Magic: The Gathering lässt in Ixalan Piraten zwischen Dinos nach Schätzen buddeln

8. Oktober 2017 Kategorie: Games, geschrieben von: André Westphal

Magic the Gathering ist und bleibt die Mutter aller Trading Card Games: Schon Mitte der 1990er-Jahre riss ich als Teenie mit gierigen Fingern Booster auf – immer in der Hoffnung von mir begehrte Karten wie den „Royal Assassin“ am Ende in Händen zu halten. Auch über 20 Jahre später hat Magic nicht an Reiz verloren. Im September ist nun die neueste Edition namens Ixalan erscheinen. Jene begründet dann jetzt auch den gleichnamigen, neuen Block. Dieses Mal geht es thematisch um Piraten, versunkene Schätze und… Dinosaurier.

Ja, für Ixalan hat man sich eine ziemlich illustre Mischung zusammengebastelt bei den Entwicklern Wizards of the Coast. Falls ihr das Trading-Card-Game (TCG) Magic the Gathering übrigens gar nicht kennt, empfehle ich euch einmal in meinen Beitrag zu der Edition Düstermond reinzulesen. Dort stelle ich das Spiel an sich auch ein wenig vor. Was man vor allem wissen sollte: Magic ist ein sehr taktisches und komplexes Kartenspiel, das ständig durch neue Karten und Regeln erweitert wird. Jeder Spieler kann sich dabei ein eigenes Deck (= Kartenset) bauen, mit dem er versucht seinen Gegenspielern einzuheizen. Mit der Zeit findet man durch Siege und Niederlagen dabei ganz von allein heraus, welche Karten und Kombinationen wirkungsvoll sind – und welche nicht.

Die Macher Wizards of the Coast führen dabei mit jedem Block bzw. jeder Edition komplett neue Regeln und Karten ein. Magic ist aber kein trockenes Spiel, in dem man quasi nur Zahlenwerte und Regeln miteinander abgleicht. Das „Flavor“ spielt bei Magic eine große Rolle. Magic ist in einem facettenreichen Universum angesiedelt und jede Edition erzählt durch seine Karten Geschichten. Im Falle Ixalan spielt etwa die Jagd nach versteckten und versunkenen Schätzen eine große Rolle.

Dabei erweisen sich jedoch die Dinosaurier, ein wesentlicher Kreaturentyp in dieser Edition, als Hindernis. Sie trumpfen mit der Fähigkeit Erzürnen (Enrage) auf. Im Grunde werden sie wütend, sobald sie Schaden einstecken müssen. Das kann man natürlich relativ geschickt ausnutzen – schließlich gibt es in Magic mehr als genug Karten, mit denen ihr auch euren eigenen Viechern eins auf den Deckel geben könnt. Dabei wird die jeweilige Wirkung des Erzürnens auch ausgelöst, wenn die Kreatur durch den Schaden draufgeht. Wird der „Brüllende Aegisaurus“ etwa durch Schaden erzürnt, sorgt er dafür, dass jede andere Kreatur unter der Kontrolle seines Meisters einen +1/+1-Counter erhält.

Das „Raptor-Junges“ hingegen mag selbst nur eine 1/1-Kreatur sein, produziert durch das Erzürnen aber neue grüne 3/3-Kreaturen, welche sogar Trampelschaden austeilen. Da das „Raptor-Junges“ selbst nur ein rotes und ein farbloses Mana kostet, kann man so eventuell für relativ geringe Kosten über das Erzürnen eine gar nicht mal so schwache Kreatur erhalten.

Neben den Dinosauriern sind aber auch Piraten ein wichtiger Kreaturentyp in Ixalan. Zwar mag man sich denken, dass Piraten nicht nur gern dem Alkohol frönen, sondern wohl auch oft wütend sein, hier ist jedoch eher die Fähigkeit Überfall (Raid) prägend. Diese Fähigkeit wird ausgelöst, wenn ihr bereits zuvor mit mindestens einer Kreatur angegriffen habt. Ist das der Fall, können durch Überfall, wie auch beim Erzürnen, allerlei Effekte ausgelöst werden.

Ein Beispiel wäre die „Sturmflotten-Spionin“: Sie lässt euch eine Karte ziehen, falls ihr bereits in der gleichen Runde angegriffen habt, in welcher ihr sie ausspielt. Der „Takelagen-Kletterer“ hingegen kostet nur ein rotes Mana, erhält aber dank Überfall einen +1/+1-Counter, falls ihr eben schon im gleichen Zug angegriffen habt, in dem ihr ihn ausspielt.

Überfall wird aber immer nur einmal ausgelöst: Auch wenn ihr meinetwegen in einer Runde mit fünf Kreaturen angegriffen habt, greift Überfall dennoch nur ein einziges Mal bei der jeweiligen Karte. Dafür ist wurscht, ob ihr beim Angriff Schaden angerichtet habt oder nicht. Beispielsweise greift Überfall auch dann, wenn ihr einen Angreifer deklariert, ihn danach aber mit einem Zauberspruch oder einer Fähigkeit wieder auf eure Hand bugsiert. Hier sind also wieder zahlreiche, taktische Finten möglich.

Wo es Piraten gibt, muss es natürlich auch Schätze geben. Das sind Artefakt-Spielsteine, die sich opfern und dadurch gegen Mana einer beliebigen Farbe eintauschen lassen. Wie kommt man an Schätze? Durch Karten, die Schatz-Spielsteine erzeugen. Das ist natürlich immer an bedingte Bedingungen geknüpft. Schätze können somit das Spiel stark beschleunigen, wenn man rechtzeitig ausreichend von ihnen aufstöbern kann. In Ixalan spielen zudem Meervölker und Vampire eine große Rolle. Wer also entsprechende Themendecks spielt oder erstellen möchte, sollte sich mal bei den 279 neuen Karten umsehen.

Wirlich neu ist zudem noch die Fähigkeit des Erkundens (Expolore). Was genau bewirkt diese Fähigkeit? Beim Erkunden kann man durch eine Kreatur mit dieser Fähigkeit die oberste Karte der eigenen Bibliothek aufdecken. Entdeckt man nun sozusagen bei seiner Erkundungsfahrt ein Land, kann man jenes direkt auf die Hand nehmen. Wird eine andere Art von Karte aufgedeckt, bleibt die Erkundung sozusagen ergebnislos. Allerdings wird die Kreatur, welche erkundet hat, sozusagen erfahrener. Deswegen erhält sie eine bleibende +1/+1-Marke. Außerdem könnt ihr in diesem Fall die aufgedeckte Karte wahlweise wieder oben auf die Bibliothek oder aber in den Friedhof packen. Erkunden wird aber nicht durch einfaches Tappen ausgelöst, sondern durch unterschiedliche Bedingungen. Meistens schlichtweg dann, wenn die Kreatur ins Spiel kommt.

Das Erkunden kann aber auch weitere Wirkungsketten auslösen, da es Karten gibt, die Effekte aktivieren, wenn eine Kreatur eine Erkundung startet. Es kommen also recht komplexe Synergien ins Spiel, die Ixalan nach meinem Eindruck eine Ecke komplexer machen, als die relativ direkt gehaltenen Amonkhet und Kaladesh.

Cool finde ich persönlich, dass auch die Fahrzeuge aus besagtem Kaladesh zurückkehren. Denn die Fahrzeuge und ihr Bemannen durch Kreaturen hat mir von all den in den letzten Editionen eingeführten Spielmechaniken persönlich am besten gefallen. Passend zum Setting von Ixalan könnt ihr vorwiegend Schiffe als Fahrzeuge nutzen – ahoi, sage ich da nur als Kieler.

Nicht ganz so begeistert bin ich, weniger aus spielmechanischer als aus ästhetischer Sicht, von der Rückkehr der doppelseitigen Karten. So hat man bei den doppelseitigen Karten zwar die Regeln aufgewärmt, fokussiert sich dieses Mal aber auf Karten, die sich zu Ländern transformieren. Diese Karten sehen in ihrem transformierten Zustand auch deutlich anders aus, als reguläre Magic-Karten. Vorteil: Diese Transformation zählt natürlich nicht als Ausspielen eines Landes, denn die Karte an sich war ja bereits im Spiel. Ergebnis ist, dass ihr euch mit ein paar Kniffen auf diese Weise schnell relativ viele Länder sichern könnt.

Wizards of the Coast führen aber noch eine andere, editionsübergreifende Neuerung mit Ixalan ein: Sowohl in Ixalan als auch rückwirkend gelten nun alle Planeswalker als legendäre Karten. Dadurch fallen sie unter die bekannte Legenden-Regel. Das bedeutet auch, dass man durch den Wegfall der bisherigen Planeswalker-Einzigartikeitsregel nun z. B. parallel „Jace, Enträtsler der Geheimnisse“ und auch „Jace, listiger Schiffbrüchiger“ kontrollieren kann. Wer also an diesem Kartentyp gefallen hat, erhält nun noch deutlich mehr Chancen für mächtige Planeswalker-Decks.

Mein Fazit zu Ixalan? Ich habe mit einigen Kumpels die vorgefertigten Decks zu „Jace, Genialer Gedankenmagier“ und „Huatli, Saurierkriegerin“ angezockt und über weitere Booster ein paar Aufbesserungen vorgenommen. Das Spiel mit den Schätzen finde ich dabei taktisch recht interessant, während ich Dinosaurier und Piraten vor allem für sehr spezialisierte Decks als relevant ansehe – das ist bei derartigen Kreaturentypen in Magic aber grundsätzlich immer so. Und auch wenn mir die doppelseitigen Karten von dem Prinzip her nicht so zusagen, sind die spielerisch durchdacht. Außerdem sehen die dadurch verwendbaren, legendären Länder wie „Azcanta, die versunkene Ruine“ wirklich recht schick aus.

Für Magic-Neulinge ist Ixalan ein etwas härterer Einstieg als die Editionen zuvor, ist aber vom Setting her eine schöne Mischung. Wer also das von ägyptischer Mythologie beeinflusste Amonkhet etwas zu gewöhnlich fand, wird bei Ixalan sicherlich begeistert sein. Es sind in jedem Fall viele, interessante Karten dabei – einer meiner Favoriten ist z. B. der „Reißmaulraptor“, der seinen Besitzer eine Karte ziehen lässt, sobald er Schaden erhält. Beeindruckend, wie Magic: The Gathering also auch nach Jahrzehnten immer noch frisch bleibt und nach wie vor beim Zocken mit den richtigen Kumpels Laune macht.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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