Mein Google Street View Moment

18. November 2010 Kategorie: Google, Privates, geschrieben von: caschy

Ein Tag wie immer. Aufstehen. Duschen. Kaffee. Online gehen. Nein, ich lüge. Aufstehen. Online gehen. Das dazwischen mache ich nach dem ersten Abchecken der Mails. Heute war es ein wenig anders. Google Street View Deutschland war da. Ich wurde in Dortmund geboren, in der Nähe einer Brauerei. Ich wohnte in Dortmund Nord. Eine Ecke, in der du nicht das beste Hemd anziehen musst. Doch es war meine Ecke. Die Ecke in der ich mich auskannte. Ich wohnte zuletzt in der Haydnstraße, die ersten Jahre wohnte ich bei meiner Oma ganz in der Nähe des Nordmarktes.


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Nein, es war eigentlich keine schöne Kindheit und auch keine schöne Ecke Dortmund. Mit der Ausnahme der Zeit, die ich bei meiner Oma verbrachte. Omas machen übrigens den besten Vanillepudding der Welt. Schön mit Erdbeeren. Die hat meine Oma immer frisch auf dem Wochenmarkt geholt. Klar, auffn Nordmarkt in Dortmund.


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Der Nordmarkt, wir kamen immer aus der Braunschweiger Strasse darauf zu. In der Mitte des Marktes lungerten immer die Alkis und soffen. Klar, Dortmunder Bier. Der Nordmarkt. Dort wurde ich eingeschult. Direkt in der Nordmarkt Grundschule. 1983 war das.

Und so strich ich heute morgen durch das virtuelle Dortmund. Die Ecken meiner Kindheit. Parallel zum Gesehenen in Google Street View liefen in meinem Kopf die Bilder der Kindheit und der angehenden Jugend vorbei. Fußballspiele im Westfalenstadion. Wechsel auf die Gertrud Bäumler Realschule. Lange Sommer im Dortmunder Fredenbaum. Das erste Hansa Pils so um 1990 rum. Wir waren Weltmeister. Oder der Pokalsieg meiner Dortmunder 1989, wo alle am Borsigplatz feierten.

Viele Orte, viele Erinnerungen und viele Bilder.

Das alles war einmal. Nun wohne ich in Bremerhaven und habe nicht oft Zeit, meine Freunde oder meine Patentante in Dortmund zu besuchen. Obwohl ich so gerne da bin. Die Luft meiner Stadt riechen. Mal vorm Fussball noch mit Freunden durch die City und n lecker Pils am Büdchen verzehren. Currywurst mit Pommes. Nächte im Stade Live oder anderen Kneipen in der City.

Der eine nutzt Google Street View so, der andere so. Ich verstehe die Ängste und Sorgen der Menschen nicht, die davor Angst haben, mir fehlt auch die Zeit und Lust, mich damit zu beschäftigen. Ich kann euch nur sagen, wie ich es nutze. Ich habe heute morgen eine Zeitreise gemacht. Mich an Ecken erinnert. Ja – und wahrscheinlich habe ich sogar Pipi in den Augen gehabt, als ich Orte meiner Kindheit sah, die ich mit Menschen besuchte und erlebte, die vielleicht heute nicht mehr unter uns weilen.

Und für solche Sachen liebe ich das Internet.

Über den Autor: caschy
Dortmunder im Norden. Blogger, Freund gepflegter Technik, BVB-Maniac und Hausmeister dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, XING und YouTube.

76 Kommentare

Niki (twitter ) 18. November 2010 um 18:08 Uhr

Wow. Cool. Schön geschrieben.

_nico (twitter ) 18. November 2010 um 18:08 Uhr

Schöner gefühlsgeladener Artikel – Danke!

Tim (twitter ) 18. November 2010 um 18:10 Uhr

Schöne Worte…
Ich saß heute morgen auch erstmal gut eine halbe Stunde vor´m Rechner und hab gestaunt. Eigentlich müsste man Google dankbar dafür sein, dass sie sowas ermöglichen.
Aber es gibt immer ein paar Vögel, die wirklich ALLES zu eng sehen.
Und jetzt fangen die ersten schon wieder an zu jammern, die erst einen Antrag gestellt haben und ihr Haus nun doch sehen wollen. Vollidioten…

Julian (twitter ) 18. November 2010 um 18:11 Uhr

wow,

ich lebe noch in der Stadt in der ich aufgewachsen bin und kenne das Gefühl wenn ich durh “mein Viertel” fahre, aber es muss wohl wesentlich intensiver sein, wenn man ein paar m oder km weiter weg wohnt.

Danke für diesen Einblick in Dich

Gruß
Julian

Thomas Weise 18. November 2010 um 18:11 Uhr

Genau, ein Hoch auf Google!
Angesichts der StreetView-Feinde fällt mir ein Spruch ein.
Wer zu spät kommt…

paradonym (twitter ) 18. November 2010 um 18:12 Uhr

woow… sowas werde ich also erleben, wenn Karlsruhe online geht :D

aber dafür bräuchte es eigentlich ein Google Cycleview, da die Erinnerungen nie und nimmer von der Straße aus zu sehen würden…

geiler Beitrag… Man kann richtig mitfühlen…

Evil 18. November 2010 um 18:12 Uhr

Seit Google Shiit View brauch ich nichtmal mehr aufstehen, um meinem Nachbarn ins Fenster zu kucken. Auf sowas hab ich ja schon ewig gewartet.
Mal abwarten, wann der erste Kriminalfall auf ShiitView verweist, ich als Einbrecher kann jetzt Prima Häuser ausspionieren. Und sobald DU im Urlaub bist, gehören deine Socken mir, bzw jemandem von E-bay.
Nee :-) ich biete bei E-bay gleich komplette Häuser zum Verkauf an. Sobald der Besitzer wech is, darf geboten werden.
Aber es gibt neben mir, der diesem Dienst NIX abgewinnen kann, sicherlich Leute, die damit was nicht Kriminelles anfangen können.

Nunja bis denne.
Everybodys watching you now!!

Dennse 18. November 2010 um 18:13 Uhr

Bei meiner Oma kamen die Erdbeeren sogar aus dem Garten. Noch besser als Omas Vanillepudding war nur Omas Karamelpudding!

Mein erstes “HP49″ hab ich im Sauerland gehabt. :)

Luco 18. November 2010 um 18:13 Uhr

….und es wäre nicht das gleiche wenn die Häuserwände alle stark verschwommen unerkenntlich gemacht wären!!!

Ich habe heute auch gleich Google genutzt um virtuelle Streifzüge zu machen und hatte nur “typisch die Deutschen” im Kopf als ich die zahlreichen verpixelten Häuser sehen bzw. nicht sehen musste/konnte. Schade drum! Ich kann und werde diese Leute nie verstehen.

Bytheway Klasse Artikel

Gequeoman (twitter ) 18. November 2010 um 18:13 Uhr

Das gleiche Erlebnis hatte ich heute mit meinem früheren Wohnort in Hamburg, schon 35 Jahre her, kaum wiederzuerkennen, weil dort heute riesige Bäume stehen, die früher nur Sträucher waren. *schnief, heul*

Didi (twitter ) 18. November 2010 um 18:16 Uhr

Ging mir genauso. Ich habe heute Morgen mal einen Blick in mein altes Klassenzimmer geworfen, schnief.

Matze_B (twitter ) 18. November 2010 um 18:17 Uhr

Sehr schöner Artikel .. moment mal, wo hab ich 1981 gewohnt? Das ich da nicht selber drauf gekommen bin, danke für diese super Idee ..

Luco 18. November 2010 um 18:17 Uhr

@Evil
Kannst du bitte für die Unwissenden anmerken, dass dein Beitrag stark ironisch gemeint war??? Nachher wundert sich noch jemand warum bei Street View gerade noch die Sonne scheint obwohl es doch schon dunkel ist

Gerd 18. November 2010 um 18:23 Uhr

Genau, als ich heute vom Street View-Start las, habe ich auch erst mal eine Zeitreise zurück in die Kindheit nach Berlin und Hamburg gemacht. Alle Häuser und selbst die Schulen sehen außen noch so aus, wie ich sie in Erinnerung habe. Berlin ist schon 50 Jahre her, das hat mich doch etwas berührt.

abacus 18. November 2010 um 18:28 Uhr

Genau das was ich mit Street View heute auch als allererstes gemacht habe. Schauen wie es nach 15 Jahren in meiner alten Straße aussieht.

Sumit (twitter ) 18. November 2010 um 18:35 Uhr

Gefühlsauslösende Technik… kenn ich sonst nur von der Venus ;)

Eike 18. November 2010 um 18:37 Uhr

Wirklich total schön geschrieben deine “Zeitreise”

Auch ich habe den Nachmittag auf der Arbeit damit verbracht in Bremen, der Stadt in der ich aufgewachsen bin und 30 Jahre verbracht habe, zu stöbern. Es war in der Tat, eine Zeitreise.

Liebe Grüße
Eike

Rex Blue 18. November 2010 um 18:41 Uhr

Du solltest Schriftsteller werden und ‘mal ein Buch über Deine Kindheit in Dortmund schreiben. Hört sich vielversprechend an. Ich verstehe auch nicht, warum mein seine Bleibe pixeln lässt. Leider mindert das das Streetviewerlebnis ganz erheblich. In meinem Nachbarhaus wohnen ca. 40 Leute. Und nur, weil einer davon Phobien hat, ist das ganze Haus gepixelt. War übrigens ein guter Tipp, ‘mal die Kindheitsecken anzusurfen. Hab’ ich auch gleich probiert. GSV=Weltidee!

caschy (twitter ) 18. November 2010 um 18:44 Uhr

@rex blue: dazu fehlt mir das talent :)

3lektrolurch 18. November 2010 um 18:55 Uhr

Thx für die interessante Sicht (=View ;) )
Der große Aufschrei kam wohl doch nur durch die Medien zustande, die ja immer wieder den Haupt-Gesprächsstofflieferanten abgeben. Eine Win-Win-Situation, die Medien sind dankbar für neue “Skandale” und die Konsumenten für neue ach so wichtige Smalltalk-Themen.
Warum regt sich eigentlich keiner über Bing’s Birdview auf? Das genau zeigt doch wie wenig sachlich und wie aufgebauscht das Ganze um Streetview ist.
Gespannt bin ich mal auf Nokia-Navteq, die wohl eine bessere Technik einsetzen wollen, mit Laser und so.

gdi 18. November 2010 um 19:06 Uhr

is der hammer, macht so einen spass :)
wusste garnich dass ich damals so scheisse aussah :D

Kevin 18. November 2010 um 19:14 Uhr

echt schöner artikel :)

chr1spy (twitter ) 18. November 2010 um 19:15 Uhr

@Evil: Hast du den Dienst überhaupt mal (selbst) genutzt? Dann wäre dir vielleicht aufgefallen, dass es sich nicht um Live-Übertragungen aus deiner Nachbarschaft handelt, sondern um aneinandergereihte Standbilder mit denen du mitnichten Einbrüche oder sonstige kriminelle Machenschaften bis ins Details planen kannst! Bis du auf die Idee kommst, hängt am Eingang längst eine Überwachungskamera, die zur Zeit der Aufnahmen leider noch nicht vorhanden war. Naja, wenigstens bleiben wir nach dem geplatzten Coup dann erstmal von solcherlei Kommentaren verschont. :)

Reiner 18. November 2010 um 19:22 Uhr

Da hatten wohl viele “Dumme” denselben Gedanken! ;)

Bin heute auch durch die Straßen meiner ersten Lebenshälfte #gestreetviewed … teilweise auch >10 Jahre nicht mehr da gewesen … als ich dann damit aufhörte fühlte es sich an, als habe ich im Schlaf geträumt. :)

Parkrocker 18. November 2010 um 19:27 Uhr

Bei Kommentaren wie dem von “Evil” könnte ich schön breit kotzen. Einbrüche, Nachbarn ins fenster schauen… Oh man, dieser Shit klingt fast schon wie ganz schlechte Satire.
Irgendwie hoffe ich ja auch, dass solche Typen wirklich nur scherzen und nicht so weltfremd sind, wie ihre Beiträge zu Street View… -.-

b1en 18. November 2010 um 19:53 Uhr

Schöner Bericht, danke Cashy. Habe auch in meine Vergangenheit geschaut und bin quer durch meine alte unterschätzte schöne Heimatstadt Hannover gefahren. Klasse. Übrigens: Habe während meines Studiums direkt in der Braunschweiger Straße gewohnt. Gegenüber vom Café im langen August. Leider über dem Braunschweiger xxxxxxx (ausgepixelt). Da “fahr” ich gleich mal hin. ;-) Street View: Gefällt mir, ein klasse virtuelles Erlebnis.

caschy (twitter ) 18. November 2010 um 20:08 Uhr

@b1en: Krass. Übern Stübchen??? Boah is die Welt klein, ich breche zusammen :) Jaja. Drüben auf der anderen Seite war das Gay-Kaffee und später kam dann die Moschee. Die gabs ganz früher nicht.

Wolfgang 18. November 2010 um 20:09 Uhr

Tja – die Idee hatte ich auch; aber: ich bin auf dem Land groß geworden und muss daher wohl noch eine gefühlte Ewigkeit warten …
Immerhin habe ich meine beiden Domizile in Nürnberg “kontrolliert” – vor über 30 ausgezogen und doch wiedererkannt!

Danke für den einfühlsamen Artikel, liest man(n) nicht alle Tage!



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