LibreOffice 4 kurz vor der Fertigstellung: Wichtigste Neuerungen im Überblick

13. Januar 2013 Kategorie: Apple, Linux, Software & Co, Windows, geschrieben von: Patrick Meyhöfer

Es gibt immer noch sehr viele, die privat auf eine vollwertige Officeumgebung nicht verzichten möchten. Mir persönlich reicht in den meisten Fällen Google Drive (ehemals Docs), oder für größere Sachen greife ich schnell zu LaTeX. Dennoch ist LibreOffice, als freie Alternative zu Microsoft Office, eine beliebte und leistungsfähige Variante um seine Dokumente zu erstellen und zu bearbeiten. Aktuell steht der Release Candidate zum Download bereit. Grund genug sich schon mal die wichtigsten Neuerungen anzuschauen.

LibreOffice 4

Früher kannte man LibreOffice ausschließlich unter dem Namen OpenOffice.org (inwischen Apache Office) und wurde aktiv von Sun entwickelt. Nachdem Sun 2010 von Oracle einverleibt wurde und die weitere Entwicklung nicht so verlief, wie sich dies viele Entwickler vorstellten, gründeten sie die Document Foundation und entwickeln inzwischen eigenständig an LibreOffice weiter. Die erste stabile Version war dann Ende Januar 2011 die 3.3. Nun also das erste große Release mit neuer Versionsnummer und etlichen Verbesserungen, obwohl ich die ganz großen Sprünge nicht  sehe.

Writer

Das Textverarbeitungsprogramm Writer wartet unter anderem mit folgenden Neuerungen auf:

  • Kommentare können jetzt an einer Textpassage verankert werden. Diese wird im Text hervorgehoben. Bisher wurden Kommentare nur an einer Position verankert.

Writer LibreOffice Kommentare

  • Es können weitere Zeichen für Worttrennungen festgelegt werden.
  • Import von Freihandanmerkungen aus DOCX- und RTF-Dokumenten (enthalten in Word-Dokumenten, die auf Tablet-PCs bearbeitet wurden).
  • Import/Export von nativen Math-Formeln in RTF Dokumenten
  • Möglichkeit für abweichende Kopf- und Fußzeilen auf der ersten Seite ohne die Verwendung einer eigenen Seitenvorlage.

Writer unterschiedliche Kopfzeilen

Zudem gibt es etliche Verbesserungen beim Import von Dokumenten, eine neue API für die Nutzung von Vektorgrafiken oder eine Vorschaufunktion für verschiedene Schriftformate. Details stehen in den Release Notes.

Calc

Die Tabellenkalkulation Calc erhält eher Detailverbesserungen, der große Wurf dürfte nicht dabei sein.

  • Verbesserung der Leistung beim ODS-Dokument-Import
  • Import von Zwischenergebnissen bei ODS- und XLSX-Dokumenten
  • Farbskalen und Datenbalken werden auch in XLSX exportiert (Zusätzlich zu der Unterstützung von Excel 2010+ Erweiterungen und Datenbalken)
  • Verbesserte Diagrammanzeige – bessere Qualität beim Rendern / Drucken und PDF-Export von Diagrammen.
  • Neue Bedingte Formatierungen (Datumsformate, Regeln für Höchstes/Niedrigstes Element. Regeln für Zeichenfolgen)

Sonstiges

Alle weiteren Programme kommen eher mit kleinen Neuerungen, die hier nicht lohnen alle im Detail aufzuführen. Interessant sind auf jeden Fall neue hinzugekommene Filter für Microsoft Publisher und die vollständige Unterstützung aller Visio-Formate bis Microsoft Visio 2013 (Details im entsprechenden Artikel)

LibreOffice Visio-Import

Für alle Ubuntu-Nutzer ist eine deutlich bessere Integration in Unity vorhanden. So kann jetzt das globale Menü und HUD endlich auch in LibreOffice genutzt werden. Zudem existiert nun eine einfache Möglichkeit für optionale und nicht installierte Inhalte, wie z.B. Vorlagen, direkt über den Paketmanager zu installieren.

Ganz frisch ist noch die Unterstützung von Personas hinzu gekommen. Dies kennen wir bereits von Firefox, um seine persönlichen Vorlieben in Sachen Design vorzunehmen. Es stehen die gleichen Vorlagen zur Verfügung, wie für Firefox. Jedoch ist nicht wirklich jedes geeignet, um z.B. noch die Schriften in den Menüs zu erkennen.

libreoffice_personas

Ansonsten gibt es die immer üblichen Stabilitätsverbesserungen, Optimierung der Ladezeiten und weitere Verbesserungen, die das Paket abrunden und hier komplett nachgelesen werden können.

Spannend wird es meiner Meinung nach vor allem, wenn verschiedene Android-Implementierungen fertig gestellt werden. Im Juli letztes Jahr zeigte man erste ganz frühe Prototypen von LibreOffice für Android, einen konkreten veröffentlichungstermin gibt es leider noch nicht und wird wohl erstmal auch nur ein Viewer in der ersten Version. Spannend finde ich aber auch Impress Remote, die ich auf den Servern der Entwickler gesehen habe, um Präsentationen über euer Android-Gerät fernzusteuern.

LibreOffice 4 wird demnach ein solides Release, die großen Änderungen, die ich mir mit einer neuen Versionsnummer erhoffe, sind aber für mich nicht dabei. Erwartet wird die Fertigstellung laut Plan in der sechsten Kalenderwoche.


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Über den Autor: Patrick Meyhöfer

#Linux, #Ubuntu, #OpenSource #Android sind meine Themen. Du findest mich auch auf Twitter und Google+. Zudem schreibe ich Beiträge für freiesMagazin und auf meinem Blog Softwareperlen .

Patrick hat bereits 404 Artikel geschrieben.


19 Kommentare

Tchooe 13. Januar 2013 um 20:41 Uhr

„für größere Sachen greife ich schnell zu LaTeX“
Das ist aber nichts für Gelegenheitsanwender; oder sollte sich da seit meinem letzten Kontakt mit LaTeX so extrem viel getan haben, dass jeder damit auf die Schnelle arbeiten kann?

Patrick Meyhöfer 13. Januar 2013 um 20:48 Uhr

@Tchooe Nein, da hast du sicher Recht. Der Gelegenheitsanwender wird sich kaum in LaTeX einarbeiten wollen und ist mit den Office-Suiten besser bedient.

Jasmin 13. Januar 2013 um 20:51 Uhr

Früher kannte man es unter StarOffice (Marco Börries) ;)

Bin gespannt auf die 4.0 und gleichzeitig erschrocken das sie nun mit Personas herumspielen, AbiWord ist auch noch zu empfehlen für schnelle kleine Sachen.

P.S. Freut mich das Du nun etwas mehr Open Source & Linux in Caschy’s Welt bringst und danke.

Yu 13. Januar 2013 um 20:53 Uhr

Mein Wunschfeature, inline-Formeln in Impress, ist leider scheinbar nicht dabei :-/

Killer-Argument bei naturwissenschaftlichen Präsentationen zugunsten von Powerpoint. Früher zugunsten von LaTeX, aber das ist gelinde gesagt unbequem ;)

elknipso 13. Januar 2013 um 21:10 Uhr

Ganz nett, aber spätestens wenn man viel mit Dateien von Microsoft Office hantieren muss, leider oft unbrauchbar, da die Konvertierung nicht sauber funktioniert und sich immer wieder Fehler in der Formatierung einschleichen.

Discord 13. Januar 2013 um 21:43 Uhr

Ich wäre schon mal glücklich wenn sie endlich das User Interface überarbeiten würden! Damit könnte man eine menge Leute gewinnen! Aktuell sieht es einfach nur altbacken aus!
Die Neuerungen die jetzt darin vorkamen sind wirklich gut aber teilweise auch Sachen wo ich mir denke: “Jungs, auch wenn es gratis ist und ihr es in eurer Freizeit macht, so muss soetwas doch früher darin vorkommen!”
Da zahle ich lieber 100€ für Microsoft Office! :/

weiganri 13. Januar 2013 um 21:51 Uhr

Ich nutze eigentlich nur noch Kingsoft Office. Ist voll kompatibel mit Microsoft Office und dazu in der Basic version auch noch kostenlos.

T-mo 13. Januar 2013 um 23:15 Uhr

Die müssen mal ganz gewaltig die Oberfläche aufhübschen und umstricken! Ich war lange Zeit von dem offenen Ansatz begeistert, aber hin oder her, wenn die Icons mickrig sind (ja, habe sie größer bekommen), einige Einstellungen nicht intuiitiv zu finden sind und einiges n bittken umständlich angeordnet ist, dann geht einem schon der Spaß beim Bedienen abhanden. Mir ist deswegen irgendwann das ganze Programm abhanden gekommen (worden). Sind ja nicht mehr in den 90igern, oder?!

FriedeFreudeEierkuchen 13. Januar 2013 um 23:41 Uhr

Viele Nutzer würden sich freuen, wenn die Sprunglisten von Win 7 wieder mit LibreOffice funktionieren würden.
Bringt mir in der PRaxis mehr wie die oben genannten Features.

Max 14. Januar 2013 um 00:05 Uhr

Denke mal die ganzen Oberflächen Sachen kommen dann während des 4er Zykluses rein.

Jetzt wird wohl gerade mächtig im Code aufgeräumt und auf aktuelle Programmiermethoden umgestellt und auch der Sprung zu Version 4 ist sicherlich damit zu erklären das sie viele alte APIs rausschmeissen und andere auf den neuesten Stand bringen und so die eine oder andere Inkompatibilität zu alten Macros entsteht. Denke das Aufräumen ist eine gute Idee und wird mittelfristig zu einem Stabileren und besser erweiterbaren Programmcode führen.

Tobi W 14. Januar 2013 um 01:09 Uhr

Tchoee: Sicher nicht. Was mit den richtigen Vorlagen schon ziemlich einsteigerfreundlich ist, ist LyX — aber auch da ist einiges an Einarbeitung nötig, sobald’s etwas komplexer wird.

Gast 14. Januar 2013 um 03:18 Uhr

Personas? Was soll der Mist?…

Sonst: Oberflächlich hat sich echt nicht soo viel getan seit OO, aber immerhin merkt man inzwischen die Performanceverbesserungen – ganz allgemein und sicher auch die, die durch das langsame Entfernen von Java Einzug finden. (Traurig, dass diese Erkenntnis bei vielen so lange gedauert hat. Java ist mist…)

Martin / Dimido.de 14. Januar 2013 um 05:03 Uhr

Ob Personas klug ist, wird die Zukunft zeigen!

Allgemein bin ich mit der Entwicklung von LibreOffice sehr zufrieden und bevorzuge wenige ausgereifte Neuerungen, als viele Neuerungen die nicht richtig funktionieren ;)

Cornel 14. Januar 2013 um 10:10 Uhr

für LaTeX Neulinge gibt es z.B. den WYSIWYG LaTeX Editor “BaKoMa TeX”, ok ich arbeite lieber mit einem reinen LaTeX Editor als mit BaKoMa.

Kalle 14. Januar 2013 um 10:54 Uhr

@weiganri:
Wo bekommt man denn ein Kingsoft Office kostenlos ?

Happy 14. Januar 2013 um 11:11 Uhr

Um ehrlich zu sein nehme ich auch für kleine Briefe LaTeX. Natürlich auch für größere Dokumente – unter MacOs mit den dort vorhandenen Tools wirklich sehr einfach zu bedienen. Und wofür brauche ich WYSIWYG…
Wenn ich schon Präsentationen erstellen muss, nehme ich, soweit möglich KEYNOTE oder aber die Beamer-Klasse von LaTeX.
Ansonsten ist eben die textorientierte Arbeit bei LaTeX, nachdem man sich daran gewöhnt hat, eine wahre Wohltat – schnell zu starten und bedienen, nur eben nicht für jeden anzuwenden. Die Ergebnisse lassen sch meines Erachtens nach auch immer sehen, selbst für die Taufe meiner Tochter hatte ich die Einladungskarten und Tischkarten in LaTeX gesetzt.

Tobbi 14. Januar 2013 um 17:33 Uhr

LaTeX klar, für vernünftige Projektarbeiten :-)

Ansonsten bin ich mittlerweile wieder zu MS Office übergegangen die 2010er/2013er Suite sind wirklich sehr gut, da kommt LibreOffice/OpenOffice aus meiner Sicht im Moment nicht mehr ran.

marco 14. Januar 2013 um 18:16 Uhr

Mir würde es schon reichen, wenn sie am Tempo gefeilt haben. Ich denke mal, 99 Prozent der Nutzer kommen mit den vorhandenen Funktionen aus. Ich benutze zuhause immer noch Office 2000, weil ich die meisten Neuerungen nicht brauche oder sie reine Kosmetik sind. Ehrlich, ich verstehe diese Featuritis nicht, ein schnelles, stabiles und dauerhaft kompatibles Office wäre mir viel Geld wert.


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7. Februar 2013
LibreOffice in Version 4 freigegeben

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