LG: Pressekonferenz auf der CES 2018 mit unfreiwilligen Highlights

8. Januar 2018 Kategorie: Hardware, Smart Home, Streaming, geschrieben von:

LG hat heute seine Pressekonferenz auf der CES 2018 in Las Vegas abgehalten: Das meiste habt ihr allerdings schon bei uns im Blog gelesen. So hielt sich LG ähnlich wie Samsung mit präzisen Produktankündigungen zurück. Stattdessen betonte man seinen Fokus auf künstlicher Intelligenz bei Smart TVs, Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen und Kühlschränken aber auch dem Rest des Smart Homes.

Laut LG seien unter anderem die Prinzipien der Weiterentwicklung und der Alltäglichkeit bedeutsam für die nächste Evolutionsstufe von KI: Das Ziel sei, dass die Produkte sich beim Kunden entwickeln, in dem sie sich an dessen Nutzungsgewohnheiten anpassen. In diesem Bezug will LG auch seine Zusammenarbeit mit Google weiter stärken. Der Google Assistant soll ab Werk an den kommenden Smart TVs von LG zur Verfügung stehen – mal sehen ob auch in Deutschland. ThinQ lautet hier LGs Motto, zu dem ihr im oben verlinkten Beitrag mehr erfahrt.

Außerdem zeigte LG mit Tone ein drahtloses Headset, das ihr theoretisch als Steuerung fürs Smart Home verwenden könnt. Denn für den Google Assistant ist hier ein dedizierter Button an Bord. Auch die Haushaltsgeräte von LG bauen hier ihre Stärken aus: Die Südkoreaner streben Vernetzungen an. Etwa soll die Waschmaschine im Smart Home dem Trockner sozusagen mitteilen, dass da bald eine Fuhre naht und um was für Wäsche es sich handelt. Dann kann der Trockner wiederum bereits seine Einstellungen anpassen.

In der Küche will LG mit seinen Kühlschränken mit 29-Zoll-Displays mit 1080p punkten. An den Touchscreens könnt ihr Rezepte abrufen, den Kühlschrankinhalt über Kameras bestaunen oder mit der Hilfe der Roboter-Assistentin Cloi über Spracheingaben das Kochen erleichtern.

Letztere streikte allerdings auf der Bühne. Cloi weigerte sich David VanderWaal, Vizepräsident für das Marketing bei LG Electronics USA, seine Fragen zu beantworten bzw. auf Kommandos zu reagieren. Klar, das kann auf der Bühne mal passieren, zeigt aber auch, dass vielleicht manchmal ein traditionelles Kochbuch auch heute noch die verlässlichere Alternative ist.

Interessant, aber für Datenschützer ein Grund zum Aufhorchen: LG sprach davon, dass die Geräte des Unternehmens einen „proactive service“ nutzen. Damit ist gemeint, dass die smarten Haushaltsgeräte an die Servicezentren des Unternehmens ständig Daten übermitteln. Dadurch soll es möglich sein, potentielle Defekte noch vor dem Auftreten zu erkennen und im Sinne des Kunden proaktiv zu agieren.

Hört sich auf den ersten Blick toll an, sehe ich aber kritisch. Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn der Servicetechniker dann aufgrund der ausgewerteten Daten eventuell eine Reparatur ablehnt, weil der Kunde mit dem Gerät potentiell nicht pfleglich genug umgegangen ist. Muss man aber sehen, wie das Prinzip in der Praxis umgesetzt wird.

Was die TVs betrifft geizte LG mit Details, hob aber hervor, dass der Google Assistant auch mit Google Fotos, dem Übersetzer und etwa Google Maps arbeiten kann. Zudem unterstützen auch die kommenden OLED-TV des Herstellers HDR 10, Dolby Vision und Advanced HDR by Technicolor. Neu ist wiederum für die LCD der Einsatz von Full Array Local Dimming – hier zieht man im Grunde mit Samsung gleich, die letzteres ebenfalls für ihre neuen Fernseher bestätigt haben.

Auch zeigte LG wieder einige Clips zu seinen Robotern, die als intelligente Einkaufswagen mit Barcodescannern, Kellner, welche Speis und Trank sowie Zeitungen bringen oder auch Guides an Flughäfen dienen können. Letztes Jahr hatte man die Roboter ja angedeutet, nun sind sie bereits teilweise im Einsatz.

Einen dicken Rüffel aber auch ein Grinsen erntet LG von mir für die abstrusesten Marketing-Spots, die ich seit langem bestaunen konnte. Etwa bewarb der Hersteller seine KI-Features mit einer Darstellerin, deren Stimme so sonor und künstlich klang, dass selbst Siri sich dagegen wie die freundliche Nachbarin von nebenan anhört. Und die Clips zur künstlichen Intelligenz an Fernsehern wirkten wie ein Flashback in die 1950er-Jahre.

LG griff ganz unten in die Klischeekiste und zeigte aufgedrehte Teenie-Girls, die Schauspieler im Boyband-Look anschmachten, männliche Sportskanonen mit Schmalzlocken, die mal eben dem Spielstand mit Zahnpastagrinsen am TV abfragen und alte Omis und Opas, welche am Smart TV eruieren, ob sie denn draußen eine Strickjacke anziehen müssten. Puh, da hätte eine Parodie kaum etwas draufsetzen können.

Insgesamt war es dennoch eine interessante Pressekonferenz, auch wenn konkrete Produktankündigungen hier genau so fehlten wie bei Samsung. Ich bin auf den Messestand gespannt und freue mich auf die neuen OLED-TVs nun ganz besonders.


Über den Autor:

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