Mark Zuckerbergs Facebook-Traum: Globale Community statt Freunde-Netzwerk

17. Februar 2017 Kategorie: Internet, Social Network, geschrieben von: Sascha Ostermaier

„Building Global Community“ – Mit diesen drei Worten überschreibt Mark Zuckerberg ein Schriftstück an die Community. In diesem erklärt er, wie die Zukunft von Facebook aussehen soll. Jetzt nicht mit mehr Videoinhalten oder so, sondern wie eine globale Community gestaltet werden kann. Hier gilt es nämlich eine Menge zu bedenken, denn eine solche globale Community muss für alle gleichermaßen funktionieren. Das kann sie aber nicht von heute auf morgen, es ist ein langer Prozess, eigentlich vergleichbar mit der Entstehung einer Zivilisation oder eines Landes. Da mussten auch erst einmal „Community“-Regeln entstehen, wie unterschiedlich, sieht man heute in den verschiedenen Ländern.

Diese Länder global zusammenzuführen, in einem Social Network, da kann man es nicht jedem recht machen. Deshalb ist einmal mehr die Community selbst gefragt, sie soll dafür sorgen, dass es auch global funktioniert. Bislang fokussierte Facebook sich darauf, Freunde und Familie miteinander zu verknüpfen, das erfordert eine andere Infrastruktur als eine globale Verknüpfung.

5 Community-Gedanken gibt es, die dafür sorgen sollen, dass man eben auch kulturelle Unterschiede unter einen Hut bringt. Die Community selbst soll viel dazu beitragen, dass Inhalte sowohl auf dem lokalen als auch auf dem globalen Level passend bereitgestellt werden. Mark Zuckerberg möchte mit Facebook dafür sorgen, das es unterstützende, sichere, informierte, zivil-engagierte und inkludierte Communities gibt, die sich praktisch selbst verwalten, indem sie besser verknüpft sind.

Dabei sind Verknüpfungen zu lokalen Politikern oder Einrichtungen wie Vereinen ebenso gemeint, wie die Verknüpfung auf globaler Ebene. Sei es zur Organisation einer Demonstration oder um das auf Dinge aufmerksam machen, die so nicht sein sollten. Zuckerberg erklärt auch, dass Facebook nicht immer richtig entscheidet, wenn es um das Entfernen von Inhalten geht. So werden beispielsweise Inhalte entfernt, die eine Daseinsberechtigung haben, andere wiederum bleiben stehen, obwohl sie nichts auf der Plattform verloren haben.

Dafür steckt Facebook völlig berechtigt Kritik ein. Zuckerberg setzt hier viel auf AI, um Inhalte besser einschätzen zu können. So soll künftig automatisch erkannt werden, ob ein Bild beispielsweise einen Terroranschlag zeigt oder es sich einfach um Propaganda von Terroristen handelt. Hier muss noch der Mensch zur Unterscheidung eingreifen, das soll aber nicht dauerhaft so bleiben.

Was Nutzer zu sehen bekommen, soll ebenfalls künftig von den Nutzern selbst entschieden werden. Jeder hat eine andere „Schmerzgrenze“, was beispielsweise Nacktheit angeht. Ist für manche Bevölkerungsgruppen schon ein nackter Fußknöchel verwerflich, schaut sich eine andere Gruppe auch gerne einmal eine nackte Brust an. Das sorgte bisher dafür, dass zum Beispiel auch Bilder entfernt wurden, die historisch einzuordnen sind (berühmtes Beispiel ist das Napalm-Mädchen-Foto aus dem Vietnam-Krieg, das von Facebook gelöscht wurde).

Künftig sollen Nutzer selbst entscheiden können, wie weit sie welche Inhalte sehen wollen. Man soll sich keine Gedanken darüber machen müssen, ob man etwas teilen darf, das man selbst für interessant hält (vor allem in Hinblick auf Live-Übertragungen), sondern der Nutzer soll selbst seine Filter so einstellen, dass er nur Inhalte angezeigt bekommt, die für ihn vertretbar sind.

Das alles ist nicht mit ein paar kleinen Updates zu bewerkstelligen, es ist eine langfristig angelegte Entwicklung von Facebook. Ich empfehle jeden, der sich ernsthaft mit einer „Global Community“ auseinandersetzen möchte, Mark Zuckerbergs sehr langen Text zu lesen, es sind sehr interessante Ansätze enthalten, deren Eindampfen in diesem Artikel hier ihrer Bedeutung nicht gerecht würden.

An dieser „Global Community“ wird Facebook nicht alleine arbeiten, aber wohl einen entscheidenden Faktor beitragen. Eine sehr spannende Entwicklung, vielleicht wird die Welt ja doch mal noch zu einer einzigen Gesellschaft, ohne diesen ganzen Hass, ohne Kriege, ohne Ausschluss bestimmter Personengruppen. Man muss schließlich klein anfangen, um großes zu bewegen.


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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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