LG G Watch R im Test: das für mich schönste Rund

10. November 2014 Kategorie: Android, Wearables, geschrieben von:

Da ist sie also, die LG G Watch R. Die Smartwatch, die ich persönlich schicker finde als bisherige Modelle, die ich an meinem Handgelenk testen durfte. Mehr moderner Style als bei der Motorola Moto 360, dafür zusätzlich mit komplett nutzbaren Display. Ein kleiner Ausflug in die Welt der LG G Watch R, gepaart mit meinen jetzigen Ansichten zu smarten Uhren und Android Wear.

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Bislang stand meine Aussage, dass die Hersteller zwar verdammt schicke Smartwatches machen, ich für mich persönlich aber nicht den unbedingten Vorteil / Nutzen sah, der mir vielleicht über 200 Euro Ausgabe wert ist. Dies liegt keinesfalls an den Herstellern, sondern natürlich an mir.

Natürlich ist es nett, auf der Smartwatch Erinnerungen einzusprechen, auch ist es lässig, mittels Sprache mal eben schnell antworten zu können. Doch bislang sind die meisten Smartwatches ohne ihren Smartphone-Counterpart recht dumm.

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Wenige Modelle haben eine separate SIM-Karte oder GPS, sodass sie auch ohne Smartphone zu etwas nützlich sind, doch die normalen Modelle können eben allein nicht viel: die Uhrzeit anzeigen, einen Alarm oder Timer gestellt bekommen und die Einstellungen können geändert werden.

In Sachen Fitness hat man dennoch die Möglichkeit, Schritte zu zählen. Im Falle der LG G Watch R geht mehr, wenn sie mit einem Android-Smartphone ab Version 4.3 arbeitet. Dann habt ihr das komplette Programm an Android Wear: Erinnerungen können gesetzt, Notizen erfasst, und natürlich auch die klassischen Uhrenfunktionen genutzt werden.

In Sachen Kommunikation geht es als gekoppelte Smartwatch auch schwer nach vorne, so ist beispielsweise das Lesen und Beantworten von Kurznachrichten möglich. Kommt eine WhatsApp oder ein Chat in Google Hangouts an, wische ich zum Bildschirm, der das Beantworten mittels Sprache erlaubt und schon kann ich flott mit der Uhr meine Antwort einsprechen – ohne mein Smartphone aus der Tasche zu holen.

Auch ist die Navigation auf den grotesk kleinen Displays möglich – Turn by Turn-Navigation, Verkehrsinformationen und das Erkunden meiner Umgebung – alles möglich, wenn die Smartwatch mit dem Smartphone gekoppelt ist – von der Google Suche mal abgesehen. Die meisten Smartwatches können übrigens Schritte zählen, sodass man mittels Google Fit oder anderen Apps Schritte und Ziele abgleichen kann – die LG G Watch R verfügt zudem noch über die Möglichkeit, eure Herzfrequenz zu tracken. Zur Erweiterung eurer schlauen Uhr findet ihr viele Apps im App Store.

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Zur Verbindung zwischen Smartphone und Smartwatch kommt Bluetooth 4.0LE zum Einsatz, Stand Anfang November 2014 sind nach Messungen von Google 37,4 Prozent aller im Markt befindlichen Smartphones mit Android mit einer Smartwatch kompatibel, Android 4.3 oder höher wird vorausgesetzt.

Und nun der Part, der mir und einigen Anwendern kurioserweise Bauchschmerzen beschert. Die Smartwatches kosten – je nach Modell – die Hälfte bis zwei Drittel eines Flaggschiff-Smartphones, können aber viel weniger. Ich bekomme es einfach nicht aus dem Kopf, dass ich Uhr in der Preislage kaufe (war immer Fossil-Fan, habe da noch vier oder fünf Uhren von rumfliegen, die allerdings höchstens um 150 Euro pro Stück kosteten), die wohl nicht so lange hält.

Eine Uhr war für mich immer etwas, was losgelöst von Zeit funktioniert. Manuell oder per Batterie ausrüstbar, kann eine Uhr viele, viele Jahre Freude bereiten. Und eben jenes assoziieren viele nicht mit einer Smartwatch, da sie einer Uhr so ähnlich ist, aber doch eher der Mini-Computer ist, den ich am Handgelenk tragen.

Vielleicht muss man sich als Interessierter freimachen von diesem Gedanken „Uhr“. Weg von der Denke, dass eine Smartwatch auch nur annähernd die Lebenszeit einer normalen Uhr haben könnte. Hin zum Gedanken, dass es technisches Gerät ist, welches ein doch begrenztes Leben hat. Lass so eine Smartwatch drei Jahre halten, bis sie ihren Zenit überschritten hat.

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Die LG G Watch R

Die Uhr ist rund, 360 Grad-Spaß auf dem Display. Derzeit um die 269 Euro teuer, sicherlich bald günstiger in Bundle-Angeboten zu haben. LG setzt auf einen 1,2 GHz starken Qualcomm Snapdragon 400, der von 512 MB Arbeitsspeicher unterstützt wird. Für Apps und eure Musik (die kann man neuerdings auch auf der Android Wear Smartwatch speichern, wenn man in den Einstellungen von Google Play Music die Funktion aktiviert) ist 4 GB Speicher vorhanden.

Ansonsten bietet die Smartwatch Bluetooth 4.0, ein 320 x 320 Pixel großes P-Oled-Display, einen 410 mAh starken Akku, dazu diverse Sensoren, wie den 9-Achsen-Gyrosensor, ein Barometer und den erwähnten Herzfrequenzmesser. Wind und Wetter dürften kein Problem sein, die LG G Watch R ist geschützt vor Spritzwasser nach IP 67 und soll 30 Minuten bei einem Meter Wassertiefe durchhalten. Die Uhr wiegt 62 Gramm, das 22mm-Armband ist auswechselbar, sofern ihr das schwarze Leder nicht mögt.

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Optik. Schwarz und stark. Subjektiv natürlich alles. Ich mag den Stahl-Look, der rund um das 1,3 Zoll große Display herrscht. Klassisches Uhrendesign – schlicht, aber edel. Kein Vergleich mit LGs ersten Schritten, die 2008 mit Prada Link begannen und auch kein Vergleich mit der LG G Watch, die eckig und mit Kunststoffarmband daher kam und im Vergleich wie aus dem Bonbon-Automaten wirkt. Lediglich die Rückseite der LG G Watch R ist meines Erachtens nicht gelungen, hier setzt man, sicherlich aus Preis- und Gewichtsgründen, auf Kunststoff – dieser passt nicht so ganz in das Gesamtbild dieser Smartwatch. Empfehlung für das zarte Handgelelenk vieler Damen? Wirkt dann sicherlich etwas klobiger. Eher was für Frauen, die den sportlichen Stil mögen.

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Im Gegensatz zu vielen anderen Smartwatches hat die LG G Watch R eine Krone, ein kurzer Tipp sorgt hier für eine alternative Anzeige des aktuell ausgewählten Watchfaces (bei „Alwys-on deaktiviert“ wird das Display ausgeschaltet), während ein langes Drücken dafür sorgt, dass ihr in die Einstellungen der Smartwatch katapultiert werdet. Laut LG hält die LG G Watch R bis zu drei Tagen durch, wenn die Always On-Funktion deaktiviert ist. Die Realität sind dann bei mir bis zu zwei Tage bei mittlerer Bildschirmhelligkeit – und ich bekomme schon einiges an Benachrichtigungen. Hier ist immer wichtig: stellt euch bei Bedarf die Benachrichtigungen in der Android Wear-App ein. So ist es zwar nett, dass Menschen meine Bilder auf Instagram mögen, doch ist dies mir eben nicht so wichtig, als dass ich darüber auf meiner Smartwatch informiert werden wollen würde:

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Ansonsten werde ich hier nicht noch einmal auf die Funktionen von Android Wear großartig eingehen, diese habe ich eingangs angerissen, zudem im Testbericht zur LG G Watch erklärt. Hier hat sich nicht viel geändert. Man bekommt Benachrichtigungen, wischt diese weg, beantwortet Nachrichten, öffnet Apps auf dem Smartphone oder macht Dinge, die die Google-App auch auf dem Smartphone erlaubt: Notizen schreiben, Erinnerungen festhalten, SMS oder E-Mail senden, die Navigation starten, Timer, Stoppuhr und Co – dazu das Smartwatch-spezifische, wie die Anzahl der gelaufenen Schritte oder die gemessene Herzfrequenz anzeigen.

Klasse sind halt Zusatzfunktionen, dass man die Smartwatch zum Beispiel nutzen kann, um das Smartphone entsperrt zu lassen. So ist in Reichweite der Smartwatch euer Smartphone entsperrt, während es gesperrt ist, wenn die beiden sich „aus den Augen“ verlieren. Beim Moto X ist diese Funktion eingebaut, bei Lollipop wird es Standard sein. Bis es soweit ist, helfen notfalls auch diverse Apps – Tasker kann es beispielsweise oder auch Dislock, ehemals Pebble Locker. Doch immer daran denken: dies bedeutet auch, dass die Smartwatch dafür sorgt, dass das in der Hose transportierte Smartphone entsperrt ist. Hier sollte man also per Schnellzugriff das Smartphone sperren, wenn man unterwegs ist.

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Die LG G Watch R hat ein schönes und scharfes Display und der Rahmen, der drumherum ist, stört in keiner Weise beim Wischen. Dies war eine der Fragen, die mir besonders häufig von Interessierten gestellt wurde. Die Krone ist nett, aber eigentlich nur für die Optik. Sie bietet, wie weiter oben beschrieben, ein wenig Funktion, hätte aber durchaus konfigurierbar oder mit einem Mehr an Funktionen ausgestattet sein dürfen.

Während meiner Benutzung lief die LG G Watch R stets stabil und ausreichend schnell. Zwar gibt es mittlerweile eine Vielzahl an externen Watchfaces, aber ich bin tatsächlich mit einem glücklich, welches mitgeliefert wird und mit Neon-Look irgendwo so wirkt, als hätte man sich im Jahre 1980 das Jahr 2015 vorgestellt. Auch wenn sich in Android Wear nicht so viel seit meinen letzten Reviews zum Thema getan habe, so finde ich in Sachen Verpackung das Ganze wesentlich besser – doch wie eingangs erwähnt, ist Optik sehr subjektiv. Negativ ist weiterhin die Möglichkeit, die Uhr nur mittels separatem Craddle aufzuladen. Sicherlich bauartbedingt – denn der entsprechende Anschluss sieht ungeil aus und verbraucht Platz.

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Die LG G Watch hat eine damaligen Gelüste auf die Motorola Moto 360 locker vom Tisch gefegt und darüber, dass sie optisch wesentlich mehr draufhat als ihr Vorgänger – darüber müssen wir nicht reden. Worüber zu sprechen sein darf, ist Android Wear: hier schlummern noch so viele Möglichkeiten, die bislang leider nicht genutzt sind. Auch lassen viele App-Entwickler die großen Möglichkeiten, die diese noch junge Produkt-Kategorie bietet, oftmals ungeachtet links liegen.

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Auch über den Preis darf natürlich diskutiert werden – denn eigentlich macht die 269 Euro teure LG G Watch R nicht wirklich viel mehr in Sachen Android Wear als die LG G Watch (Herzfrequensmesser und Akku mal außen vor). Diese kostet – je nach Anbieter – mittlerweile um 130 Euro – und ist damit rund die Hälfte günstiger. Sofern euch die Optik und das erwähnte Mehr diesen Unterschied wert ist, dann findet ihr in der LG G Watch R den richtigen Begleiter. Sie ist zumindest für mich derzeitig eine der besten Smartwatches auf Basis Android Wear auf dem Markt.


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Über den Autor:

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