Land der Skeptiker: Deutsche sind pessimistisch im Bezug auf Zukunftstrends

24. Juni 2017 Kategorie: Hardware, Internet, Software & Co, geschrieben von: André Westphal

Dass die Deutschen eher skeptisch im Hinblick auf technische Entwicklungen sind, ist international bekannt. Oft dauert es vergleichsweise lange, bis Innovationen aus den USA oder auch Asien hierzulande Beachtung finden. Manchmal ist das zu befürworten, wenn man etwa an umstrittene Dinge wie den Klout Score denkt, der in den USA sogar bei Einstellungsgesprächen eine Rolle spielt. Aktuell sind die Deutschen aber besonders skeptisch zu technischen Entwicklungen, die als Trends der Zukunft gelten.

Künstliche Intelligenz und automatische Auswertungen durch Algorithmen etwa spielen für die Tech-Industrie eine immer größere Rolle. Genau an diesem Punkt sind die Deutschen tendenziell aber eher abgeneigt. Sie befürchten einen Kontrollverlust im Hinblick auf ihre Daten oder sogar ihr autonomes Handeln, wenn Computer immer mehr Entscheidungen übernehmen. „Ausgerechnet die Entwicklungen mit der größten Dynamik rufen die größte Skepsis hervor„, erklärt Dr. Hannes Fernow, Senior Research Manager bei der GIM (Gesellschaft für Innovative Marktforschung). „Dieser Befund ist für Politik und Wirtschaft in gewisser Weise alarmierend.

So müsse die Regierung etwa deutlicher machen, dass der Staat mit Daten verantwortungsvoll verfahre, damit nicht weiteres Vertrauen verloren gehe. Positiv sehen die Deutschen hingegen, dass gesellschaftliche Teilhabe und verantwortungsvoller Genuss an Bedeutung gewinnen. Bei der Befragung führte die GIM sowohl Experteninterviews als auch Gespräche mit durchschnittlichen Bürgern. Dabei zeigte sich, dass speziell die Bewertungen zur künstlichen Intelligenz zwischen den beiden Gruppen stark auseinander gingen.

Während die Experten sich mehr Vertrauen in digitale Assistenten und künstliche Intelligenz wünschten, zeigten die anderen Befragten eine hohe Skepsis. Fernow schlussfolgert: „Man kann dies durchaus im Lichte der breit diskutierten Entfremdung zwischen ‚Eliten‘ und ‚Normalbürgern‘ betrachten: Auf der einen Seite der Wunsch, das mögliche Neue auch zu machen, und auf der anderen Seite ein eher skeptisches Beharren. Ersteres wird gesellschaftlich nachhaltig nicht funktionieren, wenn man die Vorbehalte nicht adressiert.

Das Ergebnis ist, dass die Ängste und Befürchtungen der Bürger nicht einfach ignoriert werden sollten. Vielmehr bedarf es mehr Aufklärung zu etwa dem Nutzen und den Grenzen der künstlichen Intelligenz und der automatischen Auswertung von Daten. Allerdings braucht es natürlich auch klare Gesetze, welche sowohl Unternehmen als auch Bürgern Rückhalt geben. Und genau an diesem Punkt wird aktuell leider eher die Tendenz der Politik sichtbar die Grundrechte einzuschränken, was sicherlich auch zu der Skepsis der Deutschen beiträgt – siehe Vorratsdatenspeicherung.


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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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