Microsoft streicht seine Smartphone-Abteilung weiter zusammen

29. Juli 2016 Kategorie: Mobile, Windows Phone, geschrieben von: André Westphal

artikel_microsoftFür Microsoft hat sich die Übernahme von Nokias mobiler Abteilung letzten Endes genau so wenig gelohnt, wie für Nokia anno dazumal das Setzen auf Windows Phone. So werden die Redmonder im Verlauf des nächsten Jahres etwa 3.000 Arbeitsplätze in ihrer Sparte für das Smartphone-Geschäft (Hardware und Vertrieb) streichen. Die angekündigten Entlassungen wiegen besonders schwer, da Microsoft bereits im Mai angekündigt hatte, dass 1.850 Mitarbeiter der mobilen Abteilung ihren Hut nehmen müssen. Die weiteren Entlassungen kommen nun noch obendrauf. Jetzt fragt sich wohl jeder, wie es mit Microsoft und den Smartphones weitergehen soll.

Terry Myerson hatte noch im Mai beruhigt: „Wir nehmen uns zwar etwas zurück, aber wir bleiben am Ball.“ Die neuen Entlassungen zeichnen ein anderes Bild. Man wird das Gefühl nicht los, dass Microsofts Übernahme von Nokias mobiler Sparte, 2013 zahlten die Redmonder dafür 5,4 Mrd.Euro, nur noch als kompletter Reinfall gelten kann. Auch Windows 10 Mobile konnte die Anwender zuletzt nicht versöhnen: Im Betriebssystem gibt es zwar tolle Ansätze wie Continuum, zahlreiche Bugs und abnehmende App-Unterstützung (hallo, Amazon) machen es selbst treuen Verfechtern des OS schwer. Angekündigte Ausnahmen, wie ein neuer DB Navigator für Windows 10 Mobile, sind nur ein geringer Trost.

Über die Jahre hinweg hat Microsoft mehr und mehr ehemalige Nokia-Mitarbeiter entlassen und die Übernahme in den Bilanzen weitgehend als Verlustgeschäft abgeschrieben. Die Feature-Phone-Sparte knallte man im Mai für gerade einmal 350 Mio. US-Dollar / 313 Mio. Euro weg – sie gehört nun der Foxconn-Tochter FIH-Mobile. Die weiteren Entlassungen zeigen, dass es trotz Microsofts wiederholter Beteuerungen Windows Phone / Windows 10 Mobile und der Lumia-Marke treu zu bleiben, wohl nur noch geringe Zukunftsaussichten gibt. So hält Microsofts mobiles Betriebssystem international nur Marktanteile im niedrigen, einstelligen Bereich, während Apple iOS und Android dominieren.

Irgendwie finde ich es ja schade – nicht nur für natürlich die Mitarbeiter, die ihren Job verlieren, sondern auch für das mobile Segment insgesamt. Konkurrenz belebt das Geschäft und Microsoft hat oft richtig klasse Ideen – die Umsetzung ist es, an der es allerdings oft bei den Redmondern scheitert. Vielleicht bäumt man sich ja doch noch einmal auf. Doch die neuen Entlassungen sind freilich kein gutes Zeichen.

(via Ars Technica)


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Über den Autor: André Westphal

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