Jodel: Auch in der Tratsch-App hat die Anonymität ihre Grenzen

11. Juni 2016 Kategorie: Android, iOS, Mobile, Social Network, geschrieben von: André Westphal

jodel logoDie App Jodel dürfte jeden nerven, der nicht allzu sehr auf Trivialitäten steht: Wer schon bei Facebook den Hass fühlt, sobald der nächste Einzeiler einer Freundin bzw.eines Freundes im Feed auftaucht, wird auch an Jodel wenig Freude haben. Doch welche Zielgruppe steht besonders auf die täglichen Banalitäten? Richtig, es sind die Studenten, die auch schon anno dazumal im StudiVZ Gruppen wie „Ich glühe härter vor, als du Party machst“ zum Aufschwung verholfen haben. Kern von Jodel ist allerdings, dass alle Nutzer komplett gegenüber der Community anonym sind. Dass jenes auch Grenzen hat, zeigt jetzt allerdings ein neuer Vorfall.

So müsst ihr euch in Jodel nicht registrieren. Andere User können keine Rückschlüsse auf eure Identität ziehen. Anders sieht es natürlich mit der The Jodel Venture GmbH aus, welche in Berlin sitzt. Der Inhalt der meisten Jodel-Nachrichten dreht sich wahlweise ums Flirten, Essen oder Schlafen – Banalitäten des Alltags eben. Anfangs posteten Studentinnen regelmäßig Oben-Ohne-Fotos aus dunklen Eckchen der Bibliothek. Doch diesem Spaß haben die Entwickler mittlerweile durch Kontrolle der hochgeladenen Bilder den Garaus gemacht. Allerdings sollte man es auch mit dem Sprücheklopfen in Jodel nicht zu weit treiben, wie ein Student aus Süddeutschland nun zurecht erfahren musste.

jodel app banner

Besagter Student machte sich einen Spaß daraus vor einigen Tagen einen Amoklauf via Jodel anzukündigen. Abgesehen haben, wollte er es auf die bei ihm weniger beliebten Kommilitonen aus den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Von anderen Jodlern wollte er gerne in Erfahrung bringen, wie lange die Polizei wohl zum Tatort brauchen könnte und was die beste Vorgehensweise sei. Zu weiteren Überlegungen kam er nicht, da die Polizei ziemlich fix an seine Tür klopfte. Laut Jodel-Gründer und Geschäftsführer Alessio Avellan Borgmeyer gebe man in solchen Fällen natürlich IP-Adresse sowie die erfassten Längen- und Breitengrade an die Behörden weiter.

Wie ihr seht, ist die vermeintliche Anonymität also auch bei Jodel an sich keine wirkliche. Der Student hatte seine Fragen wohl nicht ernst gemeint – er wird aber trotzdem wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten rechtlich belangt. Auch ältere Nachrichten des Nutzers wurden der Polizei übergeben. So müsst ihr euch bei Jodel zwar nicht anmelden, tretet aber gerätegebunden quasi immer als gleicher Nutzer auf. Anonym seid ihr demnach zwar, wie bereits angedeutet, gegenüber der Community – nicht aber gegenüber dem Entwickler. In Fällen, in denen ernsthaft eine Straftat geplant wird, ist es natürlich gut und richtig, wenn die Möglichkeit zur Vereitlung besteht. Illusionen sollte man sich bei Apps wie Jodel aber eben nicht machen: Dass ihr weniger deutlich eure virtuelle Visitenkarte präsentiert, heißt noch lange nicht, dass jenes ein Freifahrschein für alle Äußerungen wäre.

Jodel ist übrigens, wie ähnlich ausgerichtete Apps wie Secret oder Whisper, durchaus umstritten. So verführt die App viele User zu ziemlich offenem Ablästern über andere Menschen aus der direkten Umwelt, was im Falle von Studenten teilweise auch am Bereich Mobbing kratzen kann. Immerhin kann man besonders derbe Nachrichten melden. Andere User dürfen Posts zudem bewerten – besonders negativ dastehende Nachrichten entschwinden dann automatisch ins Nirvana. Da auch und besonders Studis jede Menge Unsinn absondern, speziell was politisches Gedankengut betrifft, erlangen jedoch oft skurrile Nachrichten seltsame Popularität. Kennt allerdings jeder von euch, der in Universitäts-Gruppen bei Facebook aktiv ist. Der Sprung vom „Grillen“ zu „Vegan“ und schließlich Diskussionen über „Dogmatismus“ und schließlich „Rechts- und Linksradikalismus“ in dämlichster Weise, ist oft nur zwei Kommentare entfernt.

Sei es drum, ich schweife ab: Falls ihr Jodel nutzt, achtet vielleicht auf eure Wortwahl, lasst euch nicht von der „Anonymität“ blenden und denkt dran, dass nicht jeder wissen will, was für eine Tiefkühlpizza heute auf eurem Küchentisch landet.

Jodel
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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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