Kommentar: Windows 8 – nächste EU-Klatsche für Microsoft?

19. Juli 2012 Kategorie: Windows, geschrieben von: caschy

Zuerst einmal möchte ich mit meinen bekannt sachlichen und mit Bedacht gewählten Worten einen kleinen Kommentar mitgeben, bevor ich zum Thema komme. Ich frage mich oft, was für Klappspaten in Kommissionen und EU-Gerichten sitzen. Was da an Müll verzapft wird – das ist einfach unfassbar. Browserchoice ist mit so ein Ding. Microsoft muss Kunden, die aktuell den Internet Explorer als Standardbrowser verwenden, darüber informieren, dass auch andere Webbrowser zur Nutzung zur Verfügung stehen.

Microsoft hatte man damals aufgebrummt, dass der Anwender die Wahl haben müsse, welchen Browser er installiert und zum Standard macht. Ich klamüsere das hier jetzt nicht alles einzeln auf, nicht nur der Internet Explorer war „damals“ 2009 ein Kriterium, dieses Urteil zu erlassen, sondern auch seine Integration ins Betriebssystem.

2009 war das? Das war das Jahr, in dem der Internet Explorer mit all seinen Versionen zwar immer noch gesamt betrachtet Platz 1 belegte, aber in der Gunst der Konsumenten schon längst weg vom Fenster war. Jeder, der nicht mehr auf dem Baum schläft, der wusste auch 2009 schon, dass man andere Browser installieren hätte können – und wer jenes nicht wusste, der sollte lieber beim Gameboy bleiben….

Wie gesagt, nur meine Sicht der Dinge, eure mag anders sein. Wer sich so etwas ausdenkt, der muss dafür sorgen, dass ich den gleichen Schwurbel auch unter Linux und Mac OS X vorfinde. Und in Zeiten mobiler Systeme muss man natürlich auch Google mit Android und Apple mit iOS verknacken, dass diese mir schon beim Start einen der gefühlt 100 Browser anbieten, die es auf dem Markt gibt.  Und dass man bei iOS nicht einmal einen anderen Standardbrowser außer Safari festlegen kann, wäre sicherlich schon Grund genug für eine EU-Klage mit anschließendem Verkaufsverbot als Urteil. Mindestens 😉

Nun hat Microsoft bei geschätzten 28 Millionen Rechnern die Browser-Auswahl vergessen. Uuuups! Hat bis jetzt keine Sau gemerkt, weil es eben keinen gestört hat. Das lustige Fensterchen muss nun wieder eingeblendet werden und bietet dann so Top-Browser wie RockMelt, Lunascape, Comodo Browser oder SR Iron feil, letztere ein reines Abklatschprodukt von Google Chrome – man hat sich einfach Webkit geschnappt und etwas zusammen gefrickelt.

Die Experten der EU-Kommission haben nun ein neues Untersuchungsverfahren gegen Microsoft eingeleitet, in dem es um den Internet Explorer in Verbindung mit Windows RT geht. Dem Betriebssystem, welches ich momentan die kleineren Chancen einräume (Unterschiede zum normalen Windows 8 hier), da es eigentlich gar kein Windows ist, sondern die Metro UI mit einem eigenes angepassten System. Normale Programme und Co? Laufen nicht, müssen speziell entwickelt werden.

Problem: Unter Windows RT steht dem Internet Explorer eine Art Desktop-Modus zu, der vollen Zugriff auf die APIs von Windows bekommt, im Metro-Modus ist dies nicht möglich. Heißt: der Internet Explorer hat auf der noch nicht veröffentlichten Windows RT-Plattform mit bis dato also NULL Kunden einen Wettbewerbsvorteil. Ich meine: ist ja nicht so, dass Apple auf dem iPad auch keinen anderen Standard-Browser zulässt – des Weiteren können nur Browser benutzt werden, die auf die veraltete Engine zugreifen können, wie sie auch von Safari genutzt wird (dieser aber in der aktuellen & schnelleren Version).

Jedenfalls ist diese Windows API-Geschichte für die Freunde der EU-Kommission mal wieder Grund genug, ein bisschen zu recherchieren. Microsoft ist ja auch Mitte 2012 in allen Belangen noch der große und böse Monopolist, den es zu beschneiden gilt. Google, Opera und Mozilla haben ja bereits frühzeitig ihren Unmut geäußert. Was dies im Endeffekt bedeuten könnte, wenn die EU-Jungs frei drehen?

Sollte die EU entscheiden, dass auch die Desktop-Versionen der Konkurrenz-Browser zugelassen werden müssen, müsste man das gesamte Konzept von Windows RT in die Tonne treten. Im schlimmsten Fall könnte das bedeuten, dass es vorerst überhaupt keine ARM-Tablets für den europäischen Markt gibt, bis die notwendigen Anpassungen vorgenommen wurden.

Nun möchte ich hier nicht „Arschbacken“ mit „Kuchen backen“ vergleichen, Windows RT ist sicherlich etwas anderes, als das oben angesprochene Browserchoice. Da Windows RT in meinen Augen kein echtes Windows-System ist, kann man hier nicht von einer Ausnutzung des Monopols sprechen. Das Monopol beackern fleißig Apple und die zig Android-Versionen. Mich persönlich nervt das alles. (via, via)



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