Kurz vorm Fest: iPad Mini – Von FedEx geliefert, von UPS geklaut

23. Dezember 2012 Kategorie: Apple, iOS, Mobile, geschrieben von: Karsten Werner

Jüngst stellte in den USA -laut dieses Videos- ein FedEx-Bote ein iPad Mini zu, kurze Zeit später kam dann ein UPS-Fahrer, brachte seinerseits eine Sendung, erkannte das Paket des Wettbewerbers und griff beherzt zu. Was er nicht wusste: Der Empfänger zeichnete die Aktion per Überwachungskamera auf und stellte das Video bei Youtube ein. Peinlich für den Fahrer, für UPS und für FedEx auch.

Pech gehabt. Wie es ablief, warum so etwas in Deutschland eigentlich nicht passieren kann und wie Ihr Euch vor einem solchen “Apple-Klau” schützt.

Da es sich hier um einen “Stummfilm” handelt, kurz mal das passende Skript dazu: Fahrer 1 (FedEx, in kurzen Hosen), stellt laut Video ein iPad Mini zu. Bei dem Schreiben, das er aus dem halboffenen Fenster nimmt, handelt es sich um eine Abstellgenehmigung, die dem Fahrer des Transportdienstleisters erlaubt, die Sendungen vor der Tür abstellen zu dürfen und ihn damit aus der Haftung nimmt.

Wenige Stunden später erscheint dann Fahrer 2 (UPS, mit weißen Headphones im Ohr) und liefert seinerseits ein Paket ab. Er legt es nur ab, hat es wohl bereits auf dem Weg zum Haus abgescannt, da der Empfänger wahrscheinlich bei UPS eine dauerhafte Abstellgenehmigung hinterlegt hat (dann braucht man nicht immer wieder einzelne Zettel ausdrucken, die gilt dann für einen bestimmten Zeitraum für alle Anlieferungen). Er klingelt, geht weg, kommt aber 2 Minuten später wieder, schaut kurz auf die vorher abgelegte Sendung des Wettbewerbers und nimmt sie mit.

Fake Check 

Videos zu Paketdiebstählen gibt es auf Youtube zwar haufenweise, aber dass ein Transportdienstleister den anderen beklaut, wird eher selten gefilmt. Echt oder nicht? Ich denke schon. In den Kommentaren wird dieses irgendwo bezweifelt, da der UPS-Fahrer ja gar nicht wissen könne, was in dem Paket ist, ohne auf das Label zu schauen (und das tut er ja erst, als er wieder kommt).

Der entscheidende Punkt: Doch, das kann er. Er wird schon beim ersten Mal erkannt haben, was in diesem Karton ist. Apple Gadgets verschwinden auf dem Transportweg immer “besonders gern”, was auch daran liegt, dass Mitarbeiter von Transportdienstleistern sie sehr schnell erkennen können. Alles an Apple-Produkten, was direkt via Foxconn, oder aber über regionale Apple-Distributionslager verschickt wird, kommt in (für das jeweilige Modell genormten) Standardtransportverpackungen daher. Die sind -je nachModell- immer gleich groß, das Material fühlt sich immer gleich an und die Labels oder Rechnungspapiere kleben immer an den gleichen Stellen. Heißt: Jeder Fahrer oder Lagerarbeiter, der ein paar Wochen bei einem der großen Dienstleister arbeitet, erkennt Apple-Produkte eigentlich “blind” an der Transportverpackung. Deshalb fackelt der UPS-Mann hier auch nicht lange, sondern wirft nur “alibihalber” einen Blick auf die angeklebten Transportpapiere (um so zu tun als wäre das “seine” Anlieferung, falls von hinten ein Nachbar des Empfängers zuschauen würde) und kassiert das Paket ganz fix ein. Ohne Schütteln, oder das Gewicht abzuschätzen, denn er wusste ja schon vorher, was drin ist.

Kann so etwas auch in Deutschland passieren?

Nein. Eigentlich nicht mehr. Für alles was von Apple direkt kommt, gilt: Der Hersteller untersagt seinen Transportdienstleistern, seine Waren per Abstellgenehmigung irgendwo hinterlegen zu dürfen. Egal ob “vor der Haustür”, oder “hinter der Garage” oder sonst wo. Kommt die Ware nicht von Apple selbst, sondern via Online-Händler, geht es oftmals sogar noch schärfer zu: Otto zum Beispiel nutzt eigene Transportverpackungen, so dass man den Inhalt des Paketes nicht von außen erkennt und lässt sich -via Hermes- nicht nur den Personalausweis vorzeigen, sondern erfasst sogar die Personalausweisnummer des Empfängers. Andere große Versandhändler verfahren ähnlich.

In diesem Fall hat also entweder FedEx Mist gebaut, oder aber die Sendung kam über einen kleinen Händler, der noch unerfahren ist, seine Apple-Sendungen nicht gegen ein Abstellen geblockt hat und einfach an dieser Stelle Lehrgeld zahlt. In jedem Fall stehen aber alle Beteiligten doof da, denn “Von der Haustür weggeklaute Weihnachtsgeschenke” als Youtube-Video sind ja mal das Gegenteil von guter Werbung.

Was kann man als Privatverkäufer/-käufer machen?

Hierzulande betrifft das aber eigentlich nur noch den privaten Bereich, denn da greifen solchen Regelungen natürlich nicht, da man als Privatkunde keine vergleichbar restriktiven Zusteller-Vereinbarungen mit einem Transportdienstleister hat. Ergo gilt: Wer seine Apple-Gadgets privat verkauft, wenn es mal wieder darum geht, auf eine neue Generation upzugraden, sollte nicht einfach nur die Apple-typischen Versandverpackungen nehmen (oder gar nur die Produktverpackung bekleben), sondern das Ganz immer noch zusätzlich in einem neutralen Karton verpacken. Als Verkäufer mache ich das immer so und wenn ich selbst gebrauchte Apple-Produkte kaufe, schicke ich den Verkäufern immer eine Info, dass mir das lieb wäre. Eigentlich trivial, aber viele machen es trotzdem nicht. Wer aber einmal als privater Versender bei einem Dienstleister einen Verlust gemeldet hat und ein solches Ärgernis mitgemacht hat, der wird wissen, dass sich dieser Aufwand lohnt. Käufer danken es einem meist zudem auch noch mit einer sehr guten Bewertung, da eine stabile Umverpackung immer auch Eindruck macht.

In diesem Sinn wünsche ich Euch, dass Eure Gadgets zum Fest nicht vor der Haustür verschwinden, sondern dort landen, wo sie zur Zeit einfach hingehören: Unter dem Weihnachtsbaum. Frohes Fest zusammen! :-)

 

 


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Über den Autor: Karsten Werner

Dozent, Blogger, Serienjunkie und Thinkpad-Fan. Ich mag die Einfachheit von iOS und die Offenheit von Android gleichermaßen. Schreibe auch für netzwertig, etailment & t3n.

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