Meine bisherigen Top 5 Games des Jahres 2017

12. März 2017 Kategorie: Games, geschrieben von: André Westphal

Seit Kindertagen bin ich im Herzen immer Gamer geblieben: Anfangen mit dem C-64 über die erste PlayStation bis hin zum Gaming-PC – mein erster, selbst zusammengebauter damals noch mit einer Nvidia GeForce 4 Ti 4200 mit stolzen 64 MByte VRAM. Mal habe ich über die Jahre mehr gezockt und mal eben weniger. Aktuell passiert aus meiner Sicht viel Interessantes in der Gaming-Branche. Zum einen werden die großen Triple-A-Blockbuster zwar immer gleichförmiger, zum anderen streben aber immer mehr schräge Indie-Titel nach vorne. An diesem eher beschaulichen Sonntag biete ich euch deswegen einmal meine bisherigen Top 5 der Games des Jahres 2017 an.

5. Resident Evil 7: Biohazard

Direkt im Januar erschien das bisher erschreckendste Spiel des Jahres: „Resident Evil 7: Biohazard“. Mir gefiel bereits die Demo sehr gut. Für mich markiert das neue Spiel eine Rückkehr zu den Wurzeln: Größtenteils verschwunden ist die überkandidelte Action rund um den Globus, und man besinnt sich auf die Survival-Horror-Wurzeln. Viele Fans bemängelten das Fehlen bekannter Charaktere oder den Wechsel zur Ego-Perspektive. Für mich sind das aber eher oberflächliche Elemente – der Krawall eines „Resident Evil 6“ war für mich viel weiter weg von den ersten Spielen, als das unheimliche „Resident Evil 7: Biohazard“.

Falls ihr die Möglichkeit habt, zockt das Game ruhig mal in VR. Habe ich bei einem Freund mit der PlayStation VR angetestet, aber nicht lange durchgehalten. Ja, da bin ich ein Schisser, denn das Spiel ist ohnehin fast schon zu gruselig für jemanden wie mich, der sonst gerne in „Little Big Planet 3“ durch kunterbunte Welten hüpft. Wenn ihr aber auf Horror und „Resident Evil“ steht, freut euch auf ein Spiel, das dem Namen erstmals seit dem ja ebenfalls bereits umstrittenen „Resident Evil 4“ aus meiner Sicht endlich wieder gerecht wird.

4. Night in the Woods

Gerade erst am 28. Februar 2017 erschienen, ist „Night in the Woods“ ein eigenwilliges Indie-Adventure, das mit seinem konsequenten Grafikstil und seiner überraschend düsteren Story überzeugt. So geht es zwar an der Oberfläche um die Katze Mae, welche in ihrer Heimatstadt Possum Springs mit ihren Freunden herumhängt, dahinter verbirgt sich aber nicht nur eine kleine Mystery-Story, sondern auch eine einfühlsame Geschichte um das Erwachsenwerden.

Dabei ist das Spiel im Wesentlichen ein Adventure, nutzt aber auch einige Mini-Spielchen und Jump’N’Run-Elemente. Katze Mae wird übrigens nicht als klassisches Kätzchen dargestellt, sondern als College-Abbrecherin, die wieder bei ihren Eltern lebt und nun einen neuen Lebensweg einschlagen muss – während all ihre früheren Freunde in der alten Heimatstadt sich bereits weiter entwickelt zu haben scheinen.

Tolles Spiel mit einem ganz eigenen Charme, das eine gute Geschichte erzählt und trotz des cartoonhaften Art-Designs mehr Realitätsbezug hat, als mancher Triple-A-Blockbuster mit fotorealistischer Grafik.

3. Torment: Tides of Numenera

„Torment: Tides of Numenera“ ist ein Spiel, das man entweder liebt oder hasst – dazwischen dürfte es kaum etwas geben. Zwar schwimmen auch andere Rollenspiele, wie z. B. „Pillars of Eternity“ auf der aktuellen Retrowelle mit, doch kein anderer Titel zieht das so konsequent durch wie „Torment: Tides of Numenera“. Hier muss man sich die meisten Spielmechaniken selbst erarbeiten und Versagen gehört konsequent zum Gameplay. Tatsächlich macht einen das Spiel sogar darauf aufmerksam, dass durch fehlgeschlagene Aufgaben manchmal interessantere Konsequenzen auftreten können, als bei einem Erfolg.

Mit seiner isometrischen, veralteten Grafik, der spartanischen Soundkulisse und den schier endlosen Texten, die man sich reinzwiebeln muss, visiert „Torment: Tides of Numenera“ dann auch ganz klar Retro-Spieler an, die bereits das geistige Vorbild „Planescape Torment“ anno dazumal gezockt haben. Ich gehöre dazu und hätte mir dennoch mehr Sprachausgabe und etwas weniger ausufernde Textwüsten gewünscht.

Doch das Spiel hat mich am Ende mit seiner tollen Story, dem ungewöhnlichen Setting und den schrägen Charakteren für sich gewonnen. Es gibt aber nichts drumherum zu reden, dass „Torment: Tides of Numenera“ nichts für eine junge Spielerschaft ist, deren erste Rollenspiele aktuellere „Final Fantasy“ oder „The Elder Scrolls“ gewesen sind. Wer aber noch heute von z. B. dem ersten „Fallout“, „Baldur’s Gate 2“ oder eben „Planescape Torment“ schwärmt, wird auch „Torment: Tides of Numenera“ lieben.

2. Horizon Zero Dawn

Wer anfängt „Horizon Zero Dawn“ zu zocken, kann sich im Grunde gleich ein paar Wochen Urlaub nehmen. Die Welt dieses Open-World-Action-Adventures ist gigantisch. Dabei geht Guerrilla Games einwandfrei nach dem Motto vor „besser gut geklaut, als schlecht erfunden“ vor. So nimmt man sich hier mal Versatzstücke aus „The Witcher 3: Wild Hunt“, dort mal Gameplay-Elemente aus „Assassin’s Creed“ und dann wieder etwas Atmosphäre aus „Enslaved“ her. Ist aber alles völlig in Ordnung, denn auch wenn man die typischen Elemente eines Open-World-Spiels wiedererkennt – Sammelorgien inklusive – mixt „Horizon Zero Dawn“ am Ende einen eigenen Cocktail daraus.

Zumal das Game technisch, gerade an der PS4 Pro, wirklich fantastisch anmutet. Der Titel ist neben „The Witcher 3: Wild Hunt“ sicherlich das schönste Open-World-Spiel der aktuellen Konsolengeneration. Auch hat man hier die Story nicht vernachlässigt, wie es ja leider bei den meisten Games mit offener Welt der Fall ist. Was „Horizon Zero Dawn“ also von anderen Genrevertretern abhebt, sind nicht die zusammengeschacherten Versatzstücke anderer Open-World-Titel, sondern die Art, wie alle Spielmechaniken perfekt wie Zahnräder ineinander greifen. Dadurch ist „Horizon Zero Dawn“ zwar wenig innovativ, aber das muss es auch gar nicht sein. Denn das Ergebnis ist trotzdem ein grandioses Spiel und einer der besten Exklusivtitel für die Sony PlayStation 4.

1.Yakuza Zero

Während unseres Blog-Jubiläums habe ich die anderen gefühlt stundenlang mit „Yakuza Zero“ belästigt. Warum dieses Spiel bei mir so einen Nerv getroffen hat? Nun, ich habe an der PS3 schon „Yakuza 3“ und „Yakuza 4“ geliebt. Als Teil 5 erschien, war ich leider schon zur PS4 gewechselt. Jedenfalls bin ich mit dieser schrägen Serie aus Japan schon länger vertraut. Und gerade weil „Yakuza Zero“ so angenehm aus dem Rahmen fällt, solltet ihr unbedingt reinschauen.

„Yakuza Zero“ ist nämlich der ideale Einstieg in die Reihe, weil es sich um ein Prequel handelt. Vorwissen ist nicht notwendig, denn das Game zeigt den Beginn der Geschichte der aufstrebenden Yakuza Kazuma Kiryu und Goro Majima, welche unterschiedlicher nicht sein könnten. Dabei lebt das Spiel extrem von seinen Kontrasten. So ist die Main-Story extrem dramatisch, voller interessanter Wendungen und überzeugt mit erstklassig geschriebenen Charakteren. Hier geht es um Ehre unter Gangstern, Familienbande und auch die Frage, wie weit die Protagonisten bereit sind zu gehen.

Doch neben der Hauptgeschichte stehen dem Spieler jeweils relativ offene Spielumgebungen in Teilen Osakas bzw. Tokios als Spielplatz zur Verfügung. Hier gibt es dann auch über 100 Nebenaufgaben zu entdecken: Egal ob man einer Domina hilft ihre Klientel mit starker Hand zu bedienen, einer Rockband die toughe Attitüde beibringt oder einem kleinen Jungen sein gestohlenes Videospiel zurückbringt – alle Sidequests bieten kleine abstruse oder gar berührende Momente.

Doch damit nicht genug, „Yakuza Zero“ geht geradezu verschwenderisch mit Nebenaktivitäten um: Dart- und Billardspielen, Shogi, Mahjong, Poker, Blackjack, Roulette… Man kann Stunden einfach nur in jenen Aktivitäten versinken. Zusätzlich kann Majima einen eigenen Club mit Hostessen managen, während Kiryu sich als Immobilienmakler versucht. Das Ergebnis ist ein manchmal sprödes Spiel, etwa bestehen viele Dialoge nur aus reinen Texten, wie in alten RPGs, das aber einen ganz eigenen Charme entwickelt.

Wie sehen denn eure bisherigen Lieblingsspiele des Jahres 2017 aus? Denkt übrigens daran: Ich bin mir sicher in dieser Liste würde auch ein „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ auftauchen, wenn ich denn eine Nintendo Wii U oder Switch besäße. Ich liste hier aber nur ganz persönlich die Games auf, die ich auch ausgiebig gezockt habe. Und wenn ich an eine Plattform nicht rankomme, dann kann ich über die Spiele eben auch nichts sagen.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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