Kein Chromecast und Apple TV bei Amazon: Geschäftsbedingungen sind laut Jeff Bezos schuld

1. Juni 2016 Kategorie: Hardware, Streaming, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Artikel_Amazon Prme Instant VideoAmazon ist weit mehr als ein Onlinekaufhaus, mit Geräten und Diensten versucht der Konzern ebenfalls, Kunden an sich zu binden. Dass man dabei nicht immer auf jeden Rücksicht nimmt, zeigte sich letztes Jahr, als Amazon den Verkauf von Googles Chromecast und dem Apple TV stoppte. Als Grund wurde seinerzeit genannt, dass auf diesen Geräten Amazons Streamingdienst nicht nutzbar wäre. Das sorgte für Fragezeichen über den Köpfen, immerhin müsste Amazon nur eine passende App zur Verfügung stellen, um auf den Geräten verfügbar zu sein, so wie es zum Beispiel auch auf der PS4 der Fall ist.

Auf der Code Conference wurde Amazon CEO Jeff Bezos dazu befragt und ließ sich eine interessante Antwort entlocken. Während er erst einmal erklärte, dass private Geschäftsdikussionen privat bleiben sollten, fügte er dann dennoch eine Erklärung an:

When we sell those devices, we want our player — our Prime Video player — to be on the device, and we want it to be on the device with acceptable business terms. You can always get the player on the device. The question is, can you get it on there with acceptable business terms?“

Während es also kein Problem sei, die entsprechende App für Amazons Prime Video-Angebot auf die Geräte zu bringen, geht es um die Konditionen, die dafür vereinbart werden. Um was es dabei genau geht, erklärt Bezos leider nicht, allerdings wäre genau dies der interessante Punkt. Spekulation gefällig?

Eine App für Amazon Prime Video wäre kein Problem. Kunden könnten alle Filme und Serien schauen, Amazon würde dadurch keine Einbußen haben. Allerdings könnten Nutzer keine Prime-Mitgliedschaft über die App abschließen und vor allem keine zusätzlichen Filme kaufen oder leihen, ohne dass Amazon einen 30 Prozent-Anteil zahlen müsste. Die Inhalte könnten nur über In-App-Käufe abgewickelt werden, das ist natürlich überhaupt nicht in Amazons Interesse.

Das gleiche gab es schon einmal mit der Kindle-App. Bücher konnten nur geladen, nicht gekauft werden, der Kauf musste direkt über Amazon erfolgen. Die Einbindung eines „Fremdshops“ ist quasi nicht erlaubt. Macht dem Nutzer nicht viel aus, der nur auf die Prime Video-Angebote zugreifen will, hindert ihn aber daran, auch abseits der inkludierten Inhalte digitale Inhalte zu kaufen, was wiederum Amazons Ziel ist.

Wenn nun Google und Apple – beides direkte Content-Konkurrenten von Amazon – keine besseren Konditionen anbieten, sei es durch einen kleineren Prozentsatz, der abgetreten werden muss oder durch einen eigenen Shop in der App, kommt Amazon Prime Video auch nicht auf die Streaminggeräte. Diese werden dann nicht via Amazon verkauft und der zahlende Kunde ist letztendlich der, der darunter zu leiden hat.

Zumindest kann man nach Jeff Bezos Aussage nun sicher sein, dass es allzu schnell keine Chromcasts oder Apple TVs bei Amazon geben wird. Aus Nutzersicht schade, da dies auch bedeutet, dass es keine Prime Video-App für Apple TV oder Chromecast gibt.


Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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