Neues Urteil: Kim Dotcom darf an die USA ausgeliefert werden

23. Dezember 2015 Kategorie: Internet, geschrieben von: André Westphal

Artikel_MegaKim Dotcom, vor allem bekannt geworden durch die Sharehoster Megaupload bzw. dessen Nachfolger Mega, darf nach einem neuen Gerichtsurteil aus Neuseeland in die USA ausgeliefert werden. Richter Nevin Dawson hat entschieden, dass die USA „überwältigende Beweise“ vorgebracht hätte, um die Auslieferung zu rechtfertigen. Entsprechend könnte Dotcom alias Kim Schmitz nun in den USA vor Gericht kommen. Mit ihm sollen auch drei weitere Mitarbeiter in die USA überführt werden. Die ganze Misere um Dotcoms Auslieferung bzw. bisher Nicht-Auslieferung zieht vor Gericht nun bereits ca. vier Jahre ihre Kreise.

So hatte das FBI im Januar 2012 eine Razzia auf Dotcoms Anwesen in Neuseeland veranlasst. Doch jene wurde zunächst als rechtswidrig eingestuft und es begann ein langer Kreislauf: Die US-Behörden verlangten die Auslieferung Dotcoms, letzterer ging mit seinen Anwälten dagegen vor und ein finales Ergebnis ließ auf sich warten. Zwar wurde das alles andere als unbeträchtliche Vermögen von Dotcom zunächst beschlagnahmt, floß dann aber teilweise in monatlichen Raten an den Unternehmer zurück. Nach schier endlosem, juristischem hin und her fiel heute der richterliche Hammer und eine Auslieferung in die USA gilt als rechtmäßig. Dort soll Kim Dotcom bzw. Kim Schmitz dann wegen Urheberrechtsverletzung, Geldwäsche und organisierter Kriminalität vor Gericht kommen. Allerdings will der Dotcom nun natürlich mit seinen Anwälten in Berufung gehen.

Megaupload

Über seine Hosting-Plattform soll Dotcom zahlreiche Urheberrechte verletzt haben, da dort regelmäßig durch die Nutzer Musik, TV-Serien und Filme hochgeladen wurden. Der Schaden für die Rechteinhaber betrage laut Schätzungen mehr als 500 Mio. US-Dollar. Dotcom dagegen gab sich übrigens noch gestern via Twitter gelassen und meinte für ihn werde so oder so alles in Ordnung kommen. In der Tat folgen erstmal für Dotcom noch keine Konsequenzen, da die juristische Auseinandersetzung dank der Berufung erstmal an die nächsthöhere Instanz weitergereicht wird.

Für mich als Kieler hat das ganze Verfahren etwas besonders Bizarres: Tatsächlich gibt es in meinem persönlichen Bekanntenkreis einige Menschen, die Dotcom noch zu seinen Kieler-Zeiten aus erster Hand als jemanden erlebt haben, der C64-Disketten mit anderen tauschte. Dass seine Geschichte einmal international Kreise ziehen könnte, hätten wir früher niemals vermutet.

(via Wired)

Über den Autor: André Westphal

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