Mozilla setzt sich für Überholung des Urheberrechts in der EU ein

25. August 2016 Kategorie: Firefox & Thunderbird, Internet, geschrieben von: André Westphal

mozilla logoUrheberrecht und das Internet: Das sind zwei Themen, die auch aktuell sehr oft in einem Atemzug genannt werden. Mittlerweile sind die Zeiten vorbei, in denen sich jeder über fast vergessene Filesharing-Stars wie Audiogalaxy wild Musik herunterladen konnte oder auf Websites munter ohne Reue mit fremden Bildern hantiert wurde. Rasch kann vielmehr schon bei der Einbindung eines YouTube-Videos eine Abmahnung folgen, wenn die Verteilung der Rechte diffus ist. Mozilla will sich nun mit einer Petition für die Reformierung des Urheberrechts in der EU einsetzen, um unter anderem auch gegenüber den USA aufzuholen.

Beispiel: In den USA gibt es die auch hierzulande recht bekannte Fair-Use-Regelung. Stark vereinfacht gesagt, erlaubt das Fair-Use-Prinzip urheberrechtlich geschützte Inhalte in einem gewissen Rahmen ohne die Erlaubnis einzuholen in eingeschränktem Rahmen zu verwenden. Ein Beispiel wäre ein Film-Reviewer, der in einem YouTube-Video Ausschnitte aus einem Trailer oder sogar aus dem weiteren Film zeigt. In Deutschland wäre jenes ohne explizite Erlaubnis nicht erlaubt. Denn bei uns fehlt eine derartige Regelung für Filme und TV-Serien.

Natürlich schränkt das auch hierzulande die Möglichkeiten ein: Selbst Memes zu erstellen, welche vielfach Bilder aus TV-Serien und Filmen nutzen, ist ohne Fair-Use genau genommen mindestens bereits in einer rechtlichen Grauzone beheimatet. Allerdings gibt es nicht nur im Bezug auf das Internet Einschränkungen: Formal gesehen dürfen etwa Lehrer in vielen Ländern der EU streng genommen keine kommerziellen Filme zeigen, weil das Urheberrecht derartige, öffentliche Vorführungen ebenfalls ohne Erlaubnis untersagt.

mozilla urheberrecht

Im Herbst plant die EU-Kommission sich mit einer Reform der Urheberrechtsvorschriften zu befassen. Natürlich zerren hier aber mehrere Parteien mit eigenen Interessen herum. Große Rechteinhaber und Verwertungsgesellschaften etwa haben wenig Interesse an einer Reform und auch für Anwälte, welche mit Abmahnungen ihr Geld verdienen, ist die aktuelle Rechtslage eher zu bevorzugen. Mozilla unterstützt laut eigenen Aussagen hingegen eine ernsthafte Reform und hofft über eine Petition Unterstützer zu finden. Zu finden ist die Petition (in englischer Sprache) direkt hier.

Mozilla fordert spezielle Ausnahmen für nutzergenerierte Inhalte (User Generated Content Exception) sowie eben ein EU-Pendant zur US-Fair-Use-Regel. Letzteres kann ich selbst auch nur befürworten: Ich hatte selbst einmal überlegt aus reinem Spaß mit Freunden einen Film-Review-Kanal auf YouTube zu starten. Abseits dessen, dass jener Bereich ohnehin überlaufen ist, hielt mich damals auch die Rechtslage ab. Denn in Deutschland ist es extrem schwierig Trailer, Videomaterial aus Filmen und sogar Screenshots einzubinden, ohne sich gleich in die Nesseln zu setzen.

Man darf gespannt sein, was man zum Thema in den nächsten Monaten noch hört. Die Teilnahme an Mozillas Petition ist sicher schon einmal nicht das schlechteste Signal.

(via Mozilla Blog)


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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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