Ausprobiert: Das Motorola Nexus 6 – kräftiger Riese für alle Lebenslagen

7. Dezember 2014 Kategorie: Android, Google, Hardware, Mobile, geschrieben von: caschy

Ich hatte für einige Tage die Möglichkeit, das neue Motorola-Flaggschiff zu testen, das Motorola Nexus 6. Wobei man sagen muss – eigentlich hat man seitens Motorola ja mehr als das Nexus 6-Eisen im Feuer, denn das Motorola Moto X 2014 ist wohl eines der feinsten Smartphone dieses Jahres und auch eine ganze Ecke kompakter. Doch nun erst einmal der Reihe nach.

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Folgendes steckt im Motorola Nexus 6:

* Display: 5,96 Zoll-QHD-AMOLED-Display (2560 x 1440, 493 ppi)
* Prozessor: Qualcomm Snapdragon 805 (2,7 GHz Quad-Core) mit Adreno 420 GPU
* Speicher: 32 / 64 GB (nicht erweiterbar)
* Kamera: Rückseite 13 MP mit Ring-Blitz / Front 2,0 MP
* Betriebssystem: Android 5.0 Lollipop
* Akku: 3220 mAh, drahtlos ladbar
* Abmessungen: 82,98 mm x 159,26 mm x 10,06 mm, 184 Gramm
* Netzwerkunterstützung: 2G / 3G / 4G LTE
* Verbindungstechnologien: WLAN 802.11 ac, Bluetooth 4.1, NFC, A-GPS/GLONASS, Mikro-USB, Nano-SIM

Als das Nexus 6 vorgestellt wurde, gab es schon die ersten Schreie, auch aus unserer Community. Zu groß sei das Gerät, zu unhandlich. 5,96 Zoll ist das Nexus 6 von Motorola groß und ja, damit hat man schon ein riesiges Smartphone in der Hand. Doch die Zeiten haben sich geändert, früher fanden die Leute das 5,3 Zoll große Samsung Galaxy Note der ersten Generation zu groß und der iPhone-Nutzer dachte, dass niemals mehr etwas größeres herauskommt, als das Gerät, welches er einhändig bedienen kann.

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Wie alles kam, wisst ihr selber. Das 5,96 Zoll große Motorola Nexus 6 ist in der Höhe nicht größer als ein iPhone 6 Plus, allerdings etwas breiter. Diverse Diensteanbieter wollen festgestellt haben, dass durch die Nutzung dieser großen Smartphones die Tablets eher weniger genutzt werden. Ich kann dies für mich bestätigen, seit dem iPhone 6 Plus hat das iPad oft Sendepause. Klar, kommt immer auf die persönliche Nutzung an, wer produktiv arbeitet, viel Filme schaut oder spielt, der ist mit einem Tablet gut beraten. Wer es eher Casual mag, der greift zum großen Smartphone und kann sich Anschaffung und Pflege eines Tablets sparen.

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Ich habe die Größe des Nexus 6 ein wenig mit der des iPhone 6 Plus verglichen. Höhentechnisch sind keine großen Unterschiede zu sehen, das Motorola Nexus 6 ist etwas breiter, dafür aber auch eine ordentliche Ecke dicker. Logo – man bietet eine ganze Ecke mehr Display und ist dabei nicht viel größer als das iPhone, irgendwo muss dich Technik verbaut werden. Hierdurch liegt das Nexus 6 allerdings nicht schlechter in meiner Hand, ich kann es ebenso wenig gut einhändig bedienen, wie das iPhone 6 Plus. Wer die Wölbung des Motorola X der ersten oder zweiten Generation kennt, der weiss auch, wie das Motorola Nexus 6 verbaut ist – nur eben eine ganze Ecke größer.

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In Sachen Verarbeitung stelle ich Motorola hier einmal gute Noten aus. Die Bedienelemente sind perfekt verarbeitet, liegen sogar in einer erreichbaren Höhe für den Daumen, sodass man einhändig das Nexus 6 einschalten oder die Lautstärke regeln kann. Verwechselungen kommen hier keine auf, denn während die Lautstärkewippe glatt ist, hat man sich beim Power-Button für eine geriffelte Oberfläche entschieden. Dies ist übrigens ein Detail, über welches auch das Motorola X der zweiten Generation verfügt, nicht aber das erste Gerät. Ebenfalls identisch sind die Stereolautsprecher, diese stehen wie beim Moto X oben und unten etwas heraus. Kratzt ihr euch auf planen Oberflächen wenigstens nicht das Display kaputt. Ansonsten haucht Motorola dem Nexus 6 auch durch den Aluminiumrahmen einen Hauch Premium ein.

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Lasst uns mal zum Display übergehen. Hiermit fällt für viele die Entscheidung, sich dieses oder jenes Smartphone zu kaufen. Motorola setzt beim Nexus 6 auf viele Pixel und verbaut ein Display mit satten 2560 x 1440 Pixeln. Man setzt auf die AMOLED-Technologie, was für gute Schwarzwerte und satte Farben sorgen sollte. Erst einmal möchte ich den wunden Punkt dieser Display-Technologie ansprechen, welcher nicht nur das Moto X 2014 betrifft, sondern eben auch das sehr ähnliche Motorola Nexus 6.

Bei direkter Draufsicht hat man ein Weiß, welches auch weiß ist, doch sobald sich der Betrachtungswinkel ändert, habe ich einen klaren Gelbstich feststellen können. Wer das als Kritikpunkt gegen das Nexus 6 sieht, darf sich aber fragen, wie häufig er seitlich auf das Display schaut, aber nicht direkt. Ich empfinde die Farbirritation bei verändertem Betrachtungswinkel als nicht kaufentscheidend für mich, weise den interessierten Leser aber dennoch auf diesen Umstand hin.

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Wer vom Display eines iPhones auf das Nexus 6 schaut, der wird übrigens auch Unterschiede feststellen. Das Display eines iPhones ist bei maximaler Helligkeitseinstellung heller und weißer, auch ein LG G3 liefert besser ab. Lasst euch davon aber nicht unbedingt kirre machen – so etwas fällt nur im direkten Vergleich auf, nie, wenn man eh nur eines der Geräte benutzt.

Ansonsten werden die Farben kräftig dargestellt. Auch bietet das Nexus 6 durch Android 5.0 Lollipop eine adaptive Helligkeitssteuerung, die automatisch die beste Helligkeit für eure Umgebung finden soll, zudem ist ein Inaktivitätsdisplay an Bord, welches den Bildschirm kurz aktiviert, wenn ihr das Gerät aufnehmt oder Benachrichtigungen eintreffen. Einige Tester bemängeln, dass das Display bei geringer Helligkeit zu einem pinken Farbstich tendiert, ich selber konnte dies bei meinem Gerät nicht feststellen.

Weiter geht es zum Punkt Leistung – und davon hat das Motorola Nexus 6 auf dem Papier mehr als genug – ein Qualcomm Snapdragon 805 Quad-Core-Prozessor mit Adreno 420 GPU kommt zum Einsatz, beflankt von 3 GB RAM – hier gibt es keinen Durchschnitt, sondern aktuelle Hardware, die in meinem Test sämtliche Anwendungen bravourös leistete. Nicht nur Apps und die Navigation durch das Gerät liefen fluffig, sondern auch ausgedehnte Asphalt-Sessions.

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Hierbei muss übrigens bedacht werden, dass die Recheneinheit auch ordentlich zu tun hat, durch das QHD-Display müssen massig Pixel durch die Gegend geschoben werden. Die Mikroruckler, die man von früheren Systemen auf Basis Android findet, sind im App Drawer von mir nicht mehr beobachtet worden. Wo wir bei der Leistung sind: das Nexus 6 ist ab Werk verschlüsselt und eben jene Verschlüsselung sorgt dafür, dass die Schreib- und Lesegeschwindigkeit des Speichers signifikant abnimmt.

Das ist kein neues Phänomen, sondern wird beim Nexus 6 wieder durch die Medien gejagt. Die bislang optionale Verschlüsselung haben wir bereits im letzten Jahr mit ihren Auswirkungen im Blog beleuchtet. Inwiefern sich das im Alltag bemerkbar macht? Ich für mich merke da nun keinen Unterschied, ob ich Apps auf dem Moto X 2014 starte und nutzte, oder dem Nexus 6.

Wer sein Nexus 6 von der Verschlüsselung befreien will, der kann dies tun, im Netz findet man diverse Anleitungen dazu. Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass ich die verlängerte Startzeit und die sich für mich derzeit nicht auswirkenden Geschwindigkeitseinbußen gerne in Kauf nehme, dafür aber ein komplett verschlüsseltes Gerät habe, welches sich so einfach nicht wiederherstellen lässt. Was Google sich vorwerfen lassen muss ist, warum man die Möglichkeiten des verbauten SoCs nicht korrekt ausnutzt, um so die Geschwindigkeitsdebatte zu beenden.

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Die Lautsprecher, die wir eingangs bereits aufgrund ihres hervorstehenden Kühlergrills erwähnten, geben sogar Sound ab, richtig gut sogar. Die Klänge kommen satt und laut daher – auch bei einer Lautstärkeeinstellung von bis 75 Prozent. Man hat sogar im Bereich des Basses eine recht ordentliche Leistung, die Dinger scheppern nicht nur bei den Höhen, sondern versuchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Mitten und Tiefen für euch abzubilden. Finde ich gelungen, wirklich.

Gehen wir zur Kamera über, die in meinen früheren Tests der Nexus-Geräte oftmals einen Schwachpunkt darstellte. Hat man sich beim Motorola Nexus 6 verbessert? Auf jeden Fall. Hat man gute Lichtverhältnisse, dann liefert das Nexus 6 erwartungsgemäß gute Fotos, der Autofokus passt sich schnell veränderten Umständen an.

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Was ich persönlich schade fand: die Kamera schießt brauchbare Fotos, fängt aber extrem wenig Umgebungslicht ein. Fotografiert man in einem dunklen Raum mit wenig Lichteinfall in den Standardeinstellungen, dann holt die Kamera des Nexus 6 deutlich weniger Licht aus der vorgegebenen Situation als beispielsweise das iPhone 6 Plus, welches ich im Text direkt daneben testen konnte – siehe Beispielfoto über diesem Absatz. Auch das Fokussieren auf bestimmte Punkte in lichtarmen Räumen brachte das Nexus 6 dazu, andere Bereiche des Bildes übertrieben hell dazustellen, sieht man an meinen Shots, die meinen Schreibtisch zeigen, hier nutzte ich verschiedene Fokuspunkte.

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Allerdings kann man immer noch etwas aus den Nexus 6-Bildern kitzeln, wenn man den HDR-Modus verwendet – vielleicht, weil man aus irgendwelchen Gründen den Blitz nicht nutzen will.

Motorola einen Sony IMX 214-Sensor im Nexus 6 verbaut und ja, ihr könnt wirklich gute Fotos aus der Kamera herausholen – aber hierfür empfiehlt es sich, etwas in die Einstellungen einzutauchen, denn gerade im Bereich Low Light holt man mit den Standardeinstellungen deutlich weniger heraus, als es mit justierten Einstellungen der Fall ist.

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Kommen wir zum Nexus 6 und meinen Eindrücken des Akkus – wohlgemerkt bei meiner Nutzung. Der Akku ließ im Vorfeld viele Fragen offen. Viel Display und 3.200 mAh. Gerade andere Geräte haben es dieses Jahr gezeigt, dass man gerne auch mal locker über einen Tag und die Nacht kommt. Hier sei das Samsung Galaxy Note 4, das iPhone 6 Plus oder natürlich das Sony Xperia Z3 genannt. In synthetischen Benchmarks leistete das Motorola Nexus 6 gute Werte ab.

Zu diesem Zweck habe ich die SIM-Karte zwar entnommen, dafür hatte ich jedoch WLAN aktiviert, die Hintergrundsynchronisation scharf gestellt, den Akku auf 100 Prozent vollgeladen und die Displayhelligkeit auf 50 Prozent gestellt. Nach 6 Stunden und 13 Minuten war das Nexus 6 auf 20 Prozent Restakku runter.

Nun mag mancher meinen, dass es sich hier lediglich um synthetische Benchmarks handelt – bedacht sollte werden, dass hierbei das Smartphone immer Stress ausgesetzt ist, immer arbeiten muss – und das Display dabei die ganze Zeit aktiviert ist – wenn auch bei 50 Prozent der nur machbaren Helligkeit. Rechnet man die verbleibenden 20 Prozent des Akkus auf die bisher abgelaufene Testlaufzeit an, dann kommt man so auf 466 Minuten, liegt also knapp unter 8 Stunden. (Bitte bei der Grafik auf folgendes achten: Jedes Display bietet eine andere Helligkeit bei 50 Prozent gemessen in nits an, wir haben die vorliegenden Smartphones nicht auf 200 nits kalibriert, sondern sind von 50 Prozent Bildschirmhelligkeit ausgegangen.)

Akkulaufzeiten

Auch bei Nutzung sozialer Netzwerke und dem Schauen von Filmen, dem Hören von Musik und allem anderen, was man so macht, bekam ich persönlich das Nexus 6 nicht an einem Tag klein. Allerdings darf hier wie immer bedacht werden: jeder Mensch nutzt sein Smartphone anders und wer mit Bus oder Bahn bei schlechter Abdeckung unterwegs ist, verliert eh immer ein paar Prozent Akkukapazität durch die Netzsuche und Zocker haben eh ganz andere Akkulaufzeiten als jemand wie ich, der da eher anders unterwegs ist.

Gut beim Nexus 6: man findet einen zuschaltbaren Energiesparmodus vor, hierbei wird beispielsweise die Vibration und viele Hintergrunddienste deaktiviert. Dies hilft vielleicht bis zu nächsten Steckdose (Tipp: zum flotten Aufladen das Original-Netzteil verwenden, drahtlos geht natürlich auch, aber eine ganze Ecke langsamer. Kurzum zum Akku: ich würde mich in meiner Heimatstadt Dortmund nur mit wenigen Smartphones durch den Tag und durch die Nacht trauen, wenn ich durchgängig mit Freunden unterwegs bin – das Nexus 6 gehört allerdings dazu. Wer weiss – vielleicht bringt Google sein Project Volta bald so voran, dass man das System noch performanter hinbekommt.

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Eine Art Fazit? Subjektiv: Das Motorola Nexus 6 wird mein iPhone 6 Plus nicht ersetzen. Könnte ich zum Nexus 6 greifen, wenn es Android sein müsste? Auf jeden Fall. Ja, es ist groß und eine ganze Ecke dicker als viele andere Smartphones. In meinem Anwendungsfällen würde es aber hier wahrscheinlich auch etwaige Tablets verdrängen und zum Alles-für-eins-Gerät werden.

Der oftmals kritisierte Preis? Sicherlich zeigen andere Hersteller in China, dass es auch anders geht, aber Motorola legt hier ein Gerät aufs Parkett, welches sich mit Fug und Recht zur Premium-Riege zählen kann. Allerdings findet man in diesem Segment auch starke Gegner – gehen wir weg von nacktem Android und schauen wir uns nur die anderen Geräte an – da bekommt man ein Samsung Galaxy Note 4, welches in meinen Augen mit dem S-Pen auch zu produktiverer Arbeit einlädt, zudem in Sachen Akku und Speicher austauschbar / erweiterbar ist.

Beide Geräte sollte man in der Größenklasse im Auge behalten, wobei das Samsung Galaxy Note 4 über kurz oder lang wahrscheinlich um einiges günstiger wird, als das Motorola Nexus 6. Wer allerdings das Geld investieren will, das Konzept Nexus mag, den die Größe nicht stört und dazu ein wirklich gutes Smartphone kaufen will, für den ist das Nexus 6 eine gute Wahl. Mir gefällt es in seiner Gesamtheit besser, als die bisherigen Nexus-Geräte.

Bei Google Play und Vodafone ist das Motorola Nexus 6 ab dem 5. Dezember 2014 zu haben, während bei den Handelspartnern Media Markt und Saturn am 9. Dezember aufschlägt. Am 11. Dezember werden dann Sparhandy und Amazon bedient. Das Nexus 6 von Motorola ist in Größen von 32 GB und 64 GB zu haben und kostet bei Media Markt oder Saturn 599 Euro, beziehungsweise 649 Euro. Im Google Play Store kosten die Geräte jeweils 50 Euro mehr.


Über den Autor: caschy

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