Netflix-Chef plaudert über deutsche Nutzer, Eigenproduktionen, Preise und mehr

6. März 2017 Kategorie: Internet, Streaming, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Netflix steht nicht nur hierzulande für gutes Videostreaming mit immer mehr Eigenproduktionen, tatsächlich gibt es Netflix in nur 3 Ländern nicht: China, Syrien und Nordkorea. Netflix-Chef Reed Hastings hat mir RP Online nun ein bisschen geplaudert, auch über die Deutschen als Nutzer von Netflix. Diese schauen nämlich recht wenig illegal, was natürlich positiv ist. Allerdings sind sie auch verwöhnt, was Werbeunterbrechungen angeht, die können sie nämlich nicht ausstehen. Ebenfalls etwas, das Netflix in die Hände spielt.

Interessant ist auch eine Aussage zur Zukunft von Netflix. Die gibt es nämlich nicht wirklich. Zwar hat man Pläne, allerdings weiß man eben nicht, wie der Markt in einem Jahr aussehen wird, geschweige denn in fünf Jahren. Deshalb will Netflix weiterhin sehr flexibel bleiben und sich auch anpassen. Gutes Beispiel dafür dürfte die Offline-Unterstützung sein, die lehnte Netflix lange Zeit ab, gab dann aber dem Kundenwunsch doch nach.

Und auch zum Preis von Netflix äußert sich Hastings. So sei es Zufall, dass Euro und Dollar fast gleichauf sind und deshalb unter der magischen 10 Währung-Grenze liegen. Das sei in anderen Ländern nicht so und auch ein Ding, dass sich jederzeit ändern kann. Eine Preisgarantie gibt Netflix nicht, auch das kann man wohl als Teil der Flexibilität sehen.

Auf die Frage, warum Netflix keine Zahlen zu Nutzern und zur Nutzung außerhalb der USA nennt, erwähnt Hastings, dass man gerne ein paar Mysterien hat. Auch wenn es wohl keinen großen Unterschied machen würde. Dass dadurch Kritik eingeschränkt wird, sieht Hastings nicht. Denn auch die Eigenproduktionen müssen sich beweisen, laufen sie nicht, werden sie eingestellt. Wie Marco Polo zum Beispiel. Erste Staffel lief gut, die zweite nicht mehr, eine dritte wird es nicht geben.

Allerdings entscheiden nicht immer die Nutzer, ob eine Serie weiter produziert wird. Ist Netflix selbst von einer begeistert, wird auch schon einmal die nächste Staffel in Auftrag gegeben, bevor die erste überhaupt verfügbar ist. Beispiel? Las Chicas del Cable.

Übrigens sieht sich Netflix auch als kleines Licht, man kratzt aktuell an der Marke von 100 Millionen Nutzern. Im Vergleich zu Facebook oder YouTube also echt wenig. Deshalb versucht Hastings jederzeit die Perspektive zu vermitteln, dass man sehr klein sei – um dadurch zu verhindern, dass sich bei Netflix ein Zufriedenheitsgefühl einstelle.

Einen Verdrängungsmarkt gibt es beim Videostreaming laut Hastings noch nicht, alle können wachsen, da die Nachfrage sehr hoch sei (Watchever sieht das sicher etwas anders). Allerdings dürfte auch Hastings wissen, dass Netflix in einer hervorragenden Position ist, wenn es einmal an die Verdrängung geht. Dafür sorgen auch die zahlreichen Eigenproduktionen. 1000 Stunden sind für 2017 geplant, angefangen hat man 2012 mit 8 Folgen à 45 Minuten.

Und zu guter Letzt wurde Hastings auch noch auf seine Aussage zu Trump angesprochen, hat dazu aber nichts weiter zu sagen. Außer, dass Netflix ein Medium für Entertainment sei, nicht um die Nutzer in eine bestimmte Richtung zu lenken, auch wenn das bei bestimmten Inhalten sicher nicht ausbleibt.


Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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