Lenovo Yoga 3 ausprobiert: so schön kann ein Notebook sein

18. November 2014 Kategorie: Hardware, geschrieben von:

Anfang Oktober 2014 stellte Lenovo das neue Yoga 3 Multimode-Notebook vor. Im Vergleich zum Vorgänger wurde noch einmal an der Gehäusehöhe geschraubt, sodass hier ein extrem leichtes und super flaches Notebook hervorgebracht wurde. Mit einem Gewicht von gerade einmal 1.190 Gramm eignet sich das 13 Zoll-Modell als perfekter Reisebegleiter. Ich habe das Yoga 3 nun einige Wochen in der Mangel gehabt und kann Euch meine Erfahrungen mit dem Intel Core M-Gerät mitteilen.

Lenovo_Yoga3_JBL

Optik & Haptik

Das Yoga 3 ist eine Schönheit, da gibt es für mich nichts dran zu wackeln. Es kommt sehr elegant daher, was auch durch das neue Scharnier-System noch einmal unterstrichen wird. Das Scharnier ist einem Gliederarmband nachempfunden und soll robuster sein als herkömmliche Scharniersyteme. Gleichzeitig ermöglicht der Aufbau, dass man das Notebook komplett flach aufklappen kann, sodass Display und Tastatur quasi eine Fläche bilden. Sieht beeindruckend aus, einen praktischen Anwendungsfall dafür habe ich aber noch nicht entdecken können.

So edel die Optik auch daher kommt, so filigran macht sich die dünne Bauweise beim Anfassen bemerkbar. Das Display ist unter 4 mm dünn (nicht professionell gemessen, aber eher weniger). Da dieses dafür gemacht ist, genutzt zu werden (Wechsel zwischen Laptop-, Tablet- und Tent-Modus), bringt es meiner Meinung nach nicht die nötige Beschaffenheit dafür mit. Zumindest mir geht es so, dass ich bei jedem Verstellen des Winkels extrem aufpasse, wo ich das Display anfasse und auch wie viel Druck ich ausübe.

Ich habe lange Zeit das Lenovo Yoga 11S als Arbeitsgerät genutzt. Dieses mittlerweile schon ältere Modell war ebenfalls sehr kompakt, und das Display war ein bisschen dicker. Das fühlte sich robust an, da hatte ich auch keine Angst, dass ich plötzlich ein Stück davon in der Hand habe, wenn ich es umklappe. Das Yoga 2 Pro, welches ebenfalls als 13 Zoll-Modell daherkommt und in Sachen Portabilität den Vergleich nicht scheuen braucht, macht auf mich ebenfalls einen robusteren Eindruck. Das heißt nicht, dass das Yoga 3 nun auseinanderfällt, wenn man es etwas härter anpackt, aber ich für meinen Teil möchte es lieber nicht darauf ankommen lassen.

Das dünne Design macht sich aber auch positiv bemerkbar. Im Rucksack (oder in der großen Damen-Handtasche) findet das Yoga 3 immer einen Platz, die 1,19 kg Gewicht machen sich kaum bemerkbar. Auch hat man bei der Nutzung im Tablet-Modus nicht das Gefühl, zu viel unnützes Gewicht zu halten, wie es bei dickeren und schwereren Geräten oft der Fall ist. Wenn man das Yoga 3 nutzt, fühlt es sich einfach gut an. Der Bereich, der die Tastatur und das Trackpad umgibt, ist mit einer matten Oberfläche ausgestattet, die zudem Vertiefungen aufweist. Das ist sehr griffig und wirkt auch edel. Passt meiner Meinung nach sehr gut zum Gesamt-Produkt und zeigt, dass es eben nicht immer Alu-Oberflächen sein müssen, wenn man Premium haben will.

Lenovo_Yoga_3_Full

Technische Ausstattung und Leistung im Alltag

Das Lenovo Yoga 3 ist eines der ersten Geräte, das mit einem Intel Core M-Prozessor ausgestattet ist. Der neue Prozessor von Intel ermöglicht ein sehr flaches Geräte-Design, zudem kann in manchen Fällen auch auf eine aktive Kühlung verzichtet werden. Das ist beim Yoga 3 leider nicht der Fall, hier schlummert trotz Core M ein Lüfter im Gehäuse. Dieser ist im Normalfall allerdings nicht zu hören, selbst wenn er auf Höchstleistung die Hitze ableitet, kommt er nicht unbedingt störend daher. Wer das Yoga 3 nicht gerade für das Rendern von Videos einsetzt, wird in der Regel nicht vom Lüfter gestört werden. Zur Leistung des Prozessors gleich mehr.

Die technischen Daten der Geräte, wie sie hier im Handel erhältlich sind, unterscheiden sich leicht von dem mir zur Verfügung gestellten US-Modell, wirken sich allerdings nicht auf die Leistung oder Akkulaufzeit aus. Deshalb hier der Überblick über die Daten der in Deutschland verfügbaren Konfiguration:

Display: 13,3 Zoll, IPS QHD+ Multi-Touch-Display, 3.200 x 1.800 Pixel
Prozessor: Intel Core M-5Y70 (Dual-Core, 1,1 – 2,6 GHz)
Arbeitsspeicher: 8 GB DDR3-RAM
Speicher: 512 GB SSD
Grafik: Intel HD Graphics 5300
Konnektivität: WLAN 802.11 a/c, Bluetooth 4.0
Anschlüsse: 2x USB 3.0, 1x microHDMI, 3,5 mm Headset-Anschluss, 4-in-1-Kartenleser Stromanschluss kann auch als USB 2.0 genutzt werden
Akku: 4 Zellen Li-Po-Akku, 44 Wh, 9 Stunden Laufzeit (Herstellerangabe, dazu unten mehr)
Sonstiges: 2 JBL-Stereolautsprecher, 720p-Webcam, integriertes Mikrofon
Abmessungen: 330 mm x 12,8 mm x 228 mm

Die Leistung des Yoga 3, beziehungsweise des verbauten Intel Core M-Prozessors ist gar nicht so leicht zu belegen. Benchmark-Tests sind teilweise noch nicht angepasst und selbst wenn, liefern sie sehr unterschiedliche Ergebnisse. Das liegt daran, wie der Prozessor geregelt wird. Er kann Höchstleistung nicht dauerhaft halten, wird bei einem Temperatur-Anstieg schnell gedrosselt. So kommt es auch, dass zum Beispiel der Peacekeeper-Benchmark, der im Browser durchgeführt wird, Ergebnisse zwischen 2.000 und 3.500 liefert, die Aussagekraft ist daher gleich Null. Mich selbst stört dies nicht wirklich, da mir die theoretische Leistung egal ist, gerne hätte ich aber den Zahlenfreunden hier ein paar Ergebnisse präsentiert. So bleibt der Test der Leistung in meinem persönlichen Arbeitsumfeld, für mich selbst ein super Hinweis auf die Leistung eines Gerätes, für Euch aber nicht zwangsläufig brauchbar, da jeder ein Gerät auf andere Weise nutzt.

Ich persönlich nutze wenige Programme, was aber immer geöffnet ist, ist Chrome in der aktuellen Version und Adobe Photoshop CC 2014, ebenfalls in der aktuellen Version. Photoshop läuft gut mit dem Core M, bei größeren Dateien macht sich die relativ niedrige Leistung dennoch bemerkbar. Das ist nicht störend und für ein Gerät dieser Größe mehr als akzeptabel. Wer aber weiß, dass er sehr viel Rechenleistung für die tägliche Nutzung benötigt, wird hier wahrscheinlich auch Dauer nicht glücklich werden. Allerdings sucht jemand mit solchen Anforderungen vermutlich auch nicht ein superdünnes Ultrabook.

Der Browser ist mein Arbeitsmittel Nummer Eins, hier sind dann auch schon einmal 30 Tabs gleichzeitig offen. Das steckt das Yoga 3 ohne Probleme weg, auch der Tab-Wechsel erfolgt sofort, es sind kaum Verzögerungen vorhanden. Ob das nun Chrome oder dem Yoga 3 geschuldet ist, kann ich nicht sagen, auf jeden Fall gibt es hier nichts zu meckern. Auch Videos spielt das Yoga 3 flüssig ab, die Intel HD Graphics 5300 macht insgesamt einen guten Job, auch wenn sie für Gaming natürlich nur bedingt geeignet ist.

Und dann ist da noch Windows 8.1 und das hochauflösende Display. Ich muss sagen, dass es hier kaum noch zu Problemen kommt. Ich kann mich noch erinnern, als das Yoga 2 veröffentlicht wurde, dass kaum Programme eine Unterstützung für die hohe Auflösung an Bord hatten. Da hat sich definitiv viel getan, mir fielen in der normalen Nutzung keine zu kleinen Schaltflächen oder unschöne Darstellungen auf.

Das Display selbst steht und fällt mit der Beleuchtung. Während es bei moderater Helligkeitseinstellung zwar ein gutes Bild liefert, kommt die hohe Auflösung erst mit dem richtigen Inhalt und bei starker Helligkeit zur Geltung, was aber natürlich auch wieder den Akku schneller in die Knie zwingt. Der etwas breitere Rahmen um das Display wirkt im Laptop-Modus etwas unelegant, macht die Nutzung als Tablet aber natürlich komfortabel, da man es sehr gut greifen kann.

Der Bildschirm hatte bei mir zudem diese Lichthöfe, vor denen man sich immer fürchtet. Besonders deutlich sind diese beim Start des Gerätes erkennbar oder wenn am Rand dunkle Flächen dargestellt werden. Im normalen Arbeitsalltag stören diese nicht, schaut man aber einen Film, was im Tablet-Modus durchaus Spaß macht, ist dies nicht unbedingt schön anzusehen. Ich schiebe das ein Stück weit auf das Modell, das mir vorliegt, sollte das bei einem gekauften Gerät vorhanden sein, ist es ein Fall für einen Austausch, vor allem bei dem Preis, den man bezahlt.

Die Tastatur ist bei einem Notebook mit der wichtigste Bestandteil, vor allem, wenn man der schreibenden Zunft angehört. Hier ist die Tastatur eines MacBooks für mich ungeschlagen. Das Lenovo Yoga 3 ändert daran nichts. Die Tastatur hat einen sehr niedrigen Hub, da sie auch noch ein Stück in das dünne Gehäuse eingelassen ist. Dies dient dazu, dass sie nicht gedrückt wird, wenn man das Yoga 3 als reines Display nutzt und so umklappt, dass die Tastatur auf dem Tisch liegt. Sie hat auch keinen richtigen Druckpunkt. Die Tasten werden mit einem konstanten Widerstand gedrückt, hier fehlt ein wenig das Feedback. Man gewöhnt sich daran, sie erscheint mir aber sehr weich. Die Tastatur-Beleuchtung ist hingegen super, da blendet nichts aus Ritzen heraus oder so, sie ist sehr angenehm für das Auge.

Lenovo_Yoga3_Tastatur

Das Trackpad ist ebenso wichtig, steuert man darüber im Idealfall das komplette System ohne eine Maus anschließen zu müssen. Auch hier bietet Apple seit Jahren, das muss man einfach neidlos anerkennen, die beste User Experience. Die Oberfläche beim Yoga 3 ist besser als manch andere, man gleitet auch ohne Einarbeitungszeit flott über das Pad. Dieses ist aber recht schmal und auch nicht immer sehr präzise. Man gewöhnt sich daran, aber ein Stück größer hätte es ruhig sein dürfen. Wäre es sicher auch gewesen, wenn Platz vorhanden wäre. Es ist kein Deal-Breaker, wird aber nicht für jeden die Maus ersetzen können.

Der Akku kann die angebenden 9 Stunden durchhalten, das möchte ich nicht bestreiten. Nutzt man das Gerät allerdings, wird man keine 9 Stunden erreichen. Bei mir tastete sich der Akku nach ein paar Ladungen im Bereich von 4,5 bis 5,5 Stunden ein, für ein Gerät dieser Größe respektabel, mehr erreiche ich mit meinem 15 Zoll MacBook Pro auch nicht. Wer hauptsächlich Office und den Browser nutzt, vielleicht noch ein Mail-Programm im Hintergrund nutzt, wird wahrscheinlich ein bisschen mehr herausholen. Ich finde die Akkuleistung gut, auch wenn es nicht an die eines MacBook Air heranreicht.

Lenovo_Yoga3_Closed

Sonstiges

Man muss sich natürlich fragen, für wen das Yoga 13 gemacht ist. Mit einem Preis von 1.599 Euro gehört es definitiv nicht in die Kategorie Allround-Notebook, aber genau das ist es eigentlich. Ein wunderschönes Allround-Notebook, das auch anspruchsvollere Aufgaben erledigen kann. Das Design macht es zu einem Vorzeige-Notebook. Mit dem Gerät will man gesehen werden, die Leute sollen auf das schicke Scharnier schauen. Man will das Gerät auch nutzen, weil es sich gut anfasst und die Nutzung (so weit es im Windows-Rahmen möglich ist) auch Spaß macht. Man merkt, dass man ein Premium-Notebook nutzt. Wer für so etwas gerne tiefer in die Tasche greift, wird es nicht bereuen.

Wer auf der Suche nach purer Leistung ist oder ein robustes Gerät sucht, das auch einmal gröber angepackt werden kann, dem empfehle ich in der Tat den Vorgänger mit einer guten Prozessor-Ausstattung. Spart rund 500 Euro und das Gerät ist auch heute noch eine Top-Anschaffung. Hier kommt es aber wirklich auf den Einsatzzweck an.

Fazit

Das Lenovo Yoga 3 ist in meinen Augen das schönste Windows-Notebook, das man sich aktuell anschaffen kann. Die Leistung des Geräts ist für einen Großteil der Nutzer völlig ausreichend, wenn nicht sogar überdimensioniert. Es macht tatsächlich Spaß das Gerät zu benutzen. Die hohe Portabilität ist durch das flache Design und das geringe Gewicht gegeben, der Akku trägt ebenfalls seinen Teil dazu bei, auch wenn er nicht zu den ausdauerndsten Kollegen gehört.

Der Preis des Gerätes ist nicht überzogen, man bewegt sich mit dem Yoga 3 im Premium-Segment. Außerdem muss diese moderne Technik erst einmal in den Abmessungen des Yoga 3 untergebracht werden, auch das macht ein Gerät teurer, als es die nackte technische Ausstattung vielleicht vermuten lässt. Lenovo hat mit dem Yoga 3 einen richtig guten Job gemacht, anders kann man es nicht sagen, ein Vorzeige-Notebook eben.


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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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