Galaxis, zufallsbasiert. In meinem Falle war es eine recht langweilige, karge Felsenlandschaft. Flora und Fauna konnte ich auch katalogisieren, aber in solchen spielerisch eher sinnfreien Aktionen, die vor allem Statistiken aufpolieren, sehe ich selten einen Sinn. Es macht keinen Spaß und ist auch nicht herausfordernd mit der Kamera auf krude animierte Tierchen oder Pflanzen draufzuhalten.

Das ist viel Gemecker, aber das Gameplay bei „No Man’s Sky“ ist eben wirklich zu Anfang sehr monoton. Genau hier soll ja das Atlas Rises Update ansetzen, von dem ich zum Einstieg aber noch nicht so viel habe: So gibt es einen neuen Story-Zweig, der rund 30 Stunden umfassen soll. Dabei spielen auch in der Galaxis verteilte Portale eine Rolle, die nun einen Sinn erfüllen. Zudem gibt es nun sehr leichte Multiplayer-Elemente: Man kann anderen Spielern begegnen, sieht sie aber nicht als wirkliche Spielfiguren, sondern seltsame, schwebende Kugeln. Joa, ist jetzt eben auch nichts so Aufregendes und wirkt mehr wie eine Alibilösung.

Etwas besser sind die neuen Mission Boards, die nun klassischere Aufträge für euch bereithalten. Allerdings sind diese Quests wiederum nicht besonders spannend, so dass ich nicht weiß, wie viel Zeit man in sie investieren mag. Sie erinnern mich im Aufbau an typische Fetch-Quests aus MMORPGs. So geht es meistens um das Sammeln bestimmter Rohstoffe, was man sowieso hauptsächlich im Spiel macht. Oder man bringt eben Charaklter A den Gegenstand B. Trotzdem ist diese Neuerung zu begrüßen, da sie ein paar klare Ziele ins Spiel bringt.

Auf mich als neuen Spieler macht „No Man’s Sky“ aber immer noch einen insgesamt durchwachsenen Eindruck: Nachdem ich mein Raumschiff reparierte und ins All starten konnte, war ich durchaus beeindruckt von dem übergangslosen Wechsel von der Planetenoberfläche ins Weltall. Und als ich vage Worte mit den ersten Aliens auf einer Raumstation wechselte und ein deutlich besseres Mining-Tool geschenkt bekam, entstand langsam doch das Gefühl sich in einer größeren, vielleicht auf anderen Planeten interessanten, Welt zu befinden.

Doch auch meine nächsten Planeten strahlten immer einfach eine hintergründige Leere aus: Denn am Ende mache ich vor neuer Staffage immer wieder das gleiche: Schürfe Rohstoffe, lade mein Equipment wieder auf und baue ein wenig Neues dazu. Es kommen zwar immer mehr neue Spielelemente hinzu – Kämpfe im Weltall, An- und Verkaufen auf Handelsposten und das stetige Aufrüsten meines Schiffes, aber am Ende fühle ich mich nicht wie ein freudiger Pionier, sondern irgendwie wie ein Hamster im Laufrad.

Somit muss ich sagen, als jemand, der nun das erste Mal in „No Man’s Sky“ reingeschnuppert hat: Auch nach zwei massiven Updates ist das Spiel noch gefühlt leer und unfertig. Ob ich noch viel Zeit in dieser Spielwelt verbringen mag? Das ist schwer zu sagen. Wenn ich ehrlich bin, wüsste ich selbst beim aktuellen Preis von 15 Euro nicht, ob das Spiel da nicht lieber in einen anderen Titel besser angelegt wäre.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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