Leser-Meinung: RWE SmartHome

1. November 2015 Kategorie: Smart Home, geschrieben von:

Screenshot_RWE_App_iPhoneHier im Blog schreiben wir regelmäßig über Neuerungen aus dem Bereich Smart Home. Ich selber setze nur ein paar Lösungen ein, habe beispielsweise eine Domovea-Lösung auf meinem Hager-Server, die dann auf Basis Zeit, Sonnenuntergang oder manuell per App Rolladen und Licht am Haus via KNX steuert. Indoor kommen noch zwei smarte Lampen, ein Nest als Rauchmelder, Fenster-Sensoren, Kameras und Bewegungsmelder zum Einsatz, die ebenfalls mobil steuerbar sind.

Mittlerweile findet man unzählige Lösungen vor, manche lassen sich nützlich verzahnen, andere sind für Einsteiger und auch Bastler finden einiges vor. Mit dem Status Quo bin ich nicht ganz zufrieden, wie ich bereits mal anmerkte, oftmals ist die Software einfach ein wahrer Usability-Horror, oft wünsche ich mir, dass da mal App-Designer zusätzlich Hand anlegen.

Einer unserer Leser, gleichzeitig mein Namensvetter, hat mal seine Nutzung von RWE SmartHome beschrieben, er nutzt die Lösung seit ca. zwei Jahren. Von daher lasse ich einmal Carsten zu Wort kommen, Carsten ist 37 Jahre alt, verheiratet, Vater eines Sohnes und Technik-Verrückter aus dem Ruhrpott. Hauptberuflich im Mobilfunk-Sektor unterwegs, in der Freizeit Fotograf und Hobby-Griller.

Mit dem Kauf eines Hauses an der Nordsee stellte sich mir die Frage der Überwachung und (Haus-)Automation. Schließlich bin ich nicht immer vor Ort (auch wenn es schön wäre).

Schnell fiel die Wahl auf RWE SmartHome, da ich diesem System hinsichtlich zukünftiger Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit einen Vertrauensvorschuss gab und es jederzeit mit einzelnen Modulen erweitert werden kann.

RWE SmartHome basiert auf einer Funklösung. Kabel müssen (abgesehen vom Router zur Steuer-Zentrale und zur Steckdose) keine gelegt werden. Dafür fressen die meisten Geräte halt Batterien. Deren Haltbarkeit im Gerät ist von RWE mit etwa zwei Jahren angegeben.

Zwar spare ich somit an Kosten und Arbeit für die Hausverkabelung, die einzelnen Geräte sind aber gefühlt recht teuer. So kosten Heizkörper-Thermostate bei Amazon ca. 37 Euro, Tür-/Fenstersensoren ca. 30 Euro und Rauchmelder ca. 51 Euro – je nach Anbieter sind die Geräte auch günstiger zu haben. Bei RWE selber kosten Rauchmelder und Heizkörperthermostat jeweils 49,95 Euro, jedoch zzgl. Versandkosten. Der Tür-/Fenstersensor schlägt hier mit 39,95 Euro zzgl. Versand zu Buche und der Schalter für die Rolladensteuerung gar mit 99,95 Euro. Vergleichen lohnt also.

Seit gut zwei Jahren werkelt nun die RWE Smarthome-Zentrale bei mir. Aktuell sind im Haus zwei Tür-Sensoren, drei Bewegungsmelder, fünf Rauchmelder, sieben Heizungsthermostate und zwei Lichtschalter sowie drei Steckdosen verbaut.

Die Zentrale muss einmalig mittels eines Codes mit dem eigenen RWE SmartHome-Konto verknüpft werden. Die Anmeldung der Geräte an der Zentrale erfolgt dann über die grafische Oberfläche. RWE setzt hier auf Silverlight. Im Suchmodus werden die gefundenen Geräte angezeigt und können in den gewünschten Raum hineingezogen und anschließend konfiguriert (Name des Gerätes, Eigenschaften wie z.B. Kindersicherung oder Höchsttemperatur beim Heizkörperthermostat oder Dauer des Alarms beim Rauchmelder) werden. Die Schalter und Thermostate kommen mit Adaptern für gängige Schalter-Wippen bzw. Heizungsventile.

Zur Steuerung stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. So kann man individuelle Profile anlegen (beispielsweise steuert ein Zeitprofil die Rolläden immer um 8 Uhr oder ein Logikprofil die Lampen wenn es dunkel ist und eine Bewegung erkannt wird – entsprechende Geräte vorausgesetzt). Neben dem Zeit- und Logik-Profil steht auch ein „virtueller Bewohner“ zur Verfügung, der die Anwesenheit simulieren kann.

RWEProfilScreenshot

Die Einrichtung ist sehr einfach und auch von Laien durchzuführen, zumindest was Heizkörperthermostate und Rauchmelder, sowie Bewegungs- und die Tür-Fenstersensoren angeht. Bei den Lichtschaltern z.B. sollte man aber wissen, was man tut. Diese werden anstelle der bisherigen Schalter in der Wand eingebaut und an den vorhandenen Stromkreis angeschlossen.

Um das Funksignal empfangen und das Licht schalten zu können, benötigen sie logischerweise dauerhaft Strom. Wer in einem alten Haus oder einer lange nicht renovierten Mietwohnung lebt und dort nur zweiadrige Kabel verbaut wurden, kann einen solchen Lichtschalter nicht ohne Weiteres nutzen, denn es werden mindestens drei Adern benötigt (ein Leiter zur Lampe (die geschaltete Leitung), die Phase und der Neutralleiter). Für die Rolladensteuerung gilt ähnliches, hier werden sogar vier Adern benötigt (1x Motor rauffahren, 1x Motor runterfahren, Phase, Nulleiter). Prüft also Eure Verkabelung, bevor der Kauf des Schalters in Frust oder Renovierungsarbeit endet.

Verschiedenste Geräte und Bedingungen können über die eben erwähnten Profile miteinander verknüpft werden. So können auch Rauchmelder nicht nur „melden“, sondern aktiv angesteuert werden und Alarm auslösen, wenn der Bewegungsmelder bei Dunkelheit eine Bewegung erkennt und die Tür geöffnet wurde. Gleiche Geräte in einem Raum werden automatisch zusammengefasst. Hat man beispielsweise zwei Heizungen in einem Raum und stellt an einem Thermostat die Temperatur ein, wird diese auf das andere Thermostat übernommen.

Der mobile Zugriff war bei mir für 24 Monaten inklusive und kostet nun jährlich rund 14 Euro. Informiert wird man z.B. via Mail oder SMS, wobei die SMS sehr kostenintensiv sind (das erste Paket mit der Grundfunktion und 25 SMS kostet 19,95 Euro, weitere 100 SMS kosten 14,95 Euro). Der mobile Zugriff, die Mail/SMS Infos sowie andere Features können in einer Art „App-Store“ innerhalb der grafischen Oberfläche gebucht werden. Neben der im Screenshot gezeigten Sonnenaufgangs/-untergangs-Funktion stehen Zugriffe für Miele-Hausgeräte, Philips Hue und Netatmo sowie weitere Funktionen zur Verfügung.

RWEAppStoreScreenshot

Nun aber zur Langzeit-Erfahrung:

Bei einem der Tür-Sensoren, der direkt an einer Alu-Außentür befestigt war, ist die Batterie ausgelaufen. Das Gerät wurde von RWE ausgetauscht. Die Batterien in zwei Heizungsthermostaten waren recht fix (deutlich vor den angegebene zwei Jahren) leer. Da das Gerät aber einen Motor steuern muss, um das Ventil zu regeln, kann das schon mal vorkommen.

Häufig hatte ich Fehlalarme bei den Rauchmeldern. Praktischerweise meist nachts. Seit ich diese aber mindestens 1x im Monat „kalibriere“ (Test-Taste lange drücken), kommt dies nicht mehr vor. Der Support von RWE war da jedoch nicht sonderlich hilfreich.

Die Steuerung via App und über das Internet ist gefühlt langsam, immerhin muss man sich mit den RWE Servern verbinden und diese leiten dann alles an die Zentrale bei mir daheim weiter. Die iOS-App unterstützt auch den Landscape Mode.

Screenshot_RWE_App_iPhone

Vereinzelt wurden Geräte nicht geschaltet. Ich konnte allerdings nicht ausmachen, ob dann z.B. die App zu früh geschlossen und der Befehl nicht übermittelt wurde. Einer der Bewegungsmelder reagiert nicht immer. Laut RWE-Support prüft der Bewegungsmelder aber auch nur alle 6 Minuten die Helligkeit. War abends also Licht in einem Raum an, reagiert der Melder danach erstmal nicht wenn es dunkel ist: er muss ja erst wieder die Helligkeit messen.

Mein Fazit:

Insgesamt bin ich (trotz der gefühlten „Kinderkrankheiten“ und dem eigentlich inakzeptablen Bewegungsmelder, meiner Meinung nach sollte der sofort und nicht erst nach einigen Minuten reagieren können) weitestgehend zufrieden und plane, das System weiter auszubauen. Für meine Bedürfnisse hinsichtlich Anwendungsfall und Funktionen ist es ausreichend.

Neuerdings wird Netatmo unterstützt, auch Philips Hue ist dabei und in Kürze sollen ein Türschloss (ENTR von Yale) sowie ein Leckage-Sensor folgen. Leider gibt es noch keine Glasbruch-Sensoren. Die vermisse ich wirklich.

Die Geräte sind jedoch recht teuer und jede Zusatzfunktion muss über den Store nachgeladen und meistens bezahlt werden. Mir persönlich gefällt aber die Möglichkeit der flexiblen Erweiterung. Und vor der Anreise in unser Haus die Heizung einzuschalten, ist schon schick.

Ein „Smarthome“ ist sicher nicht für jeden etwas und der individuelle Bedarf entscheidet, ob die Anschaffung sinnvoll ist oder nicht. Geld sparen kann man damit vermutlich nicht. Die Anschaffungskosten dürften (je nach Umfang) höher sein, als die Energieeinsparungen durch automatisches Regeln der Heizungen oder Herunterfahren der Rollos. Man gewinnt allerdings an Komfort.

Für den Einstieg in das smarte Zuhause und für Menschen, die in Mietwohnungen nicht alle Wände aufreißen und ein Buskabel verlegen wollen oder können, ist diese Funklösung aber sicher eine gelungene Sache. Zumal die Programmierung über die grafische Oberfläche einfach ist und man keine Scripte schreiben muss.

Tipp:

Wer sich für die Anschaffung interessiert, sollte zugreifen. Aktuell gibt es 100 Euro Cashback. Die Aktion gilt für bis zum 31. Dezember 2015 gekaufte und bis zum 31. Januar 2016 registrierte Geräte. Bedingung: Zentrale plus zwei Geräte kaufen und fristgerecht registrieren.


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Über den Autor:

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. Persönliches Blog. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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