Jolla: nicht alle Crowdfunding-Unterstützer erhalten ein Jolla Tablet, dafür eine Überraschung

3. Januar 2016 Kategorie: Hardware, Internet, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_jollaMit dem Jolla Tablet versuchte sich 2014 das gleichnamige Unternehmen am Crowdfunding, ein Tablet mit Sailfish OS 2.0 sollte finanziert werden. Nachdem es im Laufe des Jahres 2015 dann zu einigen Verzögerungen und Rückschlägen kam, wurde im Herbst eine kleine Anzahl an Tablets an Backer verschickt. Im November kam es dann zu Finanzierungsproblemen, die eine weitere Produktion erst einmal stoppten. Nun vermeldet Jolla in einem Neujahrsgruß gute Nachrichten – zumindest für Indiegogo-Backer, die sehr frühzeitig das Projekt unterstützt haben. Schlechte Nachrichten gibt es allerdings für den Rest der Backer.

Schlechte Nachricht zuerst? Nicht alle Backer werden ein Tablet erhalten. So hart das auch klingen mag, zumindest ist es eine konkrete Aussage. Eine Garantie, dass man auch die Belohnung für unterstützte Crowdfunding-Projekte erhält gibt es nicht, das Risiko trägt letztendlich der Backer. Aber kein Backer soll leer ausgehen. Jolla verrät zwar nicht, was es geben wird, dazu will sich Jolla zu einem späteren Zeitpunkt äußern.

Jolla_Tablet_02

Die gute Nachricht: Jolla wird noch einmal eine kleine Menge Tablets an frühe Backer des Projekts senden. Dies soll bereits Anfang 2016 passieren. Die Einladungen hierfür werden noch im Januar verschickt. Jolla selbst wird sich auf Software konzentrieren, die von Hardware-Partnern eingesetzt werden wird. Bereits 2015 konnte man einige Partner gewinnen, 2016 soll sich dies noch einmal erhöhen. Jolla ist recht zuversichtlich, dass es ein erfolgreiches Jahr für Sailfish OS werden wird.

We don’t have all pieces of the puzzle figured out just yet, but a few things are now certain: we are happy to say that we will be shipping an additional small batch of the Jolla Tablet to early backers during early 2016, targeting to send invitations during January. The bad news here is that we are not able to complete the production to fulfill all contributions. In other words, all of our backers will not get a Jolla Tablet. However, you can be sure you will not end up empty handed. We might even have some positive surprises in stock for you. But more on that will follow, feel free to speculate!

Während es für die Unterstützer des Projekts sicher ärgerlich ist, dass sie ihre finanzierte Belohnung nicht erhalten werden, ist es immerhin gut zu wissen, was nun Phase ist. Zumindest besser als in Ungewissheit abzuwarten, ob da nun noch etwas kommt oder nicht. Unschön ist natürlich, dass Jolla bereits in der Ankündigung schon wieder ein bisschen mit den Gefühlen der Unterstützer spielt, indem allen Backern eine „Überraschung“ versprochen wird. Hier hätte man durchaus etwas konkreter werden können, vor allem nach den vielen Verzögerungen.



Über den Autor: Sascha Ostermaier

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24 Kommentare

vel2000 3. Januar 2016 um 16:32 Uhr

Manch einer würde es als Beschiss bezeichnen…was es imho auch ist.

Fraggle 3. Januar 2016 um 16:41 Uhr

Das ist ganz klar Beschiß. Ich hab es zwar nicht gezeichnet, aber imho verliert man nur sein Geld, wenn das Projekt erfolgreich finanziert wurde und danach dann scheitert. Das Jolla Projekt ist aber erfolgreich, sofern einige Unterzeichner des Projekts ein Produkt erhalten. Saschas Aussage „Eine Garantie, dass man auch die Belohnung für unterstützte Crowdfunding-Projekte erhält gibt es nicht, das Risiko trägt letztendlich der Backer.“ ist mit Vorsicht zu genießen, denn das Risiko des Unterzeichners ist es wenn das gesamte Projekt scheitert. Da werden Klagen vorprogrammiert sein. Auch seitens Kickstarter. Denn ansonsten werden viele Projekte kommen, die Geld sammeln und später gerade mal so vielen Unterzeichnern nur ein Produkt liefern, damit ein ordentlicher Gewinn übrigbleibt. Beispiel:
Hey, ich biete einen HTPC für nur 50 Euro an. Minimalziel 200.000. Ich sammel 250.000 und jeder Unterzeichner spendete 50 Euro, also 5000 Spender. Jetzt kostet mich das Ding aber überraschend 200 Euro. Und damit ich Gewinn erziele, liefere ich nur an 1000 Spender aus? Das kann nicht sein, wenn Jolla damit durchkommt, ist es das Ende von Kickstarter, weil das Risiko mit leeren Händen dazustehen deutlich größer geworden ist.

Reini 3. Januar 2016 um 16:49 Uhr

Erinnert mich irgendwie an Matchstick. Da wurde auch erfolgreich finanziert, entwickelt, gab Dev-Kits für Entwickler und plötzlich (vermutlich auf Druck eines großen Unternehmens) wurde das Projekt eingestellt. Das Geld erhielt man allerdings (überraschenderweise) zurücküberwiesen.

Jens G. 3. Januar 2016 um 17:07 Uhr

@Fraggle Kickstarter hat da nichts mit am Hut, die Kampagne lief via IndieGogo und dort ist es (leider) nicht unüblich, dass auch Kampangen, die erfolgreich abschließen später scheitern oder gleich ganz mit dem Geld verschwinden. Deshalb bekommt IGG auch leider immer mehr den Ruf der Nepp-Börse da hier vom Betrieber nicht nachgeprüft oder auf Beschwerden wirklich reagiert wird. Zumal wenn das Projekt via „Geld wird auch eingesammelt wenn Ziel nicht erreicht wird“ gebackt wurde, ist das mit Vorsicht zu genießen, insofern ist Saschas Aussage, dass der Backer das Risiko trägt (selbst bei erfolgreichem Backing) durchaus richtig. Man investiert in die Idee. Ob das klappt, muss man abwarten. Trotzdem ist das bei Jolla nun ein zweispältiges Ding, da viele Backer sauer argumentieren, sie hätten das Tablet haben wollen und nicht für die Entwicklung von JollaOS 2.0 bezahlt, in welches aber ein großer Teil der Gelder geflossen ist. Schwierige Situation das.

Bo Hilleberg 3. Januar 2016 um 17:32 Uhr

Ich bin einer derjenigen, die bei IGG das Tablet gezeichnet haben. Ob ich einer der Glücklichen sein werde, bleibt abzuwarten. Es kursierten Exceltabellen, auf denen ich bei Rang 2.500 von 10.000 Backer zu sehen bin.
Ich finde die Idee weiterhin gut, ein neues OS auf den Markt zu bringen. Sollte es ein Jolla Phone 2 geben, würde ich es wohl auch damit probieren.
Das Tablet selber hat ja auf der Messe in Barcelona einen Preis abgeräumt – so schlecht kann es nicht sein.
Und – es bleibt mein persönliches Risiko, wenn ich bei einer Crowdfunding-Kampagne mit mache. Scheiße, wenn ich 200 $ verschossen habe (tut mir auch echt weh), aber ich wusste vorher von einem Risiko. Sonst muss ich zum örtlichen Händler gehen und die übliche Massenware kaufen, die ich ja bisher auch nutze.
Über die Informationspolitik von Jolla wird ja ausführlich im Jolla Blog (https://blog.jolla.com) gestritten. Meine Meinung: ja, das geht deutlich besser.
Und ich freu mir nen Wolf, wenn ich das Gerät bekommen sollte!

wollid 3. Januar 2016 um 18:22 Uhr

„dafür eine Überraschung“
Die ist aber nicht gut gelungen.

THO 3. Januar 2016 um 18:50 Uhr

@Bo Hilleberg – ich freue mich, wenn du das verschmerzt, wenn doch kein Tablet kommt. Die Kritik hier ist ja vor allem – und da schließe ich mich @Fraggle an – dass das Risiko von einem scheiternden Projekt durchaus gegeben ist.
Aber wenn wohl einige Baker ihr Produkt erhalten, andere aber nicht, dann ist das Projekt scheinbar nicht gescheitert.
Wer hat dann Glück? Das entspricht doch nicht dem Gemeinschaftssinn von Crowdfunding, oder?

Und wenn die Firma dann am Ende noch neue Tablets verkaufen sollte, dann kaufen alle, die leer ausgegangen sind zum Ladenpreis solch ein Tablet, dass die Firma ordentlich Gewinn einstreichen kann? Das kann es ja wohl nicht sein.

Davon nehme ich explizit aus, wenn man Geld gibt, dass Software weiterentwickelt wird, auch bei Open Source. Falls du das natürlich aus diesem Gesichtspunkt gesehen hast, dann spricht da auch gar nichts dagegen.

Aber sonst können sie gleich eine Lotterie draus machen: Zahle 200€ und wenn du Glück hast, dann gewinnst du ein Tablet 😉

Andreas G. 3. Januar 2016 um 19:13 Uhr

Ich hab auch mit Unterstützt und werde wohl mein Tablet nicht bekommen da ich mir die 32 GB Version geschossen habe. Mal sehen was die Überraschung wird.

Ich könnte mir sowas vorstellen wie ein Jolla Phone mit limitierter „Other Half“ nur für Unterstützer. Wäre auch nicht schlecht.

Was die Kohle angeht so hab ich sie mehr oder minder schon abgeschrieben. Wenn es doch was wird ist es eine hübsche Überraschung aber wenn nicht dann eben nicht.

Generell finde ich es wichtiger das Jolla überlebt. Eine gute Alternative zu den großen 3 bei dem der Schutz der Privatsphäre der Nutzer hoch gehalten wird, das ist mir das Geld auf jeden Fall wert.

Sascha Ostermaier 3. Januar 2016 um 19:43 Uhr

Sehr interessante Kommentare. Vor allem von denen, die das Projekt unterstützt haben. Danke. Zeigt schön, dass einige Crowdfunding und das damit verbundene Risiko verstehen und manche eben nicht. Können wir ja dieses Jahr noch einiges an Aufklärungsarbeit leisten.

Aaaaallooo 3. Januar 2016 um 19:47 Uhr

Jolla wird genauso wie webOS überleben. Kein Drama, denn eine ernsthafte Alternative war es noch nie.

drudsta 3. Januar 2016 um 20:23 Uhr

@Andreas G.
Ich bin in der selben Situation und sehe es ganz genau wie Du.

Michael 3. Januar 2016 um 23:14 Uhr

Hallo ich habe im März 2015 ein perk jolla phone und tablet bestellt. Das phone habe ich erhalten das tablet werde ich wohl nie bekommen! Zu dem Zeitpunkt als ich orderte hatte jolla bereits den Award gewonnen. Also gab es schon einen Prototypen und sie lieferten Telefone aus. Das Risiko schien mir also überschaubar. Und jolla war ja auch keine Garagenfirma. Von meinen Eintritt in diese unendliche Geschichte bis jetzt sind viele schwerwiegende Dinge bei jolla passiert und bei meinen Recherchen bin ich auf viele seltsame Ereignisse bzw. Entscheidungen seitens jolla gestoßen.
1. das tablet welches den Award gewann, war nicht von Jolla sondern developed by borgs.
2. ein Android clone Aigo X86 erschien mit den selben Spezifikationen wie das jolla tablet.
3.das Gesicht Marc Dillon schied aus dem Unternehmen aus.
4. die Firma wurde in Software und Hardware aufgeteilt.
5. angeblich wurde das display ausgetauscht, da zu schlecht.
6. jolla geriet in Geldnöte und musste einen Großteil personal entlassen.
7. Hurra es wurden neue Geldgeber gefunden, in Indien! Was nutzt mir Hardware in Indien?
8. Während der ganzen Zeit war die Informationspolitik von Jolla schlecht bzw. nicht existent.
9. Nach wie vor wenige native Apps und immer wieder von Jolla propagiert die super Einbindung von Android. Leider funktioniert vieles nicht und eigentlich sehe ich keinen Sinn mir ein tablet oder phone mit alternativen system zu kaufen um dann wieder Android drauf zu bringen.
10. Tablets mit jolla label konnten in China gekauft werden.
Es gibt einen blog von Jolla, dort kann alles auf englisch nachgelesen werden.
ich möchte und mag die Idee eines alternativen Betriebssystems. Von Jollas Managern fühle ich mich verarscht. Auf die kryptische Schreiberei sail on, wave,captain usw. habe ich keinen Bock mehr. Mein jolla phone liegt in der Schublade. Was auch immer die Überraschung von Jolla sein wird, werde ich bei eBay verkloppen.

OxKing 4. Januar 2016 um 08:55 Uhr

Crowd funding wird es 2016 sicher ziemlich schwer haben.

conniewockensolle 4. Januar 2016 um 09:23 Uhr

Ich reibe mich an der Sprache. Muß es denn nun unbedingt das Wort „Backer“ sein?
Unterstützer / Teilnehmer / Förderer / Geldgeber … wie auch immer, aber „Backer“?

Verhunzt doch nicht so rum. Solche Worte braucht es nicht, es gibt genügend passende Begriffe.

Und ansonsten ist das meiner Meinung nach mal wieder ein Sturm im Wasserglas

elknipso 4. Januar 2016 um 09:54 Uhr

Das ist halt das Risiko wenn man sich als Risikokapitalgeber an solchen Projekten beteiligt. Nichts anderes ist Crowdfunding. Risikokapital. Man investiert in ein Versprechen, eine Idee und erhofft sich daraus einen Vorteil (ein Produkt, eine Weiterentwicklung, ideologische Gründe, was auch immer). Geht aber auch das Risiko ein alles investierte Geld zu verlieren.

André 4. Januar 2016 um 10:11 Uhr

@elknipso:
Normalerweise tragen aber alle Investoren das Risiko zu gleichen Teilen bzw. in der Höhe ihrer jeweiligen Anteile. Einen Teil der Investoren „auszuzahlen“, die anderen aber deutlich geringer oder auch gar nicht, ist schon ein Unding. Wenn ich die unterstützt hätte, wäre ich auf jeden Fall sauer.
Man stelle sich nur mal vor, ein Konzern wie VW oder BMW würde zu seinen Aktionären sagen: „Die volle Dividende gibt’s leider dieses Jahr nur für die, die schon mindestens 10 Jahre dabei sind, die anderen bekommen aber in den nächsten zwei Monaten eine Überraschung…“

Michael 4. Januar 2016 um 10:14 Uhr

Zumindest ich habe crowdfinancing verstanden und ich gehe auch davon aus die meisten anderen die in das Jolla tablet investiert haben auch. Leider waren oder sind die Macher von Jolla entweder gerissen oder zu blöd. Ehe wieder ein Kommentar Richtung ist halt das Risiko bei crowdfinancing, bitte bei jolla blog den Verlauf dieser Kampagne lesen.

wollid 4. Januar 2016 um 10:22 Uhr

@elknipso
Jep.

@André
Auch wieder wahr. Nun ist Jolla aber keine AG oder das finnische Gegenstück davon? Oder doch?

Jedenfalls haben einige frühe Unterstützer die Belohnung erhalten, und wenn das Geld jetzt nicht mehr für die Belohnung der anderen reicht, was soll Deiner Meinung nach passieren?

Michael 4. Januar 2016 um 10:29 Uhr

Ich habe das Geld abgeschrieben und werde niemals wieder an einer Schwarm Finanzierung teilnehmen.

Kaleu 4. Januar 2016 um 11:27 Uhr

Crowdfunding klingt zunächst einmal nach einer interessanten Idee.
Schaut man genauer hin, sollte man bei allem Wunschdenken erkennen, dass es sich im Grunde genommen nur um eine weitere hippe Modeerscheinung handelt. Verkauft unter dem sozialen Deckmäntelchen der notwendigen Verbesserung einer lahmenden und ungerechten Welt („Ich kann es ändern…“), angetrieben von einer gehörigen Portion Egoismus („Haben wollen…“‚) gewürzt mit Risikobereitschaft („wird schon schiefgehen…“).

Es besteht die reale Gefahr, dass ohne übergeordnete Kontrolle, ohne ein nachvollziehbares Reglement und ohne Haftung ein „GLÜCKSSPIEL“ daraus wird.

Nicht anders als auch in vielen anderen Bereichen unserer Gesellschaft gibt es, gerade wenn es um Geldbeschaffung geht, mehr schwarze Schafe, als einem lieb sein kann.
Im Prinzip könnte da jeder kommen der gerade etwas Geld braucht, wenn er nur eine für die Geldgeber halbwegs plausible Idee präsentiert. Und schon rollt der Rubel. Leistung muss keine Erbracht werde, es genügt offensichtlich schon das Versprechen auf Leistung. Verzögerungstaktik wird schon im vorhinein toleriert. Sehr praktisch!
Somit sind Betrug Tür und Tor geöffnet.
Und genau dieser wird von einigen wohl auch bewusst praktiziert.

Lässt man die Betrugsabsicht einmal aussen vor, sollte man immer noch bedenken, dass auch herkömmliche Unternehmungen oft von völlig überforderten Ahnungslosen betrieben werden, die fremdes Geld schneller verbraten als man es ihnen reinschieben kann.
Blauäugig oder unfähig?


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