Neue EU-Verordnung soll TV-Programm auf allen Endgeräten verfügbar machen

19. Juni 2017 Kategorie: Hardware, Streaming, geschrieben von: André Westphal

Eine neue EU-Verordnung könnte TV-Freunde erfreuen, bereitet allerdings aktuell den Rechteinhabern Kopfzerbrechen: Das Europaparlament will die SatCab-Verordnung überholen und berät darüber diesen Mittwoch. Eine modifizierte Verordnung könnte die Grundlage dafür sein, dass das lineare Fernsehprogramm leichter seinen Weg auf z. B. Smartphones und Tablets schafft. Das befürwortet unter anderem auch der Branchenverband bitkom.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder erklärt: „Der Zuschauer wechselt heute völlig selbstverständlich zwischen der Art der Übertragung – etwa klassischem Kabelfernsehen, IP-basiertem Internet-TV oder Streaming über Mobilfunknetz – sowie dem jeweils genutzten Endgerät wie Fernseher, Notebook oder Smartphone. Zuschauer haben im Jahr 2017 kein Verständnis dafür, wenn ihnen aufgrund unterschiedlicher Rechteklärungsmechanismen weniger Inhalte angeboten werden, nur weil sie vom Fernseher aufs Handy wechseln.

Da dürfte Rohleder wohl Recht haben, zumal ich persönlich das lineare Fernsehen grundsätzlich als veraltet bewerte, denn die Bindung des Zuschauers an feste Sendezeiten ist nicht mehr zeitgemäß. Bisher wurden die Rechte für die lineare Verbreitung des Contents jedenfalls ziemlich komplex ausgehandelt. In vielen Fällen ist das Ergebnis, dass ein Zuschauer einen Film via Kabel am TV ansehen kann, aber nicht zum gleichen Zeitpunkt via Wi-Fi als Stream am Notebook. Da soll die neue EU-Verordnung ansetzen und die Verhandlungen vereinfachen. Für TV-Sender und Zuschauer wäre das ein greifbarer Vorteil.

Laut bitkom gebe es aber immer noch Baustellen: Denn etwa wolle die neue SatCab-Verordnung die Rechteklärung für Kabelfernsehen und IPTV bündeln, werde aber immer noch TV-Angebote ausklammern, die abseits der anbietereigenen Infrastruktur liegen. Das benachteiligt vor allem reine Web-TV-Anbieter.

Auf erheblichen Widerstand stößt die SatCab-Verordnung aber aktuell durch die Filmstudios, da ein Ende de Territorialprinzips für die EU ins Haus stehen könnte. So ist es bisher möglich Inhalte in unterschiedlichen Ländern an völlig andere Anbieter zu lizenzieren. Das bemerkt man etwa bei aktuellen Kinofilmen deutlich. Beispielsweise vertreibt den Film „La La Land“ in Deutschland Studiocanal, in Italien 01 Distribution, in Spanien Universal, während in Großbritannien wiederum Lionsgate am Zug ist. Das Ende des Territorialprinzips könnte den Studios, welche die Rechte in die EU an einzelne Vertriebe vergeben, sinkende Einnahmen bescheren. So ist zumindest die Befürchtung der Rechteinhaber.

Die Bitkom mahnt wiederum, sich nicht auf das Territorialprinzip zu versteifen, denn die neue Verordnung sei insgesamt wichtig und sinnvoll für alle Beteiligten: „Entscheidend ist, für die Weitersendung von Fernsehprogrammen eine einfachere Rechteklärung über die verschiedenen Verbreitungskanäle zu schaffen. Das hat nichts mit dem Territorialitätsprinzip zu tun.“ Seien wir gespannt, was am Ende wirklich dabei rauskommt. Bis zur Umsetzung dürfte ohnehin noch Zeit vergehen.


Über den Autor: André Westphal

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