Medion X5520 ausprobiert: So einfach kann man 300 Euro sparen

14. November 2016 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_medionx55205,5 Zoll Smartphones, man kann für sie eine ganze Stange Geld ausgeben. Oder auch weniger. Wie man am Beispiel des Medion X5520 sieht. 299 Euro werden für das zur IFA vorgestellte und ab sofort verfügbare Smartphone fällig. Allerdings bekommt man zu dem Kurs auch andere Geräte, zum Beispiel das Moto X Play, eines meiner Empfehlungsfavoriten, wenn ein größeres Display zu kleinerem Preis gewünscht ist. Ich habe mir das X5520 nun ein paar Tage angeschaut und natürlich auch genutzt. Meine leider nicht ganz so positiven Eindrücke dazu möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten.

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Optik und Haptik

Das X5520 sieht aus wie viele Smartphones. Vorne viel Glas, hinten Kamera und Fingerabdruckscanner, unten Lautsprecher, Mikrofon und USB-Anschluss, an der Seite Tasten für Power und Lautstärke. Ziemlich unspektakulär und auch nicht so sauber verarbeitet wie man es heute auch in dieser Preisklasse erhalten kann. Was zu diesem Eindruck auch seinen Teil beiträgt: Der wackelige Lautstärke- und Standby-Button. Daran werden sich die wenigsten Nutzer stören, aber es fällt eben auf, wenn man lange kein Smartphone mehr in der Hand hatte, bei dem dies so vorkommt.

Die Rückseite ist aus Metall, oben und unten befindet sich jeweils ein Kunststoffstreifen, der in Gerätefarbe gehalten ist. Die Übergänge sind sichtbar und man kann sie auch spüren, es fehlt so ein wenig der letzte Feinschliff bei der Verarbeitung, so hat man den Eindruck. Trotz des „Unibody“-Gehäuses fehlt so ein bisschen das Unibody-Gefühl, wenn man das Smartphone in der Hand hat. Schwer zu beschreiben, vielleicht braucht man dafür auch den direkten Vergleich zwischen mehreren Geräten. Zudem wird ein Großteil der Nutzer das Smartphone sowieso in eine Hülle stecken, da spielt das eine wesentlich geringere Rolle.

Insgesamt leider nicht unbedingt so der Verarbeitungs-Knaller, aber auch nicht so schlecht, dass man den Eindruck eines „Billig“-Smartphones bekommen müsste. Interessant ist zum Beispiel, dass das X5520 trotz gleicher Displaygröße sowohl kürzer als auch schmaler ist als ein iPhone 7 Plus. Dennoch fühlt es sich aber wuchtiger in der Hand an, man konnte diesen Wegfall an Größe also nicht haptisch transportieren. Das ist etwas schade.

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Hardware

Das IPS-Display des X5520 löst mit FullHD auf. Es ist nicht das beste Display, aber es ist auch nicht so mies, dass man es unbedingt schlecht reden müsste. Die Helligkeit ist gut, die Blickwinkelstabilität nicht ganz so. Da sich kein Power-User das Gerät holen wird, ist das Display ausreichend, auch wenn man ihm ansieht, dass es eben kein „Flaggschiff“-Display ist.

Unter der Haube schlummert ein Qualcomm Snapdragon 430 Octa-Core-Prozessor (4x 1,1 GHz, 4x 1,4 GHz), dem überraschenderweise 4 GB RAM zur Seite stehen. Das sorgt für ruckelfreies Arbeiten mit den gängigen Apps, wird es jedoch anspruchsvoller, wird es auch langsamer, das spürt man. Auch hier gilt wieder, die Zielgruppe eines solchen Gerätes dürfte das nicht großartig stören.

Erfreulich sind die 64 GB Speicher. Wer damit auskommt, kann das X5520 auch als Dual-SIM-Smartphone nutzen, wem dies nicht reicht, der kann eine microSD-Karte in das Gerät packen und so den Speicher um bis zu 128 GB erhöhen.

Der Sound des Gerätes ist über den verbauten Lautsprecher recht dünn. Zwar bleibt dieser auch bei höherer Lautstärke ohne großes Scheppern, klingt aber von vornherein nicht so toll, dass man unbedingt aufdrehen möchte. Hier empfiehlt sich ein Headset oder eine zusätzliche Box. Für Gespräche ist der Lautsprecher allerdings ausreichend und auch laut genug.

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Der Fingerabdruckscanner auf der Rückseite gehört gefühlt nicht zu der aktuellen Generation der Scanner. Zwar wird der Fingerabdruck relativ schnell erkannt und eventuell auch verarbeitet, zu oft kam es bei mir aber vor, dass das Smartphone zwar vibrierte (weil Fingerabdruck registriert), dann aber das Display dennoch dunkel blieb. Überzeugte mich nicht und das geht auch wesentlich besser, egal ob der Scanner vorne oder hinten angebracht ist. Die Entsperrung erfolgt aber flott, wenn denn der Abdruck erkannt wird.

microUSB 2.0 gibt es als Anschluss für die Datenübertragung und das Aufladen des 3.000 mAh-Akkus. Verzichten muss man auf eine Schnelllademethode, dafür hält der Akku aber auch ordentlich lange durch. Den Akkubenchmark hat es mir leider mehrmals abgebrochen, gefühlt komme ich mit dem Medion X5520 aber locker durch den Tag. Sehr individuelle Geschichte, die bei jedem anders aussieht, aber das Smartphone zeigte keine großen Ausreißer, die mir während der Nutzung ungewöhnlich vorkamen.

LTE Cat.4 beherrscht das X5520 auch, bei WLAN allerdings nur b/g/n und somit auch nur das 2,4 GHz-Netz. Für den normalen Käufer eines solchen Gerätes bestimmt kein großer Minuspunkt. Und dann war da noch die Vibrationseinheit. Diese gibt teilweise auch bei Eingaben Feedback, allerdings nicht sehr kräftig und auch nicht sehr akzentuiert. Es fühlt sich mehr wie eine Elektrozahnbürste mit fast leeren Batterien an und ist auch fast lauter als spürbar.

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Kamera

Die Kamera bekommt einen gesonderten Review-Punkt, ist sie doch das Bauteil, das viele Nutzer heutzutage am meisten interessiert. Eine 13 Megapixel-Cam mit Autofokus und Blitzlicht verbaut Medion auf der Rückseite. Diese bietet auch noch verschiedene Software-Modi, die allerdings nicht so ganz schlüssig sind. Der Nachtmodus aktiviert beispielsweise immer den Blitz, ich dachte zuerst, das sei nur wegen der Fokussierung, allerdings wurde auch immer mit Blitz ausgelöst.

Und auch sonst entspricht die Kamera nicht dem, was ich heute von einer Smartphone-Cam erwarte. Ein Album mit einigen Schnappschüssen habe ich Euch bei Google Fotos hochgeladen, dort findet Ihr die gleichen Bilder (und ein paar mehr) wie auch hier im Text, allerdings unbearbeitet (lediglich der Google Fotos-Prozess, der dürfte sich hier allerdings sogar eher als vorteilhaft erweisen).

Die Kamerasoftware bietet auch einige Live-Filter, so kann man direkt Schwarz-Weiß-Aufnahmen anfertigen oder sich anderen Spielereien hingeben. Für Schnappschüsse ist die Cam sicherlich ausreichend, für mehr aber auch nicht. In meinen Augen zu schlechte Farben und auch irgendein Problem bei der Belichtung, die Bilder wirken auf mich nicht sehr stimmig. So schade das ist.

Die Frontkamera bietet eine 5 Megapixel-Auflösung, hier merkt man ebenfalls die fehlende Lichtempfindlichkeit. Sobald es etwas dunkler wird, fällt selbst ein Videochat sehr körnig aus. Hochglanzselfies für Instagram und Co. lassen sich damit eher schwieriger erstellen.

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System

Medion stattet das X5530 mit Android 6.0.1 Marshmallow aus, also nicht der neuesten Android-Version. Update auf Nougat? Mag ich nicht dran glauben, auch wenn Medion Updates als eine der Eigenschaften nennt. Toll, falls es doch kommt, vorstellen kann ich es mir aber nicht. Während das Android relativ unverändert kommt, bringt das Smartphone aber eine Menge Apps mit, die bereits vorinstalliert sind. Das kann im Einzelfall ganz nützlich sein, so spart man sich den Download und kann die App-Welt direkt „out of the box“ erkunden. Mein Fall sind die Apps nicht, aber es ist auch nicht so, dass sie mich groß stören würden.

Fazit

Was bleibt ist ein eher ernüchterndes Fazit zu einem ernüchternden Smartphone. Für 299 Euro ist das Medion X5520 eindeutig zu teuer. In allen Belangen. Bis auf die verhältnismäßig kompakte Größe gibt es nichts, das diesen Preis rechtfertigen würde. Wäre das Smartphone so vor 2 Jahren auf den Markt gekommen, hätte man es vielleicht für 299 Euro empfehlen können. Heute gibt es bessere – wenngleich ältere – Alternativen. Das X5520 macht einfach „keinen Spaß“ und den kann man heute auch von einem 300 Euro-Smartphone erwarten.

Vielleicht hatte ich auch einfach nur zu viel erwartet, das von mir damals getestete Medion-Tablet war zwar auch nicht der Hardware-King, aber als Gesamtpaket durchaus vertretbar. Das kann man von diesem Smartphone leider nicht behaupten. Würde man mich nach einer Zielgruppe fragen, mir fällt keine ein. Es sei denn es ist der unbedarfte Käufer, der sich von ein paar Spezifikationen auf der Verpackung blenden lässt.



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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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