Mal wieder die Datenschutzerklärung: vzbv mahnt Google ab

6. Januar 2016 Kategorie: Google, geschrieben von: caschy

google artikelEs ist nach Ansicht des vzbv unzulässig, dass Google die E-Mails seiner Nutzer ohne deren gesonderte Einwilligung mitliest, um maßgeschneiderte Produktinformationen anzeigen zu können. So fasst der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) seine Information zusammen, in der es um die neue Abmahnung gegen Google geht. Nun kann man sich vortrefflich darüber streiten, wie man „mitliest“ definieren will. Ich persönlich habe etwas gegen dieses Wort, da es beim unbedarften Nutzer einen falschen Eindruck schafft.

Kein Mensch liest bei Google Mails mit, stattdessen sitzen da Maschinen, die auf Wortfolgen und einzelne Wörter achten, um Spam und Malware zu filtern und ja – auch, um passende Werbung zum Inhalt zu servieren. Inhaltlich kann man dem Verbraucherzentrale Bundesverband dann aber nichts vorwerfen, der bemängelt nicht das, was am Anfang dieses Textes steht, sondern die Datenschutzerklärung von Google.

Zwei Nutzungsbedingungen enthielten Formulierungen, die die Rechte der Nutzer nach Ansicht des vzbv unzulässig einschränkten. Hier geht es dann beispielsweise um die Analyse der Daten – der vzbv hält das für rechtswidrig, weil es an einer wirksamen Einwilligung in diese intensive Art der Datenauswertung fehle. Der vzbv geht in seiner Kritik davon aus, dass es für die Erhebung und Nutzung personenbezogener Daten zu Werbezwecken immer eine gesonderte Einwilligung geben muss – ein generelles Abnicken der Datenschutzerklärung von Google durch den Nutzer reiche hier nicht aus.

Der vzbv hatte bereits 2012 gegen 25 Klauseln der damaligen Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen geklagt und im November 2013 vor dem LG Berlin gewonnen. Dagegen ist der Konzern in Berufung gegangen. Dieses Verfahren liegt derzeit beim Kammergericht. Ein Termin zur mündlichen Verhandlung ist noch nicht bestimmt.

Google hat im Sommer 2015 seine Datenschutzbestimmungen geändert. Allerdings sind die streitgegenständlichen Klauseln zum Teil immer noch darin zu finden.

Der vzbv hat jetzt zwei weitere Klauseln aus der aktuellen Datenschutzerklärung abgemahnt. Google hat bis zum 25. Januar 2016 Zeit, auf die Abmahnung zu reagieren. Danach droht eine Unterlassungsklage vor dem Landgericht Berlin.

google artikel



Über den Autor: caschy

Hallo, ich bin Carsten! Daddy von Max, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter, Gerne-Griller und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, XING, Linkedin, Instagram und YouTube. Persönliches Blog. PayPal-Kaffeespende.

Carsten hat bereits 22138 Artikel geschrieben.

12 Kommentare

sd 6. Januar 2016 um 17:17 Uhr

Zumindest in der Anfangszeit ging Google ja sehr offen damit um. Zitat aus der ersten Mail „Gmail is different. Here’s what you need to know.“ vom Februar 2005:

„You may also have noticed some text ads or related links to the right of this message. They’re placed there in the same way that ads are placed alongside Google search results and, through our AdSense program, on content pages across the web. The matching of ads to content in your Gmail messages is performed entirely by computers; never by people. Because the ads and links are matched to information that is of interest to you, we hope you’ll find them relevant and useful.“

In der deutschen Version von Februar 2008 von meinem anderen Gmail-Konto fehlt dieser Abschnitt aber… 😉

Joe 6. Januar 2016 um 18:14 Uhr

Ich hatte bisher auch immer das Gefühl, dass Google damit sehr offen umgeht. Man kann Google nicht mögen und meinetwegen auch als „Datenkrake“ bezeichnen. Ich hatte bisher jedoch nicht das Gefühl – vor allem nicht bei Gmail – das Google nicht transparent mit seinen Geschäft umginge.

Wer das nicht möchte, legt sich eben ein Email Konto bei einem anderen Anbieter wie posteo oder Mailbox.org zu.

Jan 6. Januar 2016 um 18:28 Uhr

ja, ich vertraue Google und ja ich glaube das meine Daten da sicher sind… Aber wer weiß was in 5 Jahren ist. Ich glaube das es heute nicht mehr notwendig ist für eine Email Adresse, Kalender etc. seine Daten herzugeben. Dafür gibt es zu viele Anbieter die für kleines Geld ein Postfachm´, Kalender usw. ohne Werbung, Datensammelei anbieten.

Leser 6. Januar 2016 um 19:43 Uhr

Es spielt keine Rolle ob Menschen oder Maschine die Inhalte der e-mails lesen. Fakt ist, daß die Inhalte ausgewertet und für Werbung genutzt werden. Aber auch ich nutze gmail seit vielen Jahren und auf etlichen Geräten. Trotz allem geht keine einzige persönliche oder geschäftliche e-mail über gmail.
Da gebe ich lieber 7,99 € im Jahr bei einem webhoster mit 10 imap Postfächern aus.

Thomas 6. Januar 2016 um 19:52 Uhr

Wir sind vor längerem schon von GMail zu Posteo gewechselt und haben es nicht bereut. Auch die Synchronisation von Kontakten und Kalender mit allen unseren Android-Geräten, die über Cyanogenmod fast vollständig von Google-Diensten befreit sind, klappt sehr gut.

Buddypad 7. Januar 2016 um 07:46 Uhr

Hi Zusammen.
Also ich fühle mich bei GMail auch nicht mehr wirklich wohl… Nur ist es schwer auf andere Varianten zu gehen. Posteo ist nett – nur keine eigene Domain. mailbox.org ist auch sehr sehr gut, jedoch kann es Vieles, aber oft auch mit Ecken und Kanten. Und ansonsten sind da noch Protonmail und auch Tutanota, welche erst so langsam in Fahrt kommen.

Alles nicht so einfach.

Jan 7. Januar 2016 um 08:53 Uhr

Ich finde mailbox.org schon ziemlich klasse. Allerdings stört mich das es zwar eine 2 Faktor Anmeldung gibt, aber nur für den Webmailer. Möchte ich Emails auf dem Smartphone, PC etc nutzen – und das wollen wohl die meisten – brauche ich mein Passwort. Entwedet es jemand nützt mir die ganze 2 Faktor Anmeldung nichts mehr…

Insgesamt habe ich den Eindruck, das die von mailbox.org sehr viel für eine sichere Übertragung und Speicherung der Mails/Daten tun.

Aber der Schutz des Accounts könnte glaube ich noch verbessert werden.

Buddypad 7. Januar 2016 um 12:07 Uhr

Bei Posteo finde ich es schade, dass man dort keinen gemeinsamen Kalender verwalten kann. Sprich ein „Familienkalender“.
Bei mailbox.org gibt es Familien-Accounts, aber wenn ich das richtig verstehe, braucht man die seit dem neuesten Update gar nicht mehr, da es div. Sharing-Möglichkeiten beim Online-Office gibt.

Oder habe ich da etwas übersehen?

Peer Heinlein 7. Januar 2016 um 15:25 Uhr

@Jan: 2-Faktor-Auth im Mailclient ist eine schwierige Sache.

1) Jede Mail wird über SMTP-Auth einzeln versandt. Jedes mal müßte ein 2-Faktor-Auth durchgeführt werden.

2) Jeder Verbindungsabbruch beim mobile Client führt zu einem Re-Login, jedes mal müßte 2FA passieren. Unpraktikabel.

3) Mit POP3 geht das schon gar nicht mehr sinnvoll.

Es gehen dann halt ganz viele Dinge wie fortlaufende Hintergrundsynchronisation etc. nicht mehr.

Peer Heinlein 7. Januar 2016 um 15:53 Uhr

@buddypad: Ja, mit unserer neuen Version ist das Sharing ggü. anderen Usern (intern + extern) deutlich weitgehender und verbessert. Damit kommt man schon sehr weit. „Echte“ Familienaccounts bieten da noch etwas mehr wir wirklich gemeinsame Kalender und eine nahtlosere Integration. Da steckt dann ein anderes Verfahren und ein besserer Workflow dahinter.

Ansonsten: Welche „Ecken und Kanten“ meinst Du? Was stört Dich und/oder vermisst Du?

Buddypad 8. Januar 2016 um 05:47 Uhr

@Peer: Erst einmal danke für die direkte Antwort überhaupt (schön, dass Ihr hier auf der Website auch mitlest) und dann auch noch so im Detail. Ihr seid schon wirklich klasse.

Ich führe es einfach mal in Stichworten auf, was ich meine.

– Ordnerübergreifende Suche im Online-Client nicht möglich (schon lange nicht und wird immer versprochen, dass es kommt)
– Rufnummernverlust bei CardDav (und das schon so lange)
– OX Drive speichert als XLSX/DOCX ab bzw. generelle Kompabilitätsprobleme mit OpenSource Software, wenn man Dateien mit lokalen Clients (z.B. LibreOffice) bearbeiten will. Wirklich schade, da OX ja auch auf dem Open Source Boot ist und dann auf einmal nur „Industrie-Standards“ wie MS Office richtig unterstützt werden)
– Umlautprobleme bei Mailabruf via iOS und ActiveSync (sogar bei Euren Info-Mails)
– Wann kommt das seit einem Jahr angekündigte Präsentationsprogramm für das Online-Office?
– clientübergreifende Labels für Mails (Wichtig-Markierung), sodass ich in einem Programm eine Mail als Wichtig markieren kann und diese dann auch auf dem Handy (z.B. iOS) oder online ebenfalls als wichtig markiert ist (der „Workaround“ für Thunderbird ist schön, nutze aber kein TB)
– die vielen „Hänger“ in der letzten Zeit.
– …

Das sind alles keine großen Dinge…
Aber irgendwie stört es schon, weil vieles davon seit sehr langer Zeit versprochen wird, dass es kommt und an dessen Stelle kommen dann immer wieder neue Features mit zugehörigen neuen Herausforderungen/Problemen.

Peer Heinlein 1. Februar 2016 um 17:56 Uhr

Hallo @Buddypad,

grundsätzlich hast Du ja in Teilen recht, aber bei einigen Dingen will ich kurz Updates geben:

– Rufnummernverlust bei CardDav (und das schon so lange)

Ist mWn. seit vielen Wochen (mWn. mit dem großen Update Anfang November) behoben?!

– Umlautprobleme bei Mailabruf via iOS und ActiveSync (sogar bei Euren Info-Mails)

Habe ich vor drei Wochen mit einem netten User *endlich mal* konkret zu fassen bekommen, sieht mir nach einem Bug in iOS-Mailclients aus. Ich hatte noch keine Ruhe exakt auszuklamüsern, wie der Bug getriggert wird, so daß ich noch keinen Bugreport aufmachen konnte. Sieht mir nach derzeitigem Stand nicht nach einem Bug bei uns aus.

– Wann kommt das seit einem Jahr angekündigte Präsentationsprogramm für das Online-Office?

Ist seit Anfang November online. Einfach eine PPT-Präsentation im Drive anklicken, freuen und genießen.

Die anderen Dinge haben „Showstopper“, also Abhängigkeiten zu anderen Geschehnissen — so hat sich seit Sommer die Einführung eines neuen Rechenzentrums verzögert, das hat die Einführung eines neuen Virtualisierungsclusters IN diesem Rechenzentrum verzögert, DORT sollen/müssen aber zahlreiche neue Server von uns laufen DAMIT wir damit dann auch die Power haben um eine andere Art von IMAP-Cluster zu betreiben, damit DARÜBER dann auch eine Online-Suche komfortanler möglich ist.

Hast ja recht, daß es kommen soll. Ist aber auch teilweise so, daß es in der Verkettung aller Dinge halt irgendwie auch dann Geduld braucht und würde man alles über den Haufen werfen und „mal kurz“ den Cluster am alten Standort aufbauen würde man auch nicht schneller und besser fertig werden. Uns gefallen einige Sachen auch nicht, aber wir müssen hier die nachhaltige Entwicklung im Blick haben.

Lieben Gruß

Peer


Kommentar verfassen



Du willst nichts verpassen?
Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren. Alternativ könnt ihr euch via E-Mail über alle neuen Beiträge hier im Blog informieren lassen. Einfach eure E-Mail-Adresse hier eingeben, dann bekommt ihr 1x täglich morgens eine Zusammenstellung.