Kommentar: Lizenzen dürfen weiterverkauft werden

3. Juli 2012 Kategorie: Internet, Software & Co, geschrieben von: caschy

Interessante Geschichte, die allerdings Fragen bei mir aufwirft, beziehungsweise kurz beschreibt, warum Hersteller vielleicht gar nicht wollen, dass ihre Software einfach weiterverkauft wird. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat nämlich entschieden, dass Software weiterverkauft werden darf. Im konkreten Fall ging es um Oracle, die nicht wollten, dass deren Software weiter verkauft wird.

 

Hier stoßen wir allerdings heutzutage auf ein kleines Problem: die Software kommt auf anderen Wegen zu uns, nicht mehr wie früher als CD mit Lizenzcode, sondern als Download. Sicher: es ist super einfach, eine CD mit Lizenzcode zu verkaufen und ebenso einfach ist es, eine digitale Software zu kaufen, sofern ich über einen Code verfüge, den ich weitergeben kann. Das aktuelle Urteil ist im Grundsatz richtig, doch wirft Fragen auf.

So heißt es: „Ein Softwarehersteller könne sich dem Weiterverkauf seiner gebrauchten Kopien durch einen Kunden nicht widersetzen. Dies gelte auch dann, wenn die Software nicht physisch, etwa auf DVD vorliegt, sondern von den Servern des Urheberrechteinhabers heruntergeladen wird.“. Die Problematik des Ganzen sehen wir in unserer schönen bequemen Welt von Google, Microsoft und Apple. Denn die beherrschenden Plattformen haben uns allen etwas gebaut, was den Verkauf gebrauchter Lizenzen quasi unmöglich macht: die Verkettung eines persönlichen Accounts an die Software.

Googles Play Store? Mein Konto, meine Bezahlung. App Store von Apple? Dort genau so. Ich kaufe ein digitales Gut, zum Beispiel Software im Mac App Store. Für diese kommerzielle Software bekomme ich oft gar keinen Schlüssel, keinen Code mehr. Anbieter der Software und Market-Betreiber arbeiten zusammen, mein Konto beim Markt-Betreiber ist die Seriennummer für die gekaufte Software – und dies wird beim Windows 8 Marketplace sicherlich nicht anders sein.

Heißt: ich kann nur mit meinem Konto einen Download anwerfen und die Software als meine gekaufte Software authentifizieren. Das ist super bequem – aber auch super ungünstig, wenn man die Software weiterverkaufen will. Denn dies ist ja dann nicht möglich. Es gibt meines Wissens bislang keine Möglichkeit, Software-Lizenzen auf eine andere Person digital zu übertragen, was das oben erwähnte Urteil in einem ganz anderen Licht dastehen lässt.

Es heißt: Wer seine Software weiterverkaufen will, muss sie zuerst deinstallieren. Es ist nicht rechtens, die Software für den Weiterverkauf zu kopieren. Versteht ihr die Problematik? Ich könnte zwar ein gekauftes Programm aus dem Mac App Store deinstallieren, euch aber nicht das digitale Gut aushändigen, da Download und Lizenz an mein Konto gekoppelt ist. Macht nicht nur Apple so, die muss ich hier aber als Beispiel nehmen. Kleine Info aus einer Support-Anfrage im letzten Jahr, als es um dieses Thema ging? Gerne, hier die Antwort: „Es ist nicht möglich Einkäufe auf einen anderen Account zu übertragen.“.

Sicher, die Macher der Märkte werden sich inklusive der Anbieter in den Nutzungsbedingungen rechtlich abgesichert haben, in Anbetracht des oben erwähnten Urteilsspruch wird es aber vielleicht mal zu einer großen Klage kommen – mit dem Ziel, dass ich auch die gekaufte Software aus den Stores auf andere Accounts übertragen darf.

An einer Lösung haben die Marktbetreiber und die Hersteller von Software aber sicher nicht größtes Interesse: verdient man doch mehr, wenn sich jeder eine Lizenz kaufen muss. So wird man auch weiterhin den Passus „dauerhaftes Nutzungsrecht“ aus den Lizenzbedingungen entfernen um auf der sicheren Seite zu sein. Lösung? Software manuell beim Anbieter kaufen, der auch die Seriennummer mitliefert. Unbequem, aber im Falle eines Weiterverkaufs besser.


Anzeige: Der neue Karriereservice von Caschys Blog in Kooperation mit Instaffo. Lass dich von Unternehmen finden. Jetzt kostenfrei anmelden!

Über den Autor: caschy

Hallo, ich bin Carsten! Daddy von Max, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter, Gerne-Griller und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, XING, Linkedin, Instagram und YouTube. Persönliches Blog. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

Carsten hat bereits 23907 Artikel geschrieben.